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Beziehungskisten aus der Sicht weiblicher Logik im Taxispalais

„Die Göttinnen“ haben in den letzten zwölf Wochen sämtliche Räume der Kunsthalle Tirol im Innsbrucker Taxispalais in Besitz genommen.

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Still aus Tejal Shahs Video „Between the Waves“, das erstmals 2012 bei der Kasseler documenta zu sehen war.Filmstill: Tejal Shah

Von Edith Schlocker

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Innsbruck – Für Kunsthallen-Leiterin Nina Tabassomi ist das „Experiment“, ihre „Göttinnen“-Schau in den vier Monaten ihrer Laufzeit Raum für Raum wachsen zu lassen, aufgegangen. Hätten sich die BesucherInnen nicht zuletzt durch das Fehlen erklärender Raumtexte intensiv auf die Kunstwerke eingelassen, sich sozusagen auf die eigene Wahrnehmung verlassen, was zu interessanten Diskursen geführt habe. Und wegen des Tickets, mit dem viermal die Schau besucht werden kann, seien viele mehrmals gekommen. Was auf alle Fälle der ohnehin nicht berauschenden Quote der Kunsthalle guttut.

Vier Wochen vor ihrem Ende ist die Schau nun komplett bzw. wird sich ab 8. Mai wieder verwandeln, wenn die esoterisch angehauchten „Schinken“ Elisabeth von Samsonows im Rahmen des Journalismusfests Innsbruck Zeitungscomics Platz machen. Bleiben wird allerdings die aus 29 Vasenungeheuern aus den 1960/70er-Jahren bestehende Installation „Polytheismus“ Samsonows, die als feministische Aktivistin und Denkerin interessante Positionen einnimmt, das Malen von Bildern allerdings besser anderen überlassen sollte.

Tabassomi mag als Ausstellungsmacherin Trilogien. Um sich nach den „Hexen“ nun die „Göttinnen“ vorzunehmen. Teil drei hat zwar noch keinen Titel, es werde allerdings um die Krise des aktuellen Kunstsystems gehen. Alles Überschriften, die sehr vage daherkommen und somit einen in alle Richtungen dehnbaren Deutungsspielraum offenlassen. Um aktuell mit diversen künstlerischen Medien Beziehungsgeschichten zu erzählen, in denen Zwischenmenschliches genauso wie der Zustand der Welt verhandelt wird. Wobei es sehr imaginativ, bisweilen auch durchaus poetisch zugeht bzw. in uralte Mythen eingetaucht wird.

Was etwa dann, wenn Ursula Beiler performend in die Rolle der hl. Kümmernis schlüpft, um gemeinsam mit einem Paar in Tiroler Tracht eine Litanei herunterzubeten, unfreiwillig komisch daherkommt. Wesentlich intelligenter ist da schon die 5-Kanal-Videoinstallation der Inderin Tejal Shah „gestrickt“, die in „Between the Waves“ etwa zwei mit weißen Einhörnern bestückte nackte Frauen in plastikverseuchte Meere tauchen lässt. In den Videos des Karrabing Film Collective geht es dagegen sehr konkret um den Widerstand der australischen Ureinwohner gegen die Vereinnahmung durch die westliche Art zu leben und zu denken. In der mit einem orangen „Himmel“ überspannten Hofhalle lässt der Nigerianer Emeka Ogboh schließlich Frauen traditionelle Volkslieder singen.

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