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Österreichs Delegationschef im Interview: Vorauswahl für ESC auf dem Prüfstand

Stefan Zechner, seit 2011 für das Projekt Song Contest im ORF verantwortlich, stellt Weichenstellungen für das kommende ESC-Jahr im Juni in Aussicht. Bis dahin soll feststehen, wie die Vorauswahl bis zum nächsten Jahr auszusehen hat.

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Konnten leider nicht so überzeugen wie erhofft: Die Tirolerin Pia Maria feat. LUM!X.
© MARCO BERTORELLO

Turin/Wien – Für das österreichische Team ist der 66. Eurovision Song Contest von Turin bereits vorüber, nachdem LUM!X feat. Pia Maria im 1. Halbfinale des Bewerbs gescheitert sind. Die Quoten im ORF waren dabei mit im Schnitt 475.000 Zuschauern durchaus gut, wobei man bei den 12- bis 29-Jährigen einen Marktanteil von bis zu 40 Prozent erreichte. Und doch blieb das Finalticket aus.

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Delegationsleiter Stefan Zechner, seit 2011 Chef des ESC-Projekts im ORF, sprach mit der APA aus diesem Anlass über eine Neuaufstellung für Österreich, die Sonderposition des ESC in Österreich und die schwierige Frage, wer beim ESC überhaupt abstimmt.

Wie groß ist Ihre Enttäuschung über das Aus für Österreich?

Stefan Zechner: Die Enttäuschung ist natürlich groß, schließlich sind wir jetzt das dritte Mal in Folge nicht ins Finale gekommen. Wir müssen einfach analysieren, wie es möglich ist, dass ein Song, der auf YouTube, Spotify und Co extrem gut reüssiert hat, trotzdem nicht genügend Votes bekommt, um ins Finale aufzusteigen.

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Was lesen Sie persönlich daraus ab, dass „Halo" im Streaming funktioniert, aber nicht beim ESC-Publikum?

Zechner: Ich weiß es nicht. Wenn man sich die Quoten in Österreich ansieht, wird klar, dass die sehr junge Gruppe zusieht. Aber die Frage ist natürlich immer, wie viele dann auch abstimmen respektive welche Zuschauergruppe ist das? Diese Daten haben wir nicht aus datenschutzrechtlichen Gründen. Es wäre aber natürlich spannend zu wissen, für wen man eigentlich den Song aussucht? Das soll aber keine Ausrede sein, weil das natürlich für alle Länder gleichermaßen gilt.

Woran liegt es dann, das andere Länder praktisch ein fixes Finalticket haben, während sich Österreich immer wieder schwertut?

Zechner: Länder etwa wie Schweden, die im Normalfall immer sehr solide ins Finale kommen, haben eine andere Musikkultur. Und in Italien melden sich die bekanntesten Künstler des Landes an, um beim ESC mitzumachen. Bei uns wird der Song Contest hingegen immer noch ein bisschen belächelt, auch wenn sich die musikalische Qualität deutlich verbessert hat.

Muss man da das System der Vorauswahl in Österreich ändern?

Zechner: Wie es nun konkret weitergeht, kann ich nicht sagen, zumal wir ja mit Stefanie Groiss-Horowitz eine neue Programmdirektorin haben. Wir werden hier gemeinsam überlegen, wie man an das Thema Song Contest herangeht. Ich denke schon, dass man sich die Frage stellen muss, was zu ändern ist, welche neuen Ansätze es gibt.

Hielten Sie persönlich es für sinnvoll, die ESC-Kandidaten mit einem Format wie „Starmania" zu verbinden?

Zechner: Das ist eine der vielen Möglichkeiten. Es kann aber sein, dass jemand „Starmania" gewinnt, der eigentlich nicht gut für den Song Contest geeignet wäre. Wenn man hingegen einen eigenen Vorentscheid macht, hat man das Problem, dass man Künstler finden muss, die bereit sind, sich einem Wettbewerb auszusetzen. Und das wollen viele arrivierte Musiker nicht.

Wie sieht in Ihren Augen der Zeitplan aus, wonach die Weichen für kommendes Jahr gestellt werden?

Zechner: Eine grobe Entscheidung sollte im Juni fallen. Denn falls ein neues System implementiert werden sollte, müssen wir das über den Sommer hinweg vorbereiten.

Das Gespräch führte Martin Fichter-Wöß/APA


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