Entgeltliche Einschaltung
Plus

TT-Analyse zur Debattenkultur: Wenn es offene Briefe braucht ...

  • Artikel
  • Diskussion (1)
Anita Heubacher

Analyse

Von Anita Heubacher

In Deutschland und in Österreich braucht es Offene Briefe, um die Gesellschaft zum Diskurs und zur tiefgründigen Debatte einzuladen. Diese Aufrufe sind auch ein Zeugnis dafür, in welch schwer angeschlagenem Zustand sich unsere Demokratie befindet, wo die Debattenkultur gelitten hat.

Entgeltliche Einschaltung

Die Mehrheitsmeinung ist die allein gültige. Das haben wir in zwei Jahren Pandemie gelernt. Denn wer es wagte, die Mehrheitsmeinung zu hinterfragen, war abwechselnd rechtsradikal, wissenschaftsfeindlich, ein Schwurbler und/ oder ein Verschwörungstheoretiker. Ausgerichtet bekamen das die „Querdenker“, früher eine positive Eigenschaft, dann zum Schimpfwort erhoben, von Journalisten, Künstlern, Politikern, Wissenschaftern und Intellektuellen, was besonders erstaunlich, weil ein Widerspruch in sich, war.

Nach zwei Jahren Pandemie scheint unsere Gesellschaft wenig aus der anti-demokratischen Unkultur des Nicht-Diskutierens gelernt zu haben. Mehr noch, sie findet im Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine ihre Fortsetzung. Gegen die Schwarz-Weiß-Malerei ist schwer anzugehen. Es sei denn mit einem Offenen Brief. Der von der Publizistin Alice Schwarzer an den deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz hat in Deutschland zu einer Debatte über schwere Waffenlieferungen und zu einem differenzierten Blick auf den Krieg geführt. In Österreich, ob durch Schwarzer inspiriert oder nicht, haben 50 prominente VertreterInnen aus Politik, Kultur und Wirtschaft in einem Offenen Brief an den Bundespräsidenten eine seriöse Debatte über Österreichs Verteidigungspolitik angeregt. Selbst die Neutralität halten die Initiatoren für hinterfragenswert.

Es wäre schön, stellte sich diesmal ein Lerneffekt ein: Was die Mehrheit für richtig hält, muss noch lange nicht richtig sein und darf hinterfragt werden. Zuhören, Nachdenken, Antworten – eine Kulturtechnik, die wieder in Mode kommen sollte. Man muss nicht derselben Meinung sein, aber Meinungsvielfalt akzeptieren. Das ist ein Gradmesser für Demokratie.


Kommentieren


Schlagworte

Entgeltliche Einschaltung