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Performativer Marathon bei „Innsbruck International“: Alles andere als langweilig

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„One Universe“ in der Galerie A4 von Michael Strasser, dem Gewinner des „Special Recognition Award 2022“ von „Innsbruck International“.
© Strasser

Von Edith Schlocker

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Innsbruck – Dass das, was die am Boden des Kunstpavillons liegende Glühbirne blinkt, „conceptual art is boring“ heißt, versteht wohl nur der des Morsens Kundige. Boring – also langweilig – ist das, was „Innsbruck International“ heuer in Sachen bildender Kunst zu bieten hat, allerdings keinesfalls. Vielleicht deshalb, weil es sich hier auch nur am Rand um conceptual art im klassischen Sinn handelt, sondern um Multimediales unterschiedlichster Art.

Alles andere als boring war – jedenfalls für Doris Uhlich – die Performance „Tank Site Specific“, mit der die österreichische Choreographin und Tänzerin am Samstag und Sonntag jeweils ganze vier Stunden lang das Ferdinandeum von oben bis unten gerockt hat. Und das allein mit ihrem nackten Körper, den sie an die musealen Wände und Fenster klatschte, schüttelte und komplett schambefreit in offenherzigsten Posen der kleinen Zuschauerschar präsentierte. Die der Aufforderung der 45-Jährigen „You follow me in transparency“ auch brav folgte, zum musealen Balkon genauso wie zum Kuppelsaal ganz oben, wo Uhlich in einem großen gläsernen Zylinder ihren performativen Marathon fortsetzte. Und die Stimmung nicht zuletzt durch den immer schrilleren Sound von Boris Kopeinig zu kippen begann. Der nackte Körper zum fast naturwissenschaftlich anmutenden Präparat mutierte, zum Versuchsobjekt, für das es kein Entkommen gibt.

Die Tradition, einen Kulturschaffenden mit Tirolbezug mit einem „Special Recognition Award“ auszuzeichnen, setzt „Innsbruck International“ auch heuer fort. Um mit dem in Innsbruck geborenen, in Wien lebenden Michael Strasser einen Künstler auszuzeichnen, der im Fotografischen genauso wie im Installativen und Performativen unterwegs ist. Wobei der Ausgangspunkt des 45-Jährigen oft bestimmte Orte sind. Wie das Haus Angerzellgasse 4, in dessen schönen Gewölben sich die Galerie A4 befindet. In einem Haus mit langer wechselvoller Geschichte, in dem es seit der Enthauptung von Claudia de Medicis Kanzler Bienner im Jahr 1651 spuken soll.

Was es mit dieser Geschichte auf sich hat, erzählt Strasser in einer Zwei-Kanal-Sound-Installation bzw. in der Form möbelartiger Objekte, die Bett genauso wie Kasten sein können, bemalten Stelen und Blumen, die ganz in Schwarz blühen, nach. Und Hunden, „die wohl nicht mehr zu retten sind“. Weil „alle deformiert“.

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