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Putin wirft Westen bei Militärparade Plan zur Invasion Russlands vor

Der russische Präsident warf dem Westen in seiner Rede zum „Tag des Sieges“ gegen Nazi-Deutschland vor 77 Jahren vor, eine Invasion Russlands zu planen. Die befürchtete Generalmobilmachung oder den Einsatz neuer Waffensysteme kündigte Putin nicht an.

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Putins Rede wurde mit Spannung erwartet.
© IMAGO/Sergey Guneev

Moskau – Der russische Präsident Wladimir Putin hat dem Westen vorgeworfen, eine Invasion Russlands zu planen. Bei der Parade zum "Tag des Sieges" über das nationalsozialistische Deutschland am 9. Mai 1945 rechtfertigte Putin den Angriff auf die Ukraine am Montag damit, dass sich Russland habe wehren müssen. Der Westen bereite "die Invasion unseres Landes, einschließlich der Krim, vor". Der russische Präsident sprach erneut von einer "Spezialoperation" im Nachbarland Ukraine.

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Der Westen habe über Jahre nicht auf die russischen Sicherheitsinteressen reagiert. Die NATO bilde an den Grenzen zu Russland eine Gefahr, fügte Putin hinzu.

Russische Truppen waren am 24. Februar in die ehemalige Sowjetrepublik Ukraine einmarschiert. Seitdem tobt dort ein Krieg, in dem bereits Zehntausende Menschen umgekommen sind. Die Rede von Putin war mit Spannung erwartet worden. So war spekuliert worden, dass Putin eine Generalmobilmachung oder den Einsatz neuer Waffensysteme ankündigen könnte. Dies tat er in seiner elfminütigen Rede nicht, auch erwähnte er die Ukraine nicht beim Namen und äußerte sich auch nicht dazu wie lange die Kämpfe noch anhalten werden.

Zahlreiche Panzer fuhren vor.
© ALEXANDER NEMENOV

Warnung vor neuem Weltkrieg

Stattdessen warnte Putin vor einem neuen Weltkrieg. Der damalige Kampf bedeute nicht nur die Verpflichtung, das Andenken derer zu erhalten, die den Nazismus besiegt hätten. Aufgabe sei es, "wachsam zu sein und alles zu tun, damit sich die Schrecken eines globalen Krieges nicht wiederholen", so Putin.

Der 69-Jährige betonte, dass der Sieg im Zweiten Weltkrieg gemeinsam mit den westlichen Alliierten errungen wurde, beklagte aber zugleich die dort herrschende "Russophobie" bei den politischen Eliten. "Uns ist bekannt, dass den amerikanischen Veteranen, die zur Moskauer Parade anreisen wollten, das faktisch verboten wurde", behauptete Putin. Ausländische Regierungschefs nahmen an der Militärparade diesmal keine teil.

📽️ Video | Putin will "Schrecken eines globalen Krieges" verhindern

Tausende Soldaten zogen auf dem Roten Platz bei kaltem Wetter auf. Die mit einem Großaufgebot an Uniformierten gesicherte Innenstadt glich einer Festung. Hunderte Veteranen, die russische Führung sowie Patriarch Kyrill, das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, nahmen auf einer Ehrentribüne Platz. Putin, der lächelte, begrüßte die Veteranen mit einem Handschlag. In Europas größter Stadt waren auch Tausende Menschen unterwegs, um sich die Waffenschau anzusehen.

Flughshow abgesagt

Die Flugshow wurde von der russischen Führung unterdessen abgesagt. "Der Luftteil findet wegen des Wetters nicht statt", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der staatlichen Nachrichtenagentur Tass am Montag. Ursprünglich sollten 77 Flugzeuge und Hubschrauber an der Militärparade teilnehmen. Medienberichten zufolge war geplant, dass die Kampfflugzeuge ein "Z" am Himmel bilden.

Am Vorabend der Parade hatte der Direktor des staatlichen Wetterdienstes Gidrometzentr, Roman Wilfand, die Durchführung der Flugschau noch als wahrscheinlich bezeichnet. Die Wetterbedingungen würden dies voraussichtlich zulassen, da die Wolkendecke höher als 300 Meter sei und die Wolken zudem mit Chemikalien auseinander getrieben werden könnten, sagte er.

Offiziell ebenfalls witterungsbedingt ausgefallen sind die Flugshows in den russischen Millionenstädten St. Petersburg, Jekaterinburg, Nowosibirsk und Samara. Auch in Russlands Fernem Osten, in den Städten Chabarowsk und Komsomolsk-am-Amur, wurden zuvor geplante Flugeinlagen abgesagt. In der Millionenstadt Wolgograd, die zum Jubiläum des Weltkriegsendes für einen Tag wieder in Stalingrad umbenannt wurde, war die Luftwaffe bei der Parade hingegen zu sehen.

Großaufmarsch auf dem Roten Platz.
© IMAGO/Ramil Sitdikov

Die ukrainischen Behörden warnten vor weiteren heftigen Angriffen der russischen Seite am symbolträchtigen 9. Mai. "Heute wissen wir nicht, was wir vom Feind zu erwarten haben, was für schreckliche Dinge er tun könnte, also gehen Sie bitte so wenig wie möglich auf die Straße und bleiben Sie in den Schutzräumen", sagte der Gouverneur der ostukrainischen Region Luhansk, Serhij Gaidai.

Russland hat bisher unterschiedliche Kriegsziele genannt. Zunächst hatte Moskau als Ziel die Entmilitarisierung und "Entnazifizierung" der Ukraine genannt. Dann nannte das Verteidigungsministerium die Eroberung des Donbass als Hauptziel. Später gab es Berichte, dass Russland versuchen könnte, die Ukraine völlig vom Zugang zum Schwarzen Meer abzuschneiden.

Hilfe für Familien gefallener Soldaten angekündigt

Wie viele Zivilisten, ukrainische und russische Soldaten in dem Krieg bisher gestorben sind, ist unklar. Putin räumte Verluste seiner Truppen bei der Parade ein und kündigte weitere Hilfen für die Kinder und Familien gefallener Soldaten an. "Der Tod eines jeden Soldaten und Offiziers bedeutet Leid und unwiederbringlichen Verlust für die Verwandten und Liebsten", so Putin. "Der Staat, die Regionen, Unternehmen und zivilgesellschaftliche Organisationen tun alles, um diesen Familien Fürsorge zukommen zu lassen und ihnen zu helfen", betonte der Kremlchef.

Besondere Hilfe werde den Kindern der Gefallenen und Verwundeten geleistet, sagte Putin. "Ein entsprechendes Präsidentendekret wurde heute unterzeichnet." Eine Maßnahme ist eine Quotenregelung. Demnach haben Kinder von Soldaten, die in der Ukraine gekämpft haben, Anspruch auf zehn Prozent der Studienplätze an staatlichen Hochschulen. Sie müssten dabei keine Aufnahmeprüfung an der Universität ablegen. Kadetten- und Militärschulen seien ebenfalls angehalten, solche Kinder ohne Prüfung aufzunehmen.

Erneut stellte er den russischen Einmarsch zudem in einen direkten Zusammenhang mit dem Kampf gegen den Nationalsozialismus. Den aufmarschierten Soldaten rief er zu, sie kämpften jetzt für die Sicherheit Russlands. Ausdrücklich erwähnte er dabei Einheiten, die von der Donbass-Front im Osten der Ukraine kämen.

Am 8. Mai 1945 war der Zweite Weltkrieg in Europa mit der Kapitulation der deutschen Wehrmacht zu Ende gegangen. Russland begeht am 9. Mai mit dem "Tag des Sieges" über Nazi-Deutschland seinen wichtigsten Feiertag. (APA/Reuters/dpa)


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