Entgeltliche Einschaltung

Mieter schnaufen durch, Gemeinnützige warten zu

Das Land und die Gemeinden buttern zusätzliche 6,7 Mio. € in die Mietzins- und Wohnbeihilfe. Bei Baukosten-Abfederung bleibt Palfrader vorsichtig.

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Die Landesregierung möchte auch dem unteren Mittelstand mit Beihilfen unter die Arme greifen.
© APA/BARBARA GINDL

Innsbruck – Wenn die letzte Reform erst vier Monate her ist, eine neue verkündet und eine weitere im selben Atemzug bereits in Aussicht gestellt wird, dann muss wahrlich Feuer am Dach sein. Was die Explosion der Lebenshaltungskosten betrifft, ist dies infolge der enormen Teuerung in den vergangenen Monaten tatsächlich der Fall. Die Wohnkosten bleiben da logischerweise nicht außen vor. Im Gegenteil.

Entgeltliche Einschaltung

Die Landesregierung justierte die Wohn- und Mietzinsbeihilfe (im Rahmen der Wohnbauförderung) gestern neuerlich neu. War es mit Jahresbeginn ein Paket von (prognostizierten) 1,75 Millionen Euro, mit denen die Mietzinsbeihilfe ausgebaut wurde, so wurde gestern gar ein Volumen von 6,7 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich in den Beihilfentopf geworfen. 2,5 Mio. € in der Wohnbeihilfe (diese trägt das Land alleine), 4,2 Mio. € in der Mietzinsbeihilfe. Letztere wird von Land und Gemeinden im Verhältnis 80:20 Prozent getragen. Was den Gemeindeanteil an diesen Zusatzmitteln betrifft, so hat die Landeshauptstadt mit gut 465.000 € den Großteil zu schultern. Was leicht erklärbar ist: Prozentuell kommen die meisten Mietzinsbeihilfenbezieher aus Innsbruck.

Otto Flatscher, Leiter der Abteilung Wohnbauförderung im Land, rechnet damit, dass die nunmehrige Leistungs- und Bezieherkreisausweitung dazu führen werde, dass gut 3600 Haushalte zusätzlich eine Beihilfe erhalten können. Zur Einordnung: 2021 wurden in Summe an die 32 Mio. € für Wohn- und Mietzinsbeihilfe genehmigt. Damit, so Flatscher, konnten an die 14.400 Haushalte und damit respektive gut 28.800 Personen unterstützt werden. Das neue Beihilfen-Regime wird mit 1. Juni in Kraft treten.

Die beiden Beihilfen seien nach wie vor „bestens geeignete“ Schienen, „sozial und treffsicher“ helfen zu können, begründete die für die Wohnbauförderung zuständige Landesrätin Beate Palfrader (VP) gestern die erneute Nachschärfung. Weil eben auch rasch an aktuelle Situationen anpassbar. Wie eben die jüngst auf über sieben Prozent enteilte Inflation, wie Palfrader bemerkt: „Je nach Veränderungen werden wir auch in Zukunft anpassen müssen.“

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Abseits einer Anhebung der generellen Beihilfebeträge werde „erstmals auch der untere Mittelstand“ miteinbezogen, sagte Palfrader in Beisein von Landeshauptmann Günther Platter (VP) und LHStv. Ingrid Felipe (Grüne).

So mancher Mieter wird ob dieses Pakets also (zumindest ein wenig) aufatmen können. Die gemeinnützigen Wohnbauträger werden indes noch zu kämpfen haben. Die seit Jahren kletternden Grundstückspreise machen die Akquise für leistbaren Wohnraum enorm schwer. Nun die Baukosten, die durch die Decke gehen. Erst 2020 hat die Landesregierung in der Wohnbauförderung die Sätze für „angemessene Bau- und Grundkosten“ nachjustiert. Die Gemeinnützigen fordern nun mit Blick auf die Teuerung erneut kräftige Anhebungen. Palfrader bestätigt Gespräche mit Sozialpartnern und Gemeinnützigen. Mitte Juni sei die entscheidende Sitzung. Palfrader dämpft die Erwartungen. Eine Anhebung im zweistelligen Prozentbereich werde es nicht geben, eher eine „befristete“ Adaption. Palfrader will keine unnötige Preisspirale in Gang setzen. Die Bauwirtschaft reagiere nämlich darauf, wenn die angemessenen Baukosten angehoben würden. Dann würde alles noch teuer und das Land müsse wiederum mehr Beihilfen ausschütten, so Palfraders Rechnung. (mami)

So soll die Beihilfenerhöhung aussehen

Mit der Erhöhung der Beihilfen möchte das Land Tirol auch den unteren Mittelstand erfassen und vor allem Familien unterstützen. In der Praxis soll das ganze so aussehen:

Alleinerziehende Mutter mit einem Kind und einem Monatseinkommen von...

  • 1500 Euro netto – Beihilfe 350 Euro/Monat (früher: 326 Euro): künftig ein Plus von 24 Euro monatlich und 288 Euro pro Jahr.
  • 1700 Euro netto – Beihilfe 314 Euro/Monat (früher 238 Euro): künftig ein Plus von 76 Euro monatlich und 912 Euro pro Jahr.
  • 1900 Euro netto – Beihilfe 234 Euro/Monat (früher 130): künftig ein Plus von 104 Euro monatlich und 1248 Euro pro Jahr.
  • 2100 Euro netto bisher keine Beihilfe. Künftig 138 Euro pro Monat – jährlich 1656 Euro

Familie mit zwei Kindern mit einem Monatseinkommen von...

  • 1800 Euro netto – Beihilfe 548 Euro/Monat (früher: 458 Euro): künftig ein Plus von 90 Euro monatlich und 1080 Euro pro Jahr.
  • 2000 Euro netto – Beihilfe 468 Euro/Monat (früher: 332): künftig ein Plus von 136 Euro monatlich und 1632 Euro pro Jahr.
  • 2200 Euro netto – Beihilfe 372 Euro/Monat (früher 169 Euro): künftig ein Plus von 203 Euro monatlich und 2436 Euro pro Jahr.
  • 2500 Euro netto – Beihilfe 173 Euro/Monat (früher: 50 Euro): künftig ein Plus von 123 Euro monatlich und 1476 Euro pro Jahr.
  • 2750 Euro netto: bisher keine Beihilfe. Künftig 66 Euro pro Monat – jährlich 792 Euro.

Einpersonenhaushalt mit einem Monatseinkommen von…

  • 1500 Euro netto – Beihilfe 159 Euro/Monat (früher: 106 Euro): künftig ein Plus von 53 Euro monatlich und 636 Euro pro Jahr.
  • 1600 Euro netto – Beihilfe 120 Euro/Monat (früher: 56 Euro): künftig ein Plus von 64 Euro monatlich und 768 Euro pro Jahr.
  • 1700 Euro netto: bisher keine Beihilfe. Künftig 78 Euro pro Monat – jährlich 936 Euro.


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