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Lungenkrebs-Screening rettet Menschenleben

Jährliche CT-Untersuchungen bei Rauchern zahlen sich aus, wie Zahlen aus den USA zeigen: Dort wurden zwischen 2014 und 2018 schätzungsweise 10.100 vorzeitige Todesfälle verhindert. Für Österreich könnte ein solches Programm die Zahl der Opfer um ein Viertel reduzieren. Pilotprojekte in Innsbruck und Wien sind zwar geplant, aber noch nicht realisiert.

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Besonders langjährige Raucher sind gefährdet. Früherkennung ist wichtig.
© BilderBox.com / Erwin Wodicka

Washington – Ein in den USA seit Ende 2013 propagierte Lungenkarzinom-Screening durch Niedrig-Dosis-CT-Untersuchungen für langjährige Raucher zahlt sich aus. Der Anteil der Frühdiagnosen steigt, die Überlebenszeit Betroffener wird deutlich länger. Das hat eine vor kurzem im angesehenen British Medical Journal veröffentlichte Studie gezeigt. Zwischen 2014 und 2018 gab es dadurch in den USA offenbar mehr als 10.000 weniger Lungenkrebstodesfälle.

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Seit vielen Jahren wird international nach Wegen gesucht, die Sterblichkeit bei Lungenkrebs zu senken. Als Mittel dazu eignen sich einmal jährliche Computertomografie-Untersuchungen bei Hochrisikopersonen. Das sind vor allem langjährige Raucher. Für die Wirksamkeit gibt es bisher vor allem zwei wissenschaftliche Beweise. Der erste liegt bereits seit 2011 aus den Vereinigten Staaten vor. Im US National Lung Screening Trial (NLST) mit mehr als 53.000 starken Rauchern bzw. Ex-Rauchern wurde erstmals gezeigt, dass durch drei sogenannte Low-Dose-Computertomografie-Untersuchungen mit entsprechender Früherkennung die Lungenkarzinom-Todesrate um 20 Prozent gesenkt wird.

Seit Anfang 2020 gibt es eine Bestätigung durch die europäische NELSON-Studie. In die Untersuchung flossen die Daten von 15.789 Probanden ein. Sie waren langjährige Raucher (50 bis 74 Jahre, mehr als zehn Zigaretten täglich über 30 Jahre hinweg oder mehr als 15 Zigaretten täglich für 25 Jahre bzw. Rauchstopp innerhalb der vorangegangenen zehn Jahre). Die eine Hälfte wurde zu Beginn, nach einem, drei und 5,5 Jahren zu CT-Untersuchungen auf verdächtige Veränderungen in der Lunge einberufen, die andere Hälfte nicht.

Das Ergebnis: Nach zehn Jahren war die Lungenkarzinom-Sterblichkeit unter den Untersuchten um 24 Prozent niedriger als in der Vergleichsgruppe der Personen ohne Screening. Unter den Probandinnen war die Lungenkrebssterblichkeit sogar um 33 Prozent niedriger.

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Frühe Diagnose entscheidend

Für Österreich wurde bereits berechnet, dass ein solches Programm die Zahl der Opfer durch Lungenkarzinome (jährlich etwa 4000 Todesfälle) um etwa ein Viertel – also etwa 1000 Todesfälle pro Jahr weniger – reduzieren könnte. Entscheidend ist die Diagnose im frühen Stadium der Erkrankung, in dem noch eine chirurgische Entfernung des Tumors mit Heilungsaussichten möglich ist. In Österreich werden aber nur etwa 20 Prozent der Lungenkarzinome im Frühstadium entdeckt. Erfolgt das rechtzeitig, können die Fünf-Jahres-Überlebensraten sogar 90 Prozent erreichen, haben Experten festgestellt. Bei später Diagnose sinkt die Fünf-Jahres-Überlebensrate auf nur noch 15 bis 20 Prozent.

Nach wissenschaftlichen Studien ist aber immer die Frage, ob sich solche Maßnahmen auch in der "realen Welt" positiv auswirken. Das dürften Chi-Fu Jeffrey Yang von Massachusetts General Hospital in Boston und die Co-Autoren der Studie (DOI: 10.1136/bmj-2021-069008) jetzt belegt haben. Ab Dezember 2013 wurde in den Vereinigten Staaten allen langjährigen Rauchern (30 Pack-Years) zumindest über 55 Jahre eine jährliche CT-Untersuchung empfohlen. Mittlerweile sollen sich alle Personen zwischen 50 und 80 Jahren mit bereits 20 Jahren und einer Packung Zigaretten pro Tag (20 Pack-Years) untersuchen lassen, wenn sie aktuell rauchen oder innerhalb der vergangenen 15 Jahren mit dem Zigarettenkonsum aufgehört haben.

Die Wissenschafter analysierten die Daten von 763.474 Patienten mit nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen im Alter zwischen 45 und 80 Jahren und einer Diagnose zwischen 1. Jänner 2010 und 31. Dezember 2018. Dabei zeigte sich, dass sich der Anteil der Frühdiagnosen (Lungenkarzinom im Stadium I) mit den Screening-Empfehlungen zwischen 2014 und 2018 von 30,2 auf 35,5 Prozent erhöhte. Das wirkte sich auch auf die durchschnittliche Überlebenszeit der Patienten aus. "In der Altersgruppe von 55 bis 80 Jahren war es von 2010 bis 2013 nur zu einer Verlängerung von 15,8 Monaten auf 18,1 Monate gekommen, was einer nicht signifikanten Zunahme um 4,1 Prozent pro Jahr entsprach. In den Jahren von 2014 bis 2018 beschleunigte sich die jährliche Zunahme (der Lebenserwartung) auf 11,9 Prozent pro Jahr. Die Überlebenszeiten stiegen seit 2014 auf 28,2 Monate", schrieb das Deutsche Ärzteblatt zu der Studie. Damit hätte laut den Autoren das Lungenkrebsscreening in den USA zwischen 2014 und 2018 schätzungsweise 10.100 vorzeitige Todesfälle verhindert.

Pilotprojekte in Wien und in Innsbruck geplant

Österreich ist bisher die Frage der Einführung eines Lungenkarzinom-Screenings noch nicht so wirklich angegangen. Laut dem Wiener Pneumologen Otto Burghuber gibt es zwar zwei geplante Pilotprojekte in Wien und in Innsbruck, realisiert wurde aber noch keines. Ein Pilotprojekt in Ungarn hat erst vor kurzem gezeigt, dass man mit einem solchen Screening den Anteil der Lungenkrebsdiagnosen in einem frühen Stadium sogar auf rund 86 Prozent steigern kann. (APA)


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