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IFFI und Galerie Widauer: „Haus der Regierung“ mit neuer Fassade

Eine Werkschau beim IFFI und eine Ausstellung in der Galerie Widauer: Herwig Weisers Filme sind aktuell an zwei Orten in Innsbruck zu sehen.

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Ein Film, der Raum greift: Für eine Ausstellung bei Widauer wandelt Herwig Weiser „Haus der Regierung“ zur Installation im Matrixformat.
© Weiser

Von Barbara Unterthurner

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Innsbruck – Wie mächtige Hochhäuser baut sich das Video an beiden Galeriewänden auf. Die Architektur gewährt Einblicke in etliche kleine Fenster, in verschlungene Gänge, wo sich Figuren bewegen, Lichter flackern. Das ganz normale Leben? Nach einigem Hinsehen bemerkt man, in jedem Fenster dieser Fassade zuckt das gleiche Innenleben. Es gibt nur einen Einblick, der in einem großen Raster von 64 kleinen Tableaus vervielfacht wurde. Der Ablauf des Geschehens ist rhythmisch versetzt. Ein Algorithmus sorgt dafür, dass mysteriöse Muster in den Raum gezeichnet werden.

Ende und Anfang kennt diese zweiteilige Installation von Herwig Weiser in der Galerie Widauer nicht. Sie läuft, so lange sie läuft. Ganz anders als beim Film „Haus der Regierung“ (2014–2017), den der 53-jährige Tiroler Künstler, ein Absolvent der Kölner Medienhochschule, für die neue Installation nach Raum greifen ließ. Wirklich fertig, also auserzählt, ist „Haus der Regierung“ für Weiser aber nicht. Irgendwie wurde doch auch dieses Werk von der Gegenwart eingeholt. Die Architektur selbst – gedreht hat Weiser im Megabau „Haus an der Uferstraße“ in Moskau – könnte vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs in der Ukraine und der Situation von Andersdenkenden in Russland heute wieder neu gelesen werden. Vor bald 100 Jahren errichtet als Wohnblock für den stalinistischen Staatsapparat, ist das Gebäude zum Schauplatz von Säuberungen geworden.

All das wummert in Weisers Film im Hintergrund. Das Haus ist ein Geisterhaus geworden. Es geht um Materialität und Atmosphäre: Beeindruckend, wie sich Spinnennetze aus Licht durch die schier endlosen Gänge spannen.

Galerie Widauer. Erlerstraße 13, Innsbruck; bis Juni 2022, Di–Do 14–18 Uhr, Fr 9–13 Uhr.

Live: Das IFFI widmet Weiser heute, 18 Uhr, im Leokino eine Werkschau mit Künstlergespräch. Am Samstag (20 Uhr) steht „Haus der Regierung“ als Konzert auf dem Programm

Erweitert hat Weiser „Haus der Regierung“ zuletzt auch um eine Soundebene. Die düstere, basslastige Elektromusik wurde 2020 zum Soundtrack der Corona-Ausgabe des „Heart of Noise“-Festivals – und damit auch auf Vinyl gebannt. Für das derzeit stattfindende Internationale Filmfestival Innsbruck (IFFI) wird Weiser mit Nik Hummer und Philipp Quehenberger den Sound wieder live ertönen lassen.

Auch deshalb, weil das diesjährige IFFI dem Tiroler parallel zur Ausstellung bei Widauer eine Werkschau widmet. Ausgewählt hat IFFI-Leiterin Anna Ladinig dafür insgesamt 18 Kurzfilme, darunter frühe Super-8-Filme aus den Neunzigern, unter ihnen auch Weisers Ausflug auf den Bergisel – samt Abmontage der olympischen Ringe.

Diesmal in den Hintergrund getreten sind in der Widauer-Ausstellung Weisers komplexe Apparaturen. Von ihnen erzählen höchstens technoide Entwürfe. Dabei hat man Weisers Kollisionsmaschine mit Knalleffekt, die 2018 in der Galerie ausgestellt war, noch in guter Erinnerung. Auch sie produzierte keine fertigen Skulpturen, sondern stellte den Prozess in den Mittelpunkt. Ganz in diesem Sinne wird wohl auch an Weisers „Haus der Regierung“ noch länger weitergebaut.


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