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„Fetén Fetén“ beim Symphoniekonzert: Camper dieser Welt, aufgepasst!

Ein großer Spaß: das spanische Duo „Fetén Fetén“ beim Symphoniekonzert.

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Das Duo „Fetén Fetén“ entlockt sogar Haushaltsgeräten wohlklingende Musik. Diego Galaz bringt eine Säge herzerweichend zum Singen.
© Chó/wefeelart.at

Von Markus Schramek

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Innsbruck – Niemand konnte ahnen, dass am 12. Mai 2022 in Innsbruck schon Sommer ist. Wer kann, genießt den Abend unter freiem Himmel. Und wer den richtigen Riecher hat, gönnt sich zuvor noch zwei Konzertstunden beim Symphoniekonzert im Congress. Auch da ist die vorherrschende Tonart temperamentvoll südländisch, da kommen touristische Vorfreude und Fernweh auf.

Wegbereiter solcher – möglicherweise voreiligen – Gefühle ist das umwerfend komische, hochmusikalisch ansteckende, herzhaft ausgelassene spanische Duo Fetén Fetén. Jorge Arribas (u. a. Akkordeon, Flöte) und Diego Galaz (u. a. Violine) eröffnen den Abend und erteilen uns Möchtegern-Campern eine hinreißende Lektion: Gute-Laune-Musik braucht kein sündteures Gerät! Fetén Fetén krallen sich so manches Utensil, das im Umfeld von halbwegs gut ausstaffierten Wohnwägen oder Zelten verfügbar sein sollte.

Kollege Jorge Arribas spielt Soloflöte mithilfe eines Besenstiels.
© Chó/wefeelart.at

Ein Campingstuhl mit ausgestanzten Löchern wird flugs zur Flöte umfunktioniert. Zwei Löffel eignen sich bestens als Schlagwerkchen, ebenso eine Pfanne, angesengt vom Gaskocher. Und sollte jemand die Anschaffung einer Handsäge überlegen: Eine solche kann, in den richtigen Händen, betörende Schmachtfetzen besingen.

Klar sind das ungewöhnliche Klänge für ein Konzert des Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck (TSOI). Dieses versucht teils recht angestrengt und ernst dreinschauend, als Begleitband mit der Lockerheit und dem Tempo des spanischen Zweier-Furiosos Schritt zu halten.

Das Publikum hat seine reinste Freude an diesem Mix aus Folklore und klassischen Tänzen. Etliche Füße und Köpfe im Saal nehmen wippend Fahrt auf. Den Impuls, ein Tänzchen zu wagen, muss man freilich unterdrücken.

Nach der Pause ist das TSOI wieder ganz unter sich, angeleitet vom unaufgeregten Gastdirigenten Adrien Perruchon. Iberisch durchwirkt bleibt der Sound, wenn auch teils mit Werken aus französischer Feder, von de Falla, Ravel und Massenet. Das TSOI fühlt sich jetzt richtig wohl, ist blendend unterwegs. Holzbläser (Flöte, Fagott, Oboe) verleihen leidenschaftlicher Musik aus dem Süden stimmungsvolle Verzierungen.

Ein (vor-)sommerlicher Hochgenuss! An ein Programm wie dieses könnte man sich glatt gewöhnen.


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