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„Totalitäre Ideen von Zwangsarbeit“: Entsetzen nach Rauch-Aussage zu Ärzten

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Die Zahl der Wahlarztpraxen stieg bei Allgemeinmedizinern um 42 Prozent, bei Fachärzten um 38.
© APA/Schlager

Von Karin Leitner

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Wien – Vertreter der Mediziner zürnen Grünen-Gesundheitsminister Johannes Rauch – wegen einer Aussage in einem Interview mit der Tiroler Tageszeitung. Er hatte wissen lassen, „ein Problem mit der jetzigen Praxis des Wahlärztesystems“ zu haben; die Ärztekammer sehe dieses Problem aber nicht. Rauch moniert, „dass der größte Teil der ausgebildeten Ärzteschaft sofort in eine Wahlarztpraxis geht – und niemand mehr bereit ist, einen Kassenvertrag im niedergelassenen Bereich anzunehmen“. Es gelte zu bereden, ob Medizin-Absolventen verpflichtet werden können, für eine bestimmte Zeit als Kassenarzt zu arbeiten – etwa ein, zwei Tage pro Woche. „Das wird ein Konflikt mit der Ärztekammer. Und den bin ich bereit zu führen.“ Den Konflikt gibt es schon.

Die Ärztekammer verwahre sich „gegen die Forderung nach Zwangsarbeit von Jungärztinnen und Jungärzten“, sagt deren Präsident Thomas Szekeres. „Ausgerechnet eine Berufsgruppe, die während der Pandemie Übermenschliches geleistet hat, derart disziplinieren zu wollen, ist mehr als enttäuschend. Wir hätten uns Anerkennung erwartet, nicht, dass uns der zuständige Minister Zwangsarbeit in Aussicht stellt.“ Der Ärztemangel sei nicht durch Zwang abzuwenden, fügt Szekeres an: „Viel wichtiger wäre es, endlich die Tätigkeit des Kassenarztes zu attraktivieren – mit weniger Administration sowie besserer Honorierung für Zuwendung und ärztliches Gespräch.“

Ob Rauchs Begehren „entsetzt“ ist Johannes Steinhart, Vizepräsident der Ärztekammer und Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte: „Ich habe gedacht, dass wir in einem freien Land leben, nicht in einem Land, in dem man offen totalitären Ideen von Zwangsarbeit nachhängt.“ Der Arztberuf sei „ein freier“, das müsse so bleiben. Es gehe nicht an, derart in das Leben von jungen Menschen einzugreifen – und dass „wir in Österreich planwirtschaftlichen Träumereien erliegen, die seit Jahrzehnten zu Recht im Mistkübel der Geschichte liegen“.

Und Kammer-Vize Harald Mayer, er ist auch Kurienobmann der angestellten Ärzte, konstatiert: „Die Diskussion rund um die Wahlärzte ist an Absurdität kaum zu überbieten. Viele Spitalsärzte haben daneben schon kleine Wahlarzt-Ordinationen. Sollen diese dann auch noch als Kassenärzte arbeiten und drei Jobs gleichzeitig ausüben?“

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Der Rechnungshof hatte im September 2021 berichtet, dass die Zahl der Kassenverträge von 2009 bis 2019 bei den Allgemeinmedizinern stagniere, bei Wahlarztpraxen von solchen um 42 Prozent gestiegen sei, bei Fachärzten um 38 Prozent.


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