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Hell leuchtender Abschied von Brigitte Kowanz in Linz

Mit „ISTR“ wird in Linz aktuell an die kürzlich verstorbene Brigitte Kowanz erinnert. Eine vereinnahmende Schau über die post-digitale Gesellschaft mit etlichen Flashbacks.

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„ISTR“ ist eine zusammenhängende Rauminstallation, an der Brigitte Kowanz bis Anfang des Jahres noch selbst gearbeitet hat.
© Michael Maritsch

Von Barbara Unterthurner

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Linz – „Licht ist Leben.“ Das hat Brigitte Kowanz im Gespräch über ihre Werke gern gesagt. In Linz kommt dieser Aussage aktuell noch einmal eine weitere Bedeutungsebene zu, widmet das heimische Schlossmuseum der Ende Jänner verstorbenen Lichtkünstlerin aktuell eine neue Ausstellung. „ISTR“ wurde ungewollt auch zu einer posthumen Würdigung der großen Lichtkünstlerin Österreichs. Eine ganz besondere Installation, allein deshalb weil Brigitte Kowanz bis Anfang des Jahres selbst noch intensiv daran gearbeitet hat. Nach ihren Entwürfen wurde die Rauminstallation nun realisiert.

Wie in allen ihren Einzelausstellungen – so auch in der großen Personale „In light of light“ im Innsbrucker Taxispalais von 2011 – reagiert Brigitte Kowanz mit ihrer Kunst auf den Raum und den Ort. So auch im passend lichtarmen Untergeschoß des ansonsten lichtdurchfluteten Schlossmuseums in der oberösterreichischen Landeshauptstadt. Während sie eine Hälfte in klares, weißes Neonlicht taucht, hüllt sie einen Nebenraum in Schwarzlicht, wo nur fluoreszierende Stoffe geheimnisvoll zu leuchten beginnen.

I seem to recall – Ich erinnere mich

Genauso wichtig wie das Licht ist in Kowanz’ Oeuvre auch ihre Auseinandersetzung mit Sprache – auch jene, die dekodiert vermittelt wird. Etwa über Morsecode. Dekodiert man den Ausstellungstitel, ergibt das übrigens den Satz „I seem to recall“, also „Ich erinnere mich“.

Bild wird diese verschlüsselte Nachricht gleich im ersten Raum, wo Kowanz die zentralen Elemente, vier Säulen, mit Neon und Spiegeln umhüllt. Die Anordnung kommt nicht von ungefähr. Jede Säule wurde mit einem Buchstaben in Morsecode bespielt: I, S, T, R.

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An anderer Stelle erinnert sich die Künstlerin an eigene Arbeiten aus den 1980ern, die als Reminiszenzen in die neue Ausstellung eingehen – passenderweise tragen einige auch den Titel „Flashbacks“. Darunter ein „Flashback Look Ahead“, eine Arbeit, die von einem dunklen Zentrum aus ihre leuchtenden Fühler in alle Richtungen ausschickt. Mit dem Titel im Hinterkopf also quasi bis in die Zukunft.

Von der post-digitalen Gesellschaft erzählen derweil Arbeiten wie das monumentale „Relations“, ein Geflecht aus Ringlichtern, die selbst zu abstrakten Figuren werden – die sich außerdem nicht nur selbst betrachten, sondern sich in einem Spiegel auch noch einmal verdoppeln.

Brigitte Kowanz verstarb am 28. Jänner dieses Jahres.
© imago

Virtueller und analoger Raum verschwinden auch in „Emojis“, der jüngsten Arbeit in dieser Ausstellung. Noch in den letzten Monaten ihres Lebens hat Kowanz an dieser Serie gearbeitet. Die bunten Gefühlsanzeiger wurden hier allerdings verblasste Codes. Noch eindringlicher ist da nur die Arbeit „another place another time“. Im Schwarzlichtraum hat sich diese leuchtende Linie um die zentralen Säulen gewickelt. Sie führen bis an ein Tablet, das den Titel scheinbar von einem anderen Ort und einer anderen Zeit aus in die Gegenwart morst. Unaufhaltbar, eben so lange Strom und Licht fließen.

Sich Kowanz’ Arbeiten zu entziehen, ist schwer. Sofort wird man vom Licht – und in Linz auch durch die gelungene Gesamtkomposition vereinnahmt. Allein dank der Spiegelungen in den vielen glänzenden Materialien sind BetrachterInnen auf Anhieb Teil des Werks. Wie intensiv sich Kowanz in 40 Jahren des Kunstmachens mit dem Thema auseinandergesetzt hat, wird in diesem hell leuchtenden Abschied noch einmal atmosphärisch wahrnehmbar.

In einer Nische hat Kowanz schlussendlich noch ein kleines „thx“, ein Danke platziert. Eine Nachricht wie aus dem Jenseits. Man kann nur hoffen, dass ihre Kunst noch lange leuchten wird.


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