Entgeltliche Einschaltung

RLB-Tirol-Chef Mayr: „EZB wird die Zinsen erhöhen müssen“

RLB-Tirol-Chef Reinhard Mayr ist der Meinung, dass sich die Negativ-Kreditzinsen heuer ins Plus drehen können. Die Erwartung für Ende 2023 ist 1,5 bis 2 Prozent.

  • Artikel
  • Diskussion
Das Ende der Nullzinspolitik naht auch im Euro-Raum.
© iStock

Von Max Strozzi

Entgeltliche Einschaltung

Innsbruck – Angesichts der stark steigenden Preise drehen nun viele Währungshüter an der Zinsschraube. Die US-Notenbank Fed hob den Leitzins auf 0,75 bis 1 Prozent, die Briten legten ebenfalls auf 1 Prozent nach, Tschechiens Zentralbank zog auf 5,75 Prozent an. Die Europäische Zentralbank (EZB) stand bisher stark auf der Bremse, aber auch hier dreht sich der Wind. „Die EZB kommt um eine Zinserhöhung nicht herum“, ist auch RLB-Tirol-Chef Reinhard Mayr überzeugt. Es wäre die erste Zinsanhebung im Euro-Raum seit 2011. Mayr rechnet heuer bei der EZB mit zwei bis drei Zinserhöhungen – die erste im Juni/Juli. Anfangs habe dies zunächst nur die Folge, dass die derzeitigen Strafzinsen für Banken und etwa der 3-Monats-Euribor für Kredite Richtung null klettern, weshalb sich die Zinserhöhung am Markt gar nicht unmittelbar auswirken werde, so Mayr.

Gegen Ende des Jahres könnte aber beispielsweise der für viele variabel verzinste Kredite maßgebliche 3-Monats-Euribor bereits ins Plus drehen, meint Mayr. „Das könnte noch heuer passieren.“ Ein Jahr später, Ende 2023, könnte der 3-Monats-Euribor – nach jetzigem Wissensstand – bereits bei 1,5 bis 2 Prozent liegen. Das lasse sich anhand der Zins-Terminkurven ableiten, die die Erwartungen des Marktes an künftige Zinssätze abbilden. Demnach könnte sich ein solches Zinsniveau von 1,5 bis 2 Prozent auch längerfristiger einpendeln. „Dies wäre ein langfristig sinnvolles Niveau, das auch Investitionen nicht einbremsen würde“, so Mayr.

Inwieweit heuer Zinssteigerungen auch den Inflationsschub – zuletzt auf mehr als 7 % – einbremsen können, ist ungewiss. Die aktuellen Preissprünge seien getrieben von den Energiepreisen angesichts des russischen Ukraine-Krieges. Doch auch die Kerninflation, bei der etwa Energie nicht eingerechnet wird, hat angezogen. „Die Kerninflation wird hoch bleiben“, glaubt Mayr.

Die Anzeichen für eine baldige Kursänderung der EZB mehren sich. Negative Zinssätze seien „möglicherweise nicht mehr notwendig“, sagte EZB-Direktoriumsmitglied Fabio Panetta der italienischen Zeitung La Stampa.

TT-ePaper 4 Wochen gratis lesen

Die Zeitung jederzeit digital abrufen, ohne automatische Verlängerung

TT ePaper

Kommentieren


Schlagworte

Entgeltliche Einschaltung