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„Die letzten Österreicher“: Im Herrgottswinkel der Geschichte

Der Dokumentarfilm „Die letzten Österreicher“ begleitet eine deutsche Sprachinsel in der Westukraine beim Verschwinden.

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Königsfeld wurde um 1800 von Holzarbeitern aus dem Salzkammergut gegründet.
© Cinematograph Filmverleih

Innsbruck – Eine alte Frau geht etwas verdattert durch das Haus, in dem sie ihr bisheriges Leben verbracht hat. Die Koffer sind gepackt. Bald wird sie Königsfeld verlassen. Am Telefon klagt sie – dass sie das noch erleben muss.

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Königsfeld liegt in den westukrainischen Karpaten. Offiziell heißt der Ort Ust-Tschorna. Gegründet wurde er um 1800 von österreichischen Holzarbeitern. Ihre Nachfahren sprechen bis heute ein seltsam verschliffenes Deutsch. Selbst für das Schreckliche haben sie schöne Worte. Ein Hochwasser im Sommer 1998 hat die Eisenbahnbrücke der Siedlung nicht etwa zerstört, sondern „zerwixt“. Die Anbindung ans Bahnnetz hielt den Ort am Leben. Für den Wiederaufbau fehlte das Geld. Auch die Zufahrtsstraßen sind vom Holztransport mitgenommen. Der Ort stirbt. Der Südtiroler Filmemacher Lukas Pitscheider hat den tristen Alltag in Königsfeld gut drei Jahre lang mit der Kamera dokumentiert. Auch das Haus der alten Frau, die gehen musste, besuchte er für „Die letzten Österreicher“ ein zweites Mal. Er werde die Bude bald abreißen, sagt der neue Eigentümer. Bis dahin lagert er hier Ersatzteile.

📽️ Trailer | „Die letzten Österreicher“

Zwei andere träumen derweil oberhalb des Ortes vom Tourismus – und von einer eigenen Seilbahn. Im Internet suchen sie nach Tellerliften. Ihr Optimismus ist rührend. Sie tun das, was sie sich einmal in den „Dummkopf“ gesetzt haben, sagt der eine. Zum Sonnwendfest kommen eine Handvoll Leute. Aber morgen, ist er überzeugt, werden es über hundert sein. Ob er sich die eigenen Geschichten glaubt, bleibt unklar. Seinen Glauben an ein Morgen hat er jedenfalls noch nicht verloren.

Auf Kommentar oder Einordnung verzichtet „Die letzten Österreicher“ konsequent. Pitscheider zeigt einen Ort im Herrgottswinkel der Geschichte. Es geht nichts weiter, aber alles vor die Hunde. Am eindrücklichsten ist der Film, wenn es ihn auf den Friedhof von Königsfeld verschlägt. Ein alter Mann zählt die auf, die gestorben sind. 65 sei er, „der Kleine in der Familie“. Er suche das Gespräch mit den Jungen, obwohl er weiß, dass die ihn verstehen. (jole)

Die letzten Österreicher. Regisseur Lukas Pitscheider stellt den Film am Montag, 2. Mai, im Innsbrucker Leokino vor. Beginn: 20 Uhr.


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