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Laura Wandels Debütfilm „Un Monde“: Eine neue Welt im Pausenhof

Laura Wandel erzählt in ihrem kraftvollen Debütfilm „Un Monde“ eine einfühlsame Geschichte aus der Perspektive einer Erstklässlerin.

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Maya Vanderbeque (r.) spielt die schüchterne Nora, die ihrem Bruder Abel (Günter Duret) helfen will.
© Stadtkino

Von Marian Wilhelm

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Innsbruck – Der erste Schultag ist für Nora keine erfreuliche Angelegenheit. Das beginnt mit der Verabschiedung von ihrem Vater am Schultor, zusammen mit ihrem Bruder Abel. Ohne ihren ein paar Jahre älteren Bruder fühlt sie sich einsam. Doch der kämpft selbst mit argen Hänseleien und Konflikten im großen Schulbetrieb, und die kleinere Nora kann ihm nicht helfen. Nur in der Pause, am „Playground“ im Innenhof der Schule, sehen sie sich. Der wirkt zuweilen fast wie ein Gefängnishof, in dem sich die unterschiedlichen Gruppen auflauern.

📽️ Trailer | Un Monde

Als Nora dem Vater vom Mobbing erzählt, bessert sich die Lage zunächst nicht. Der wartet ohnmächtig am Zaun und holt die beiden Kinder nach der Schule ab. Nora gerät derweil immer weiter in einen Interessenkonflikt, wem sie in dieser neuen Situation vertrauen soll.

Der Film ist die ganz konkrete Geschichte einer kindlichen Selbstfindung im Angesicht der unendlichen Unsicherheiten einer neuen Welt (Originaltitel: „Un Monde“). Erste zögerliche Erfahrungen im Unterricht und mit KlassenkameradInnen in der Pause sind dabei auch für Nora nicht immer einfach, zwischen Gruppenbildung und Selbstbehauptung in diesem Mikrokosmos.

Über allem liegt der ängstliche Zauber der Neuheit, den der Film komplett aus der Perspektive von Nora erzählt. Die Welt der Erwachsenen findet oberhalb der Kamera statt. Eine klein gehaltene Tiefenschärfe zeichnet die unmittelbar subjektive Erfahrungswelt mit dem lebendigen Gewusel eines Schulbetriebs im Hintergrund.

Die Intensität und Vehemenz dieser kindlichen Erfahrungen überträgt sich so auf die Zuschauer. Die Wirkung dieses filmischen Zugangs ist erstaunlich kraftvoll.

Die belgische Regisseurin Laura Wandel, die die Dardenne-Brüder als wichtige Inspiration zitiert, wagt in ihrem 72-minütigen Debütfilm eine äußerst einfühlsame Nahaufnahme einer schüchternen Volksschülerin, ganz auf Augenhöhe und mit sehr viel Herz. Zuweilen im zurückhaltend-dokumentarischen Gestus, bleibt sie zusammen mit ihrer wunderbaren Darstellerin Maya Vanderbeque doch hundertprozentig an der Seite der kleinen Protagonistin.

Sie wollte das Schulsetting auch als Spiegel der Gesellschaft erforschen, sagte die Regisseurin bei der Cannes-Premiere im vergangenen Jahr, wo die belgische Oscar-Einsendung in der Reihe „Un Certain Regard“ seine Welt- premiere feierte.


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