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AK-Chef in Schwaz: „Taschentücher habe ich immer griffbereit“

Laut Andreas Herzog von der AK in Schwaz leiden vermehrt Arbeitnehmer darunter, dass Druck nach unten weitergegeben wird.

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Andreas Herzog, seit 20 Jahren AK-Chef in Schwaz. Zunehmend wird er wegen zwischenmenschlicher Probleme am Arbeitsplatz aufgesucht.
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Von Angela Dähling

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Schwaz – Passt der ausbezahlte Lohn hinsichtlich Zulagen, Berufsgruppe, allfälliger Erhöhungen? Das sind die häufigsten Fragen neben Arbeitszeiten und Überstunden, mit denen sich der Schwazer AK-Chef Andreas Herzog und sein Team beschäftigen. Nach Corona und vielen Fragen rund um Quarantäne & Co. heißt es damit wieder „zurück zu den Klassikern“ in der Arbeiterkammer. Über 9800 Beratungen wurden voriges Jahr gezählt. Das Meiste lasse sich durch einen Anruf im Betrieb schnell klären und außergerichtlich lösen. In Summe seien über 850.000 € für die Dienstnehmer im Bezirk 2021 einbringlich gemacht worden.

Auch weil Invaliditäts- oder Schwerarbeiterpensionen von der PVA nicht anerkannt werden, wenden sich viele Verzweifelte an die AK. „Da werden dann oft sehr aufwendige Prozesse geführt“, sagt Herzog. Er leitet seit 20 Jahren die Schwazer Kammerstelle. Zwei Fälle, die er nicht vergisst: Ein Mann, der kurz vor seiner Pension gekündigt wurde und dennoch jeden Morgen mit Aktentasche aus dem Haus ging. „Er schämte sich, seine Frau wusste nichts von der Kündigung. Irgendwann kam er zum Reden zu uns.“ Der andere Fall handelt von einem jungen Mann, der in der AK kurz davor war, sich aus dem Fenster zu stürzen, weil er neben Job auch Wohnung und Freundin verloren hatte. Nach einem vierstündigen Gespräch brachte der AK-Chef den Burschen zur Teestube, wo ihm weitergeholfen wurde.

Eine Box mit Papiertaschentüchern hat Herzog für seine Klienten immer in Reichweite. „Immer öfter fangen Klienten bei uns an zu weinen“, sagt er und nennt als Beispiel eine junge Angestellte, die ihrer Chefin partout nichts recht machen konnte. „Die junge Frau wusste nicht mehr, was sie machen soll“, sagt Herzog. Die AK als Klagemauer, weil der zwischenmenschliche Umgang schwieriger und belastender für so manchen geworden ist. „Der Druck wird von oben aus der Chefetage nach unten weitergegeben. Zu uns kommen die am unteren Ende der Leiter, die sich am wenigsten wehren können“, sagt Herzog.


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