Entgeltliche Einschaltung

„Nicht verantwortungsvoll“: Wörgler Mitfahrbankerl freut nicht jeden

Grüner Antrag für eine Mitfahrsitzbank löst Bedenken im Gemeinderat aus.

  • Artikel
  • Diskussion (1)
Das Mitfahrbankerl soll bei der Bushaltestelle in der Wildschönauer ­Straße aufgestellt und entsprechend optisch gestaltet werden.
© Hrdina

Wörgl – Eine Sitzbank spaltet die Wörgler Stadtpolitik. Wer auf dem „Mitfahrbankerl“ Platz nimmt, signalisiert damit, dass er gerne mit dem Auto mitgenommen werden würde. „Es ist wie Autostoppen, nur eleganter gelöst. Man muss nicht mit ausgestrecktem Daumen am Straßenrand stehen“, brachte es Gemeinderätin Iris Kahn (Wörgler Grüne) in der öffentlichen Gemeinderatssitzung auf den Punkt. Ganze drei Jahre und eine Aufsichtsbeschwerde brauchte es, bis der Antrag der grünen Fraktion kürzlich im neu gewählten Gremium behandelt wurde. Doch beim „Mitfahrbankerl“ wollten einige Mandatare nicht einsteigen.

Entgeltliche Einschaltung

Platziert werden sollte das Bankerl bei der Bushaltestelle in der Wildschönauer Straße. Dort, wo ohnehin viele Bewohner des Hochtals regelmäßig auf eine alternative Mitfahrgelegenheit warten. Man kennt sich im Tal und hilft sich gern gegenseitig aus. Speziell an den Wochenenden und Abenden sei das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln nämlich mau, schilderte Kahn. „Defizite im öffentlichen Nahverkehr“ ortete auch Bürgermeister Michael Riedhart (VP) und sprach sich für diese „Erweiterung des Angebots“ aus.

Haftungsproblem für Gemeinde?

Und wenn sich jemand am Fahrgast vergreift? Diese Sorge teilte jedenfalls Herbert Pertl (Liste Hedi Wechner) – er brachte ein Haftungsproblem für die Gemeinde ins Spiel. Auch für Christopher Lentsch (Freiheitliche Wörgler Liste, FWL) ist das Bankerl deswegen „nicht verantwortungsvoll“.

Für Kahn ist dies mehr eine Frage der Eigenverantwortung und Erziehung. „Die Gemeinde stellt nur eine Sitzgelegenheit auf“, verwies sie auf andere Orte in Österreich, in denen die Initiative bereits fruchte.

TT-ePaper 4 Wochen gratis lesen

Die Zeitung jederzeit digital abrufen, ohne automatische Verlängerung

TT ePaper

Generellen Widerspruch gab es vom ehemaligen Verkehrsreferenten GR Emil Dander (Liste Hedi Wechner, LW), der keinen Bedarf sah: „Wörgl ist Aushängeschild beim öffentlichen Verkehr“, die Verkehrsachse in die Wildschönau werde zudem demnächst vom Verkehrsverbund Tirol ausgebaut. Ein Bankerl, viele Diskussionen – letztlich gab es mit der Mehrheit von VP, Grüne, Wir für Wörgl und MFG grünes Licht – vorbehaltlich einer juristischen Absicherung.

Tatendrang, zumindest Versuche, einige Wahlversprechen einzulösen, gab es im Gemeinderat darüber hinaus. So dürfen sich die Ausschüsse demnächst mit diversen Anträgen beschäftigen. Die Liste Wechner plädierte unter anderem für eine Umstellung der City-Busse auf E-Mobilität und die Erstellung eines Konzeptes, um Kassenärzte zu motivieren, sich in der Stadt niederzulassen – etwa durch finanzielle Starthilfe und Unterstützung bei der Wohnungssuche.

Wir für Wörgl hätte gerne einen Jugendgemeinderat und ein Reformkomitee, das sich der Neustrukturierung der Stadtpolizei widmet – von der Definition der Aufgaben über Personalfragen bis zur Ausrüstung. Die FWL will überprüfen lassen, ob sich die ehemalige Kompostieranlage am Inn zu Proberäumen für Bands und Perchten umgestalten ließe.

BM Riedhart lobte das Engagement der Mandatare, man wolle „Wörgl gemeinsam weiterentwickeln“. (jazz)


Kommentieren


Schlagworte

Entgeltliche Einschaltung