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Ein Wiener Schnitzel wird zur Tischplatte

Zwölf KünstlerInnen möblieren die Innsbrucker Galerie Rhomberg mit ihrem schrägen Inventar.

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„Pauline“ heißt dieser 2011 von Gelatin aus ausgemusterten Bugholzmöbeln gebaute Tisch.
© Galerie Rhomberg

Von Edith Schlocker

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Innsbruck – So manche KünstlerInnen haben offensichtlich große Lust darauf, sich ihr Inventar selbst zu kreieren. Was entsprechend schräg bzw. extravagant daherkommen kann, wie die mehr oder weniger funktionalen Zwitter aus Skulptur und Gebrauchsgegenstand vorführen, die Clemens Rhomberg in seiner Galerie zeigt. Die in ihrer Einzigartigkeit das Herz des hauptberuflichen Möbelhändlers höherschlagen lassen, sind die meisten der Tische, Stühle oder Lampen doch Unikate bzw. Editionen mit ganz kleinen Auflagen.

Der vor zwölf Jahren von Innsbruck nach Wien ausgezogene Ausstellungsmacher Stefan Bidner hat die Schau kuratiert und mit Arbeiten von zwölf KünstlerInnen bestückt. Deren Glanzstück die „Pauline“ von Gelatin ist. Ein Tisch, den das Wiener Künstlerkollektiv – sie haben im vergangenen Jahr das Ferdinandeum spektakulär bespielt – 2011 aus den Resten klassischer Bugholzmöbel zusammengebaut hat. Was durch den Mix der Strukturen, Haptiken, Farben und Formen nicht nur ästhetisch wunderbar funktioniert, sondern auch die Idee des Recyclings auf spielerische Weise durchdekliniert.

Der von Martin Grandits als überdimensionales Wiener Schnitzel gestaltete Tisch ist im Vergleich dazu mit jeder Menge dick aufgetragener Ironie aufgeladen und sein aus Stahlblech geschweißter „MG Bag“ dürfte zum Einkaufengehen wohl zu schwer sein. Franz Wests bunte Stühle sind dagegen bequem besitzbar, Gert Resingers „Nasenlampe“ bzw. sein „Charmeur“ – ein Bein aus hautfarbenem Kunststoff, das zum Blumenständer wird – sind einfach nur fröhlich.

Die Mülltonne von Toni Schmale steht nicht auf tönernen Füßen, sondern solchen aus Beton, ganz normale Plastikeimer werden in Marcus Geigers Lampe zu Schirmen, während Patrick Rampelotto die seine mit silbernen und güldenen Plastikpokalen kostbar tuend behämmert. Und ein Objekt Erwin Wurms darf in diesem Setting natürlich auch nicht fehlen: eine für ihn typisch flauschig aufgeblasene „Würstelbar“ inklusive Induktionskochplatte als Eingeweide.

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Bei so viel Humor darf auch dessen schwarze Wiener Variante nicht fehlen. Die Franz West mit seinem Objekt „Quasimodo“ liefert. Inklusive Nagel und Gebrauchsanweisung, wie dieser in die Wand einzuschlagen ist, sofern man die Absicht haben sollte, sich an einem solchen aufzuhängen.


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