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Staatliche Überwachung mit sehr viel „Ostalgie“

„Leander Haußmanns Stasikomödie“ ist eine milde Farce über die ehemalige Staatspolizei der DDR. Nicht sehr scharf, aber unterhaltsam.

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David Kross ist der junge Stasi-Offizier Ludger, Henry Hübchen sein Vorgesetzter, Oberstleutnant Siemens.
© Constantin

Innsbruck – Eine Komödie über die Staatssicherheit der DDR – kann das gutgehen? Der ostdeutsche Regieveteran Leander Haußmann („Sonnenallee“, „Herr Lehmann“) nähert sich dem Thema wie schon in seiner Wehrdienst-Erinnerung in „NVA“ als liebevoll-überdrehte Farce mit hohem Ostalgiefaktor.

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Die Jahrzehnte seit dem Fall der Mauer und dem Ende der Stasi-Machenschaften spiegelt „Leander Haußmanns Stasikomödie“ in einer Rahmenhandlung: Der berühmte Schriftsteller Ludger Fuchs holt sich auf Drängen seiner Familie seine Stasi-Akte aus dem Archiv. Die tatsächliche Erinnerung an die zu Ende gehende DDR-Zeit rollt er dann aber lieber für sich alleine auf. Als junger Mann (David Kross) im Ost-Berlin Ende der 80er ist er nämlich ein aufstrebender Stasi-Offizier. Sein Chef, Oberstleutnant Siemens (großartig: Henry Hübchen), setzt ihn auf die „subversiven Elemente“ im Prenzlauer Berg an. Oppositionelle Künstler oder schlicht arbeitsunwillige Hippies sollen ausgekundschaftet und mit allen Mitteln von innen zersetzt werden.

🎬 Trailer | „Leander Haußmanns Stasikomödie“

Doch die Bekanntschaften speziell mit zwei Frauen lassen ihn sicherheitspolitisch weich werden. Die erste Frau, Natalie (Deleila Piasko), ist eine selbst ernannte Muse, die zweite, Corinna (Antonia Bill), inspiriert den jungen Geheimdienstler als Oppositionelle. Eine Erinnerung aus männlicher Perspektive.

Haußmann steigert die Überwachungs-Umtriebe der Stasi immer wieder mit viel Liebe zum Detail ins Absurde. Damit findet er teils witzige Szenen im Orwellschen Staatsapparat, um dann wieder stimmungsvolle Ausflüge in den Ost-Berliner Untergrund zu unternehmen. Ein wenig harmlos ist dieser komödiantische Blick zurück zwar, die Ostalgie gerät aber nicht zum Kitsch.

Um die entscheidende Konfrontation seines sympathischen Protagonisten mit seiner zu Ende gehenden DDR drückt sich Haußmann dann im großen Finale allerdings ein wenig (anders als etwa in Andreas Dresens großartigem Bio-Pic „Gundermann“). Der Abspann übernimmt vor der Auflösung der DDR-(Film-)Geschichte und bevor die Komödie zum ernsten Drama wird – und vielleicht auch werden müsste. Gerade die Leerstellen dieser DDR-Erinnerung sind aber auch exemplarisch für den verklärten bundesdeutschen Rückblick auf den wiedervereinigten Osten und die verpfuschte Reintegration seines Erbes.

Das entsprechende „Stasidrama“ lieferte ohnehin bereits Florian Henckel von Donnersmarck in seinem deutschen Oscar-Gewinner „Das Leben der Anderen“. Darin wird ein Schriftsteller überwacht. Bei Haußmann wird der Überwacher beim Schreiben seiner Berichte zum Schriftsteller. Die Lächerlichkeit der Stasi will nur bedingt als Schlüssel zum Verständnis des Überwachungsstaates fungieren. Damit nimmt Haußmann seiner Stasikomödie einige Schärfe. Spaß macht dieser DDR-Ausflug aber trotzdem. (maw)

Leander Haußmanns Stasikomödie: ab dieser Woche im Kino.


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