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„Nawalny“: Dokumentarfilm über Putins Staatsfeind Nummer eins

Der Dokumentarfilm „Nawalny“ begleitet den russischen Oppositionellen nach dem Giftanschlag auf ihn. Die Kamera führte der Tiroler Niki Waltl.

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Alexei Nawalny zählt zu den lautesten Kritikern Wladimir Putins in Russland. Seit Anfang 2021 ist er in einer Strafkolonie etwa 100 Kilometer östlich von Moskau inhaftiert.
© Polyfilm

Von Marian Wilhelm

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Innsbruck – Für einen Spielfilm wäre die Handlung von „Nawalny“ zu billig. Doch „Nawalny“ ist ein Dokumentarfilm – und die Realität ist oft absurd offensichtlich. So auch beim Giftanschlag des russischen Regimes gegen den Oppositionspolitiker Alexei Anatoljewitsch Nawalny im August 2020. Der Porträtfilm stammt vom jungen kanadischen Regisseurs Daniel Roher, die Bilder vom Tiroler Kameramann Niki Waltl.

Im Grunde ist „Nawalny“ eine recht glatte, offenkundig autorisierte, aber unaufdringliche Hagiographie. Daraus macht der Film aber auch keinen Hehl. Etwa wenn er Nawalny beim Füttern eines niedlichen Ponys im Schwarzwald filmt oder seine Teenager-Tochter über seinen möglichen Tod befragt.

🎬 Trailer | Nawalny

Im Zentrum steht ein ruhiges Interview mit dem todesmutig-selbstsicheren Sunnyboy Nawalny während seiner Erholung in Deutschland. Der porträtierte Held stellt dabei seine erste Reaktion nach dem Erwachen aus dem Koma nach, als ihm seine Leute am Krankenbett davon erzählen, dass ihm das Nervengift Nowitschok verabreicht worden sei. „Come on! So dumm können sie doch nicht sein!“ Es sei zu offensichtlich und gerade deshalb fast schon wieder genial.

Die Aufklärung des Gift-Anschlags bildet das Spannungsmoment, das den Film zu einem 98-minütigen Doku-Thriller macht. Dabei ist der Investigativ-Journalist Christo Grozev der Sherlock Holmes, der diesen Kriminalfall überraschend klar löst. Grozev hat seinen Computer-Arbeitsplatz in den Kaffeehäusern von Wien aufgeschlagen. Von dort aus hat er sich auch durch die offen oder über russische Datenhändler verfügbaren Flug- und Telefon-Daten gewühlt, die zu konkreten Namen und Fotos von Putins staatlichen Attentätern führten.

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Einige heiße Nadeln in diesem Heuhaufen, mit rotem Bindfaden an der Pinnwand zusammengefügt, ergeben ein ziemlich eindeutiges Bild und führen direkt in den Kreml.

Der Film begleitet die Endphase der Recherche-Kooperation zwischen Grozev und seiner Plattform Bellingcat auf der einen und Nawalnys Team im deutschen Exil auf der anderen Seite. Höhepunkt dabei ist, als Nawalny selbst mit den Attentätern telefoniert, die ihn umbringen wollten – mit überraschenden Reaktionen.

Ähnlich wie „Citizenfour“, Laura Poitras’ großartiges Porträt des NSA-Whistleblowers Edward Snowden, wird auch „Nawalny“ beinahe nebenbei zu einem Zeitdokument über wirkungsvollen Investigativ-Journalismus im 21. Jahrhundert.

Die bittere Ironie des Films liegt im Mai 2022 natürlich darin, dass Alexei Nawalny mittlerweile wieder für Jahre ins russische Regime-Gefängnis gewandert ist und Putin seinen brutalen Ukraine-Krieg extrem ausgeweitet hat – im Film ist Nawalny noch davon überzeugt, dass der russische Machthaber ihn beenden werde, weil er zu viel koste. Scheinbar alles hat sich verändert und gerade deshalb ist diese Episode über den effektivsten, wenn auch nicht perfekten Putin-Gegner so vielsagend.

Und wer weiß: Vielleicht behalten Optimisten wie Christo Grozev Recht – und die Dynamik der täglichen Ereignisse führt früher zum Fall Putins, als man heute annehmen möchte.

Nähere Informationen

Nawalny. Ab 16 Jahren. Ab heute in den Kinos.

Präsentation: Produzentin Odessa Rae und Kameramann Niki Waltl stellen „Nawalny“ heute, Samstag, im Innsbrucker Leokino vor. Beginn: 20 Uhr.


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