Entgeltliche Einschaltung

Maskenbetrug? Fynn Kliemann nach Enthüllungen von Böhmermann unter Druck

Der Influencer Fynn Kliemann gerät unter Druck. Satiriker Jan Böhmermann spricht in seiner Show über Geschäfte mit Schutzmasken, die nicht transparent gelaufen sein könnten. Fans sind empört. Kliemann reagiert. Es stehen viele Fragen im Raum.

  • Artikel
  • Video
  • Diskussion
Er gilt als der Do-it-yourself-Mann Deutschlands. Fynn Kliemann (li.) werkelt bei YouTube, macht Musik und startet ein soziales Projekt nach dem anderen. Dank Jan Böhmermann (re.) und seinem Team legt sich nun ein dunkler Schatten über all das. Kliemann soll in großem Stil betrogen haben.
© imago

Berlin – Der Influencer und Musiker Fynn Kliemann steht nach einem TV-Beitrag des Satirikers Jan Böhmermann zum Geschäft mit Schutzmasken in der Kritik. Böhmermann veröffentlichte am Freitag einen längeren Beitrag der Show „ZDF Magazin Royale". Darin wurde der Verdacht nahe gelegt, dass Kliemann in ein zweifelhaftes Geschäft verwickelt sein könnte. Kliemann verbreitete ein langes Statement, in dem er sein Handeln kritisch reflektierte.

Entgeltliche Einschaltung

Darin hieß es: „Ich möchte mich in aller Form bei allen Personen, Organisationen, Institutionen entschuldigen, die nun ,auf den ersten Blick' enttäuscht und geschockt sind." Er bat zugleich um einen differenzierten Blick. Manches stimme nicht.

📽️ Video | Böhmermanns Beitrag über Kliemann beim „ZDF Magazine Royale"

Konkret ging es unter anderem um den Produktionsort von Schutzmasken, der möglicherweise bewusst nicht transparent gemacht worden sein könnte – statt in Europa sollen sie in Asien hergestellt worden sein. Kliemann wurde dabei mit einer Textilfirma in Beziehung gesetzt. In seinem Statement hieß es: „Ich muss mir klar eingestehen, dass ich den Prozess nicht mehr überblicken konnte." Weiter hieß es: „Das darf niemals passieren und somit übernehme ich, auch wenn ich weder Produzent noch Verkäufer war, eine Verantwortung." Durch diese Versäumnisse, sich mit diesen Prozessen nicht eingehend befasst zu haben, habe er viele enttäuscht. Auf seinem Instagram-Profil zeigten sich viele enttäuscht und posteten Kommentare.

TT-ePaper 4 Wochen gratis lesen

Die Zeitung jederzeit digital abrufen, ohne automatische Verlängerung

TT ePaper

Hinweise verstreut

Wer Satiriker Böhmermann in Sozialen Netzwerken folgt oder ihm aufmerksam bei Podcasts zuhört, konnte die Spur sehen, die er schon länger gelegt hatte. Das wirkte erstmal vielleicht lustig, wie er den Influencer und Musiker Kliemann auf einem öden Parkplatz parodierte und vermeintliche Mitarbeiter gängelte. Kliemann ist vor Jahren mit einem außergewöhnlichen Projekt bekanntgeworden: Mit seinem „Kliemannsland". Das ist ein Bauernhof nördlich von Bremen. Leute kommen vorbei und wohnen auch zeitweise dort. Es wird gebastelt, geschraubt, geplaudert, Musik gemacht.

📽️ Video | Kliemanns Statement

Dass Böhmermann, der im ZDF-Hauptprogramm freitagabends mit seiner Sendung „ZDF Magazin Royale" zu sehen ist, mit einer Recherche an ihm dran war, war auch daran zu sehen, dass Kliemann einen Fragenkatalog des Senders auf Instagram veröffentlichte und dazu Stellung nahm. Darin ging es um diverse Themen, auch um Spendengelder.

About You widerspricht Kliemann

Böhmermanns Vorstoß führte bereits zu ersten Konsequenzen. Die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis teilte mit, dass sie eine Auszeichnung aberkenne, die Kliemann 2020 erhalten habe. Zudem widerspricht der Online-Versandhändler About You, der zum Otto-Konzern gehört, dem in die Kritik geratenen Influencer zu den Schutzmasken-Geschäften.

Bei dem Fall geht es um die Frage, ob der tatsächliche Produktionsort – Asien statt Europa – im Jahre 2020 bewusst verschleiert wurde. Musiker Kliemann, der in Beziehung zum Textilhersteller Global Tactics steht, hatte am Freitag mitgeteilt, dass About You Bescheid gewusst habe, dass die Lieferungen aus verschiedenen Ländern, auch außerhalb Europas stammten. About-You-Co-Chef Tarek Müller schrieb darauf auf Twitter: „Das stimmt nicht."

Er führte weiter aus: „Dass die Masken teilweise nicht in Europa produziert wurden, war uns bis heute nicht bekannt und wir haben den Fall unverzüglich intern geprüft, um uns ein genaues Bild zu machen." Der Textilhersteller habe angegeben, dass die Masken aus Europa stammen. „Nach den uns vorliegenden Informationen hat uns Global Tactics weder im Jahr 2020, noch danach, darüber informiert, oder uns darauf hingewiesen, dass die Masken außerhalb Europas hergestellt werden."

Der Gründer von Global Tactics, Tom Illbruck, hatte am Freitag der Deutschen Presse-Agentur gesagt: Masken seien in dem betreffenden Zeitraum 2020 auch in Bangladesch produziert worden, nicht nur in Europa. Wenn zum Beispiel ein Großkunde keinen Wert darauf gelegt habe, dass die Masken explizit aus einem bestimmten Land oder explizit aus Europa kommen, „haben wir Masken angeboten, ohne explizit an jeder Stelle zu sagen, wo die Masken herkommen". Nachgefragt zu About You sagte Illbruck: „Nach dem, was uns an Dokumenten vorliegt, gibt es keine Absprachen mit About You, dass die Masken explizit aus Portugal gekommen sind und das ist an keiner Stelle schriftlich versichert worden."

About You hat inzwischen Masken aus dem Shop „Oderso", dessen Geschäftsführer Kliemann ist, aus dem Sortiment genommen und will den ganzen Fall überprüfen. About You wurde 2014 als Otto-Tochter gegründet. 2021 ging der Online-Modehändler an die Börse. Otto ist nach wie vor größter Anteilseigner bei About You. (dpa)


Kommentieren


Schlagworte

Entgeltliche Einschaltung