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Wochenendgespräche: Die Macht der Bilder und die Ohnmacht ob der Bilder

Von 5. bis 7. Mai finden die 44. Innsbrucker Wochenendgespräche statt. Im Zentrum steht diesmal das Verhältnis von Poesie und bildender Kunst.

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Wort- und Bildkünstler (im Uhrzeigersinn): Tanja Maljartschuk, Barbara Frischmuth, Teresa Präauer und Hanno Millesi.
© imago (2), APA/Techt, Edition Atelier

Innsbruck – Im Vorjahr wurde bei den Innsbrucker Wochenendgesprächen die nicht immer friktionsfreie, bisweilen auf- und meistens anregende Beziehung von Literatur und Film diskutiert – pandemiebedingt ohne Publikum vor Ort, aber dem Thema durchaus angemessen vor laufenden Kameras. Bei den heurigen, 44. Wochenendgesprächen ist das Zuhören und gelegentliche Mitdebattieren in der Proberäumen des Tiroler Landestheaters wieder erwünscht. Die traditionsreiche AutorInnentagung findet von 5. bis 7. Mai statt.

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Thematisch bleiben die Wochenendgespräche auch 2022 im Feld des Intermedialen. Verhandelt wird das Verhältnis von Poesie, Bild und bildender Kunst. Das Thema, so scheint es, hat in den vergangenen Monaten an Dringlichkeit gewonnen: Der russische Angriffskrieg in der Ukraine ist vielfach zum Anlass geworden, um über die Macht von Bildern und die Ohnmacht angesichts mancher Bilder nachzudenken.

Die ukrainische Autorin Tanja Maljartschuk etwa will in Innsbruck an den Fotografen Maks Levin erinnern. Levin, auch er stammte aus der Ukraine, träumte schon vor Jahren davon, ein Bild zu machen, das den Krieg stoppen kann. Vor wenigen Wochen wurde er in der Nähe von Kiew getötet. Sie würde gerne in einer Welt aufwachen, in der das, was die Bilder in der Ukraine dokumentieren, nicht existiert, so Maljartschuk. Nimmt man diese Bilder als Stellvertreter der Realität ernst, „müssen wir zugeben, dass sich die Welt unwiderruflich verändert hat. Es ist nun eine Welt, in der das geschehen konnte, was die Bilder zeigen.“ Das, davon ist Tanja Maljartschuk überzeugt, habe auch Folgen für die, die die Bilder des vermeintlich fernen Kriegs in Österreichs unmittelbarer Nachbarschaft betrachten: „Ab jetzt sind wir diejenigen, die zu schwach waren, das Geschehene zu verhindern.“

Mit den „Paradoxien der Fotografie“ wird sich der in Paris lebende Vorarlberger Fotokünstler und Bildforscher Arno Gisinger im Rahmen der Wochenendgespräche auseinandersetzen. Als Gewährsmann für sein Nachdenken über Bilder als Erinnerungsspeicher und narrative Konstruktionen dient ihm dabei u. a. Übertreibungskünstler Thomas Bernhard, der den Protagonisten seines Romans „Auslöschung“ die Fotografie als „größtes Unglück des 20. Jahrhunderts“ verteufeln ließ.

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Wie Gisinger arbeiten auch Teresa Präauer und Line Hoven im Grenzbereich von bildender Kunst und Literatur: Präauer, inzwischen vielfach ausgezeichnete Autorin – ihr aktueller Roman „Mädchen“ ist dieser Tage erschienen –, hat an der Wiener Bildenden studiert und sich zunächst als Illustratorin einen Namen gemacht; Line Hoven hat als Illustratorin und Comiczeichnerin mehrfach mit renommierten Autorinnen und Autoren zusammengearbeitet. Ihre Graphic Novel „Liebe schaut weg“ wurde 2008 beim Internationalen Comic-Salon Erlangen ausgezeichnet. 2014 gestaltete sie eine Ausgabe der Literaturzeitschrift Quart. Mit dem Südtiroler Aktionslyriker Matthias Schönweger und dem Tiroler Ein-Wort-Installateur Wilfried Schatz arbeiten zwei weitere Wochenend-Diskutanten an der Schnittstelle von Wort und Bild. Komplettiert wird das Podium vom Südtiroler Slam-Poeten Arno Dejaco, dem Autor und einstigen Hermann-Nitsch-Assistenten Hanno Millesi und der vielfach ausgezeichneten Autorin Barbara Frischmuth.

Die Moderation der 44. Wochenendgespräche über nimmt Erika Wimmer Mazohl. Sie hat zuletzt unter anderem den Gedichtband „Das zweite Gesicht“, eine lyrischen Befragung von Markus Vallazzas Dante-Miniaturen, veröffentlicht. Die traditionelle Eröffnungslesung mit allen Gesprächsteilnehmern findet am Donnerstag, 5. Mai, im Studio 3 des ORF Tirol statt. (jole)

💬 44. Innsbrucker Wochenendgespräche: Bild. 5. bis 7. Mai 2022. www.wochenendgespraeche.at


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