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„Qualität statt Quote“ bei der Versorgung von Flüchtlingen

Michael Takacs, der Ukraine-Flüchtlingskoordinator des Bundes, lobt bei seinem Tirol-Besuch das Engagement von Bevölkerung und Politik.

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Noch ist das Ankunftszentrum für Vertriebene aus der Ukraine im Haus Marillac angesiedelt, nächste Woche dann im Hotel Europa.
© Böhm

Von Nikolaus Paumgartten

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Innsbruck – Leid hat Michael Takacs in den vergangenen Wochen viel gesehen. Trotzdem – oder gerade deshalb – bezeichnet der Ukraine-Flüchtlingskoordinator des Bundes seinen Tirol-Besuch als „totalen Wohlfühl-Termin“. Denn gerade hier in Tirol erlebe er eine rasche und zielgerichtete Hilfe wie in kaum einem anderen Bundesland. Als es etwa darum ging, kurzfristig 300 Waisenkinder und 80 Betreuungspersonen aus der Ukraine aufzunehmen, habe Tirol sofort reagiert. „Bei Günther Platter finde ich immer ein offenes Ohr“, streut er Tirols Landeshauptmann (VP) Rosen.

Platter selbst gibt das Lob direkt weiter an die Bevölkerung. „Die Spenden- und Hilfsbereitschaft ist enorm. Bisher sind 473.500 Euro eingegangen, die vom Land verdoppelt werden. Insgesamt stehen damit 947.000 Euro zur Verfügung“, rechnet Platter vor. Daneben wurden 100 Tonnen an Hilfsgütern gesammelt, die an die ukrainische Grenze geliefert wurden, sowie Lebensmittel, die von drei Sattelzügen direkt ins kriegsgebeutelte Land gebracht wurden. In Tirol sind laut Platter derzeit 3400 Vertriebene aus der Ukraine polizeilich erfasst und 2500 in der Grundversorgung. 800 Kinder und Jugendliche besuchen bereits eine Bildungs- oder Betreuungseinrichtung in Tirol.

In den kommenden Tagen wird Tirol außerdem weitere 70 Waisenkinder und 26 Betreuungspersonen aufnehmen, die über Initiative des Vereins „Kleine Herzen“ nach Tirol vermittelt wurden. Was die Unterkunftsituation betrifft, sei man hierzulande auf weitere Flüchtlinge vorbereitet. Derzeit werden rund 1000 private Unterbringungsmöglichkeiten geprüft, über die Sozialen Dienste stehen zusätzlich 1500 zur Verfügung. „Insgesamt werden wir bis zu 20.000 Unterbringungsplätze brauchen. Das ist die obere Kante“, sagt LH Platter. Denn darin sind sich er und Flüchtlingskoordinator Michael Takacs einig: Die große Fluchtbewegung könnte noch kommen – je nach weiterer Entwicklung in der Ukraine.

Takacs geht davon aus, dass 150.000 bis 200.000 Menschen nach Österreich fliehen könnten. Was die Verteilung der Flüchtlinge auf die Bundesländer betrifft, will er keine Zahlen nennen. „Ich rede nicht über Quoten. Es geht darum, diese Leute zu versorgen und zu schauen, wo in den Ländern die jeweils besten Schnittstellen von Arbeitsplatz, Schulplatz und Unterkunft sind“, sagt Takacs.

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Dass es in Tirol angesichts der angepeilten 20.000 Plätze nicht ohne Großunterkünfte gehen wird, räumt Platter ein. Messehalle und Congress in Innsbruck sowie die Turnhallen in den Gemeinden könnten dann zu Flüchtlingsquartieren umfunktioniert werden. „Wir haben aus der Flüchtlingskrise 2015/2016 gelernt und wollen vorbereitet sein“, sind sich Platter und Takacs einig. Und weil man gelernt habe, werde es auch keine Traglufthallen mehr geben, betont Platter.

Dreh- und Angelpunkt der Flüchtlingsregistrierung in Tirol wird das neue Ankunftszentrum im ehemaligen Hotel Europa in Innsbruck gegenüber dem Hauptbahnhof sein. Dieses steht laut Platter kurz vor der Inbetriebnahme, die Sanierungsarbeiten sollen in den kommenden Tagen abgeschlossen werden. Auf einen genauen Termin will er sich nicht festnageln lassen, „innerhalb der nächsten zehn Tage“ soll es aber so weit sein. Dann übersiedelt das Ankunftszentrum aus dem Haus Marillac im Stadtteil Saggen ins Zentrum an den Südtiroler Platz.

Die kleine Yana und ihr Freund Fedor

Bomben, Raketen, Angst, Schrecken. Yana floh vor dem Krieg in der Ukraine. Ihre Haustiere musste sie daheim in Odessa zurücklassen. Mit ihrer Mutter und zwei Geschwistern kam das Mädchen ins Nachbarland Moldau. Wie Hunderttausende Landsleute. Hier hat die Familie vorläufig ein Zuhause gefunden. Im kleinen Dorf Tudora, nahe der ukrainischen Grenze, wurden sie von der österreichischen Hilfsorganisation Concordia untergebracht.

Yana findet sich in der neuen Umgebung gut zurecht. In Fedor, einem älteren Herrn, der in einem Haus von Concordia betreut wird, hat sie einen Freund gefunden. Die beiden unterhalten sich, sie schiebt ihn mit seinem Rollstuhl durch die Gänge, malt ihm Bilder. Wenn Yana nicht gerade bei ihrem neuen Kumpanen ist, kümmert sie sich um Nachbarshunde und -katzen. Wie alle Ukrainer hofft sie, bald zurück nach Hause zu können. Dann würde sie vielleicht ihre eigenen Tiere wiedersehen.

Die Organisation verfügt über ein Spendenkonto mit dem Namen „Concordia Sozialprojekte Gemeinnützige Privatstiftung“, IBAN: AT28 3200 0000 1318 7893. (TT)


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