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Inklusion braucht eine Stimme, Kosten jedoch oft ein Problem

Für Menschen mit Behinderung, die nicht sprechen können, gibt es Hilfsmittel, von der Gebärdensprache bis zum iPad mit Augensteuerung. Die Kosten sind oft ein Problem.

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Übungsstunde in der Diakonie Lienz, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung: Trainerin Monika (Mitte) und Stefanie benutzen die Gebärdensprache, um sich mit Andi verständigen zu können.
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Von Catharina Oblasser

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Lienz – Die rechte Hand wird aufs Herz gelegt, dann beschreiben beide Hände mit zugewandten Handflächen eine kreisende Bewegung, um dann mit weggestreckten Ellbogen eine Armbewegung von innen nach außen auszuführen. „Mein Name in der Gebärdensprache ist...“ bedeutet das.

In der Diakonie in Lienz, wo Menschen mit Behinderung betreut werden, ist gerade Übungsstunde für Gebärdensprache. Das Ziel: Alle Klientinnen und Klienten sollen sich untereinander verständigen können. Zum Beispiel mit Andi, der bei der Kommunikation auf die Gebärdensprache angewiesen ist. Der Gesichtsausdruck und die Mimik sind wichtige Bestandteile. Die Maskenpflicht in Corona-Zeiten ist deshalb ein harter Schlag.

„Wir verwenden auch Bilder, Symbole und Piktogramme zur besseren Verständlichkeit“, erzählt Betreuerin Monika Cipot-Küng. Sich auszudrücken und verstanden zu werden, das ist ein Grundbedürfnis von Menschen – egal wie es um ihre körperlichen und geistigen Fähigkeiten bestellt ist. Unterstützte Kommunikation, kurz UK, ist dabei das Schlüsselwort. UK umfasst alle Maßnahmen, die es Menschen mit verminderter oder nicht vorhandener Lautsprache möglich machen, mit anderen zu kommunizieren.

Gebärdensprache, Bilder oder Symbole sind Hilfsmittel, die wenig kosten. Anders sieht es bei elektronischen Hilfsmitteln aus. Diese reichen von einfachen Tasten bis hin zu hochkomplexen Computern, weiß Armin Gutzelnig von der Diakonie in Treffen. „Es gibt die so genannten sprechenden Tasten. Wenn man sie drückt, wird ein vorher aufgezeichnetes Wort oder ein Satz vorgelesen. Oder man schreibt etwas, und der Computer liest es vor. Das hängt immer davon ab, welche Körperteile noch benutzt werden können, etwa die Hände.“ Fallen Gliedmaßen als Informationsvermittler weg, kann ein Gerät mit Augensteuerung zum Einsatz kommen. Der Bildschirm ist mit einer Infrarot-Kamera ausgestattet, welche auf die Reflexion im Auge reagiert.

Ein solches Gerät leistet Menschen mit ALS – eine Krankheit, bei der die Nervenzellen absterben – gute Dienste. Auch der berühmte Astrophysiker Stephen Hawking litt unter ALS und verwendete einen Sprachcomputer. „Hawking gehörte sicherlich zu den intelligentesten Menschen der Welt“, meint Gutzelnig. „Ohne das Hilfsmittel der unterstützten Kommunikation hätte er sich nicht äußern können.“

Aus der Sicht der meisten Betroffenen haben diese Computer aber einen gravierenden Nachteil: Sie sind sehr teuer. Ein iPad, das mit den Augen gesteuert werden kann, schlägt mit 15.000 bis 16.000 Euro zu Buche. Deshalb fordert die Diakonie einen Rechtsanspruch auf diese Art der assistierenden Technologien. Was in Deutschland schon gelebte Praxis ist, solle auch in Österreich umgesetzt werden, so die Diakonie anlässlich des Tages der Inklusion am 5. Mai. „Es gibt ein Recht auf Kommunikation“, fasst Armin Gutzelnig zusammen.


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