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Die abenteuerliche Übergangsphase bei Ford

Bei Ford bleibt kein Bauteil auf dem anderen, der US-amerikanische Hersteller pflügt seine Angebotsstruktur derzeit und in den nächsten Jahren kräftig um. Elektrisches und Emotionales haben Vorrang.

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Mit dem gerade auf den Markt kommenden E-Transit will Ford die gewerblichen Kunden begeistern.
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Von Markus Höscheler

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Fürstenfeldbruck – Mit einem hält sich der neue Geschäftsführer für Ford Deutschland, Österreich und Schweiz in seiner Rede zur Lage der Marke in Europa nicht lange auf: mit der Vergangenheit. Christian Weingärtner, seit Februar 2022 im Amt, blickt nicht zurück auf die in den vergangenen Jahrzehnten erzielten millionenfachen Verkäufe des Kompaktwagens Focus, des Kleinwagens Fiesta oder des Sport Utility Vehicles Kuga. Was Weingärtner offenkundig interessiert, ist, wie Ford zukunftsfit gemacht werden kann in einer Welt der mobilen Transformation. Hier hat sich Ford unter Einbeziehung des Wettbewerbs verspätet, andere Marken sind in puncto alternative Antriebe schon ein gutes Stück weiter.

Ford hat jedoch schon mehrmals bewiesen, dass der Konzern unter widrigen Umständen in der Lage ist, mit voller Kraft umzusteuern, die Strategie radikal zu ändern, vor schmerzlichen Entscheidungen nicht zurückzuschrecken. Und genau so scheint es zurzeit, in der Ford die „Road to Electrification“-Strategie vorlegt, nach der das Unternehmen gewillt ist, ab 2026 in jeder Pkw-Reihe zumindest einen Plug-in-Hybriden oder gar eine batterieelektrische Variante anzubieten. Vier Jahre später wird es noch einschneidender, denn ab 2030 „wird unser Pkw-Angebot sogar nur noch aus rein elektrisch angetriebenen Fahrzeugen bestehen“, wie Weingärtner betont. Focus, Fiesta und Kuga, wie wir sie derzeit kennen, haben ihren Höhepunkt also hinter sich. Allerdings wird schon im nächsten Jahr ein vollelektrisches SUV nachgereicht, ein Jahr später soll ein noch sportlicheres Modell folgen – dank der Zusammenarbeit mit Volkswagen, dem Rivalen, der den modularen E-Antriebs-Baukasten (MEB) entwickelt hat und ihn dem Kooperationspartner Ford zur Verfügung stellt. Ebenfalls zeitnah geplant: eine vollelektrische Variante des Puma (voraussichtlich ab 2024), mit Produktion im rumänischen Craiova.

Von zentraler Bedeutung für Ford bleibt das Nutzfahrzeuggeschäft, das wird beim Zuhören von Weingärtners Rede klar. Ford habe hier (bei leichten Nutzfahrzeugen) im globalen Geschäft eine führende Rolle, und an dieser wolle Ford festhalten. Auch hier gehe es mit großen Schritten in Richtung Elektrifizierung, ab 2024 soll es für jede Baureihe eine vollelektrische oder eine Plug-in-Hybridvariante geben, ab 2030 sollen elektrifizierte Nutzfahrzeuge zumindest zwei Drittel des Absatzes ausmachen. Um diese Entwicklung voranzutreiben, hat Ford den Nutzfahrzeugbereich in die Geschäftssparte Ford Pro verschoben, die sich nicht nur um den Vertrieb der Wagen, sondern auch um zahlreiche Services für Gewerbekunden kümmert.

Und da kommt viel auf die Verantwortlichen zu, etwa die neuen Generationen des Tourneo Custom/Transit Custom sowie des Transit Courier/Tourneo Courier. Dieses Quartett wird es innerhalb der nächsten zwei Jahre auch als vollelektrische Versionen geben. Den vollelektrischen Vortritt überlässt Ford Pro dem größeren E-Transit, der dieser Tage in den Handel kommt und den die TT in dieser Woche im Rahmen einer Medien Road Show von Ford nahe München erstmals fahren konnte. Ruhig und solide ließ sich das Modell durch Fürstenfeldbruck führen, selbst die große Hitze entpuppte sich nicht als der Sorge bereitende Reichweitenfresser. Besonders erfreulich: das Angebot eines virtuellen Rückspiegels, der das Rückwärts-Einparken dank Kameraprojektion einfacher und sicherer macht.

Der E-Transit richtet sich an Unternehmen, die für ihre Einsätze auf Lokales oder Regionales beschränkt sind und folglich mit einer Reichweite von bis zu 317 Kilometern auskommen, die der E-Transit dank der Verwendung einer 69-kWh-Lithium-Ionen-Batterie in Aussicht stellt. Natürlich hängt diese Reichweite nicht nur von äußerlichen Rahmenbedingungen und der individuellen Fahrweise ab, sondern auch von der gewählten Karosserievariante sowie der Nutzlast. Hier macht Ford keine allzu großen Abstriche, denn es gibt Kastenwagen mit Einzel- und Doppelkabine sowie ein Fahrgestell für verschiedene Aufbauten. Drei verschiedene Längen und zwei verschiedene Dachhöhen stehen parat, im Bestfall können 15 Kubikmeter Laderaum befüllt werden. Keine Ausnahme gibt es beim Antrieb, hierfür werden immer die Hinterräder bedient, die von einem Elektromotor profitieren, der wahlweise 184 oder 269 PS leistet sowie ein maximales Drehmoment von 430 Newtonmetern stemmt.


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