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Von der Seele gemalte Betroffenheit: Kunst aus Ukraine im Ferdinandeum

Das Ferdinandeum macht sein Studio 1 und die Artbox zu Räumen des Austauschs.

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Olesia Grygoruk beim Malen in „ihrem“ temporären musealen Atelier.
© TLM

Von Edith Schlocker

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Innsbruck – Angesichts des Kriegs in der Ukraine habe sie sich gedacht, es sei doch – auch – Aufgabe von Museen, mit ihren Mitteln bzw. Möglichkeiten auf diesen Wahnsinn zu reagieren, sagt Rosanna Dematté, die für „special projects“ zuständige Kuratorin der Modernen Sammlung am Ferdinandeum. Um mit ihrem Plan, KünstlerInnen aus der Ukraine das derzeit ohnehin unbespielte Studio 1 als Atelier bzw. Ausstellungsraum zur Verfügung zu stellen, bei Museumsdirektor Peter Assmann ein offenes Ohr zu finden.

Gesagt, getan. Sind die sieben Bilder, die von der 38-jährigen aus Kiew stammenden und seit drei Jahren in Innsbruck lebenden Olesia Grygoruk nun im Studio 1 zu sehen sind, doch direkt hier entstanden. Wobei diese eigentlich Übermalungen älterer Bilder sind, stammend aus einer Zeit, als die ukrainische Welt noch einigermaßen in Ordnung war. Während die Städte nun brennen, die Häuser zerstört, die Menschen auf der Flucht sind. Verdichtet zu Bildern der Betroffenheit, die in ihrer expressiven Wucht betroffen machen.

Einen Tag vor Kriegsausbruch hat Danylo Kovach die Ukraine verlassen. Um derzeit im Rahmen der Aktion „Artists at Risk (AR)-Ukraine Solidarity Team“ in Rietz temporär Unterschlupf zu finden. „Not Welcome“ heißt die Serie, die der 30-Jährige im Studio 1 zeigt. Gittrig strukturierte Leinwände, die von jenen dunklen Fußmatten inspiriert sind, die Barrieren gleich Eingänge markieren. Als ebenso einladendes wie ausgrenzendes Element, das Kovach zur klaren plakativen Struktur reduziert über seine malerischen Spurensuchen stülpt.

Als mehrmaliger Teilnehmer an Grafikbiennalen in der Ukraine ist Elmar Peintner zutiefst erschüttert vom aktuellen Geschehen. Um seine Betroffenheit sich mit einer kleinen Bilderserie sozusagen von der Seele zu malen. Reduziert zu schwarz-weiß-streifigen Puzzles, die in fast filmischer Ästhetik Zerstörung und Leid suggerieren. Daneben hat Roland Sila, der Leiter der landesmusealen Bibliothek, zwei Gedichte von zeitlos gültiger Relevanz von Ilse Aichinger und Erich Fried gehängt.

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Ob die seit 1989 in Österreich lebende russische Künstlerin Anna Jermolaewa noch immer daran glaubt, dass gesellschaftliche Veränderungen mit friedlichen Mitteln, u. a. mit Kunst, herbeigeführt werden können, ist die Frage. Vor fünf Jahren, als sie ihren Zyklus „The Penultimate“ im Museum Non-Conformist Art in St. Petersburg gezeigt hat, hat sie das jedenfalls getan. Den vom Tiroler Landesmuseum angekauften Zyklus von Blumensträußen, die für die friedlichen „Farbrevolutionen“ vergangener Jahrzehnte, u. a. der orangenen von 2004 in der Ukraine, stehen, hat der Leiter der Modernen Sammlung, Florian Waldvogel, in die Artbox gehängt. Wo sie nicht ohne tieferen Sinn etwas verloren daherkommen.

Ferdinandeum. Museumstraße 15, Innsbruck; bis 15. Mai, Di–So 10–18 Uhr


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