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Wo das Erzittern der Erde in Europa besonders große Schäden bringt

Schweizer Wissenschafter veröffentlichten das erste Risikomodell für Erdbeben in Europa – eine Mammutaufgabe. Die Nachrüstung von Gebäuden entsprechend aktueller Vorschriften würde viele Opfer und Schäden ersparen.

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Ein hohes Erdbebenrisiko herrscht etwa in Neapel.
© Bea/Pexels

Zürich – Erdbeben in Europa verursachen im Schnitt jährlich Schäden von knapp sieben Milliarden Euro und fordern fast tausend Menschenleben, wie das erstmals erstellte europäische Erdbebenrisikomodell zeigt. Angemessene Bauweisen könnten die Verluste mindern, heißt es darin. Gefährdungs- und Risikomodelle bieten eine Grundlage, um die Schäden in Grenzen zu halten.

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Erdbeben sind Naturgewalten, die sich weder präzise vorhersagen noch verhindern lassen. Erdbebenrisikomodelle zeigen jedoch zumindest, welche Regionen am ehesten von starken Erschütterungen heimgesucht werden und wo die zu erwartenden Auswirkungen die größten Schäden bringen können – und welche Maßnahmen dementsprechend ergriffen werden müssen.

Mammutaufgabe

Ein Forschungsteam mit maßgeblicher Beteiligung des Schweizerischen Erdbebendienstes (SED) und der ETH Zürich erarbeitete nun in einer Mammutaufgabe ein neues Gefährdungsmodell sowie das erste Risikomodell zu Erdbeben für Europa. Das am Donnerstag vorgestellte Projekt wurde von der Europäischen Union im Rahmen des Forschungsprogramms Horizon 2020 gefördert.

Auch Istanbul gehört zu den gefährdetsten Städten.
© Cankisi/Pexels

Gemäß den Expertinnen und Experten sehen sich insbesondere städtische Gebiete, die zudem in Regionen mit einer hohen Erdbebengefährdung liegen, mit einem hohen Erdbebenrisiko konfrontiert. Dazu zählen etwa Städte wie Istanbul und Izmir in der Türkei, Catania und Neapel in Italien, Bukarest in Rumänien und Athen in Griechenland. Auch die Schweizer Stadt Basel trage ein überdurchschnittlich hohes Erdbebenrisiko.

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Der Unterschied zwischen Erdbebengefährdung und Erdbebenrisiko besteht darin, dass die Gefährdung quasi eine naturgegebene Kennzahl ist. Sie beschreibt, wie stark der Boden in einem bestimmten Gebiet aufgrund der Geologie und Tektonik erzittern kann. Demgegenüber zeigt das Erdbebenrisiko, welche Opfer und finanzielle Schäden bei einer Erschütterung zu erwarten sind. So kann die Erdbebengefährdung in einer Wüste beispielsweise groß sein, das Risiko mangels Menschen und Häusern hingegen sehr klein.

80 Prozent des Schadens entfallen auf vier Länder

Wie die Forschenden festhalten, entfallen allein auf die Länder Türkei, Italien, Rumänien und Griechenland fast 80 Prozent des gesamten wirtschaftlichen Schadens von rund sieben Milliarden Euro, der im Schnitt durch Erdbeben in Europa pro Jahr entsteht. Zudem seien über 75 Prozent der 900 Erdbebenopfer jährlich in Italien und der Türkei zu beklagen.

Insbesondere nach veralteten Erdbebennormen konstruierte Stahlbetonskelette sowie niedrige Gebäude aus unarmierten Mauerwerken trügen zu den finanziellen und menschlichen Verlusten bei, heißt es in der Studie. Würden die risikobehafteten Gebäude allein in Italien und der Türkei gemäß den aktuellsten Vorschriften für erdbebengerechtes Bauen (Eurocode 8) nachgerüstet, ließen sich demnach die durchschnittliche jährliche Zahl der Todesopfer in Europa um über 50 Prozent und die wirtschaftlichen Verluste im Jahresdurchschnitt um mindestens 30 Prozent verringern. (APA/sda)


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