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Vogelflug und Wolkenraum: Erika Giovanna Klien im Museion in Bozen

Avantgarde und Zeitgenössisches: Das Museion eröffnet den Dialog zwischen Erika Giovanna Klien (1900–1957) und der Gegenwart.

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Erika Giovanna Klien im Austausch mit der Gegenwart: Eingang zum Ausstellungsraum mit Eva Schlegels „Wolkenvideo“ (2000).
© Guadagnini

Bozen – Erika Giovanna Kliens Schaffen fand zeit ihres Lebens nicht jene Beachtung, die männlichen Künstlerkollegen zukam. Das teilt die österreichisch-amerikanische Künstlerin (1900–1957) mit vielen anderen Künstlerinnen dieser Zeit. Betrachtet man ihre Bewegungsstudien aus den 1920ern und 30ern heute, fügen sie sich jedoch perfekt in jene Avantgarde ein, die damals in der Szene den Ton angab: In Italien waren es die Futuristen, in Russland die Konstruktivisten. In Österreich der Wiener Kinetismus. Klien, die, im Trentiner Borgo Valsugana geboren, über Wien, Salzburg, Graz nach New York kam, wurde also erst viel später entdeckt. Eine wichtige Ausstellung widmet ihr aktuell das Bozner Museion – das mit dieser Schau sich einmal mehr auf seine eigene Schnittstelle zwischen moderner und zeitgenössischer Kunst besinnt.

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In „Bird Flight“ werden moderne Positionen nämlich mit Gegenwartskunst konfrontiert. Ausgangspunkt ist Erika Giovanna Kliens gleichnamige Studienserie, in der der Vogelflug auch mithilfe von Licht untersucht wird. Sie soll dafür auch mit einer Lichtmaschine experimentiert haben. Und das Thema bleibt auch in Kliens späterem Œuvre.

Ihre Beschäftigung mit Licht und Bewegung haben die KuratorInnen Bart van der Heide, Andreas Hapkemeyer und Brita Köhler für die Schau weitergedacht – und sie u. a. mit einem beeindruckenden Lichtballett des deutschen Künstlers Otto Piene komplementiert. Nicht weniger spektakulär sind die technisch-poetischen Lichtbrechungen von Alberto Biasi („Light Prism“, 1969), die hier als eine logische Weiterführung von Ludwig Hirschfeld-Macks Farbenlichtspielen aus den 1920ern gezeigt werden.

Und erneut sind es vor allem männliche Künstler, die vor den Vorhang gehoben werden. Eine Verknüpfung zwischen Geschlechtern und Positionen gelingt mit der einfühlsamen und doch sehr präsenten Ausstellungsarchitektur von Matilde Cassani, die mit eigenen, farbigen Akzenten Räume verbindet und den Weg durch die Schau lenkt.

Auf diesem Hintergrund können auch weibliche Positionen wie jene von Ceal Floyer und Liliana Moro wortwörtlich leuchten. Ein absolutes Highlight: der Raum mit dem Wolkenvideo (2000) der Tirolerin Eva Schlegel, das die Fassade schon im Inneren öffnet. Und zum Eintauchen und Sich-Verlieren mehr als einlädt. (bunt)

Museion. Piero-Siena-Platz 1, Bozen; bis 7. September, Di–So 10–18 Uhr, Do 10–22 Uhr.


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