Kunst

„offene multimediale galerie": Digitale Wege aus der analogen Krise?

Um die neun der jeweils von anderen KünstlerInnen bespielten Stationen der omg ibk besuchen zu können, benötigt der Ausstellungsbesucher nur ein Handy mit Internetzugang.
© omg

Innsbruck hat eine neue Galerie: Betretbar rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche allein per Smartphone.

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Eines ist sicher: Die omg ibk (offene multimediale galerie innsbruck) ist diesen Freitag eindeutig in der falschen Jahreszeit gestartet. Findet dieses Format doch ausschließlich im Freien auf mehr oder weniger großen Bildschirmen statt, was bei momentan ständig länger werdenden Tagen einigermaßen problematisch ist. Weil das meiste von dem, was eigentlich zu sehen sein sollte, schlicht und einfach nur zu erahnen ist. Sofern sich der QR-Code überhaupt scannen lässt, was etwa bei der von Florian Außerlechner im Waltherpark bespielten Station am Freitag jedenfalls nicht der Fall war.

Die von Nikolina Zunec und Bertram Schrettl ins Leben gerufene omg ibk soll sich als neues Ausstellungsformat etablieren, das selbst während Lockdowns hervorragend funktioniere, so Schrettl, sozusagen als digitaler Weg aus der analogen Krise. Ist diese spezielle „Galerie“ doch 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche „geöffnet“, es braucht kein Aufsichtspersonal, das Einzige, was der Ausstellungsbesucher braucht, ist ein Smartphone.

Um sich – etwa beim Eröffnungsparcours am Freitag – durch das Scannen des nostalgisch goldgerahmten QR-Codes an einer der neun Stationen in das jeweils Gezeigte einzuklinken. In Arbeiten, die zu einem großen Teil speziell für dieses Format entstanden sind.

Bei der omg mit dabei: Christoph Hinterhuber ...
© R. Iglar

Die an der Fassade der Stadtbibliothek abrufbare Arbeit „Algorythmic Painting“ von Thomas Feuerstein ist allerdings bereits einige Jahre alt. Sie poppt nach dem Scannen des Codes auf dem Display des Smartphones genauso wie auf einem Bildschirm hinter der gläsernen Fassade auf. Um im Gegensatz zum Handy hier einigermaßen nachvollziehbar zu kommunizieren, um was es da geht. Nämlich um die Reduktion wichtiger Künstler der Moderne auf charakteristische Chiffren.

Thomas Feuerstein habe wie alle Künstler, die er gefragt habe, ob sie bei dieser ersten Ausstellung der omg ibk mitmachen wollen, spontan zugesagt, freut sich Schrettl, gelernter Komparatist mit Erfahrungen in Serverkunst, als Filmemacher und Performer. Der für seine omg ibk 21.000 Euro Subventionen von Stadt, Land, Tourismusinformation bzw. aus der Privatwirtschaft bekommen hat.

Sucht man Christoph Hinterhubers „Hoolshopper“, wird man an der Station Löwenhaus der Nordkettenbahnen hinter abgestellten Fahrrädern fündig. Dass Clemens Aschers Arbeit an der p.m.k. eine Zigarettenschachtel mit schlagendem Herzen sein soll, muss man wissen, was die zwei Männer im Video von Franz Wassermann, das am Haus der Musik zu sehen ist, tun, ist unmissverständlich. Genauso wie die Sager des Ischgler Tourismusgurus Günther Aloys, die David Prieth in der Galerie am Claudiaplatz zitiert, etwa den, dass Tourismus eine heilige Sünde ist.

... und Konzeptkünstler Thomas Feuerstein.
© Feuerstein

Wirklich aufgegangen ist das Konzept der omg allerdings nur an zwei der Ausstellungsorte. An der Station Congress der Nordkettenbahnen, wo nach dem Scannen des QR-Codes im Stationsinneren ein von Karin Ferrari animierter Holzschnitt aus dem 14. Jahrhundert im Großformat plakativ von bunten Herzen durchpulst wird. Perfekt funktioniert auch der Beitrag von Nicole Weniger. Die im „Reich für die Insel“ eine Karaoke-Bar eingerichtet hat, die jedenfalls zum Ausklingenlassen des Vernissageabends ein ganz, ganz großer Erfolg war. Bis 17. Juni.

Näheres: www.omg-ibk.at

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