Innsbruck-Land

„Man spürt die Wertschätzung“: TT-Zustellerin plaudert aus dem Nähkästchen

Perfekt eingespieltes Gespann: Georg und Dorothea Markoff aus Innsbruck sind seit vielen Jahren gemeinsam als Zusteller unterwegs.
© TT/Rita Falk

Tirolweit sorgen rund 1000 Zustellerinnen und Zusteller täglich dafür, dass die TT und andere Zeitungen pünktlich zu den AbonnentInnen kommen. Eine langjährige Austrägerin plaudert aus dem Nähkästchen.

Von Michael Domanig

Hall, Innsbruck – Das ganze Jahr, bei jedem Wetter: Landauf, landab sind täglich rund 1000 fleißige Zustellerinnen und Zusteller der Tirol Logistik bereits frühmorgens auf den Beinen, um die AbonnentInnen der Tiroler Tageszeitung sowie anderer Zeitungen und Magazine mit ihrer gewohnten und geschätzten Morgenlektüre zu versorgen. Jeden Tag stellen sie über 100.000 Zeitungen zu.

Nach zweijähriger Corona-bedingter Pause konnten der Leiter der Hauszustellung, Daniel Knabl, sowie die Gebietsleiter Alexandra Tanzer, Wolfgang Oberthanner und Hakob Grigoryan kürzlich rund 60 der verdienstvollen ZustellerInnen beim Informations- und Dankeschön-abend der Tirol Logistik im Haller Gasthof Maria Theresia begrüßen. Sie sind, teils seit vielen Jahren, im Bereich Innsbruck-Stadt, in den Martha-Dörfern sowie im Raum Hall-Wattens im Einsatz. Tirol-Logistik-Geschäftsführer Gerhard Fröhlich dankte den AusträgerInnen im Rahmen des gemütlichen Beisammenseins für ihre „gewaltige Arbeit“ in den letzten zweieinhalb Jahren: Sie hätten die fordernde Zeit der Pandemie „toll überbrückt“ und die Menschen mit unverzichtbaren Informationen versorgt – was in dieser Phase wichtiger denn je gewesen sei.

Dorothea Markoff ist, wie sie selbst sagt, bereits „fast ein ganzes Leben“ als Zustellerin unterwegs. Mit 21 hat sie begonnen, seit stolzen 46 Jahren steht sie für die Leserschaft im Einsatz. Die lebenslustige, energiegeladene Innsbruckerin wohnt selbst im Saggen, ihr Zustellgebiet liegt aber in Pradl, rund um den Sonnpark, das Tivoli und die Roseggerstraße. Dort beliefert sie rund 70 Haushalte mit der TT und anderen Produkten. Seit rund 20 Jahren tut sie das mit Unterstützung ihres Gatten Georg: „Er ist mein Helfer und Chauffeur.“

Anfangs habe sie die Arbeit einfach als „super Fitnesstraining“ betrachtet, meint die erfahrene Austrägerin, „dann ging es immer weiter“. Und auch wenn im Laufe der Jahre an immer mehr Häusern in ihrem Rayon (Außen-)Lifte angebracht wurden, macht sie natürlich weiterhin ordentlich (Höhen-)Meter: „Die Bewegung würde mir abgehen.“

Gemütliche Stimmung herrschte beim Informations- und Dankeschönabend für die Zustellerinnen und Zusteller in Hall.
© TT/Rita Falk

Wie sieht ein typischer Morgen als Zustellerin aus? „Um 3.30 Uhr läutet der Wecker“, erzählt Dorothea Markoff – die lächelnd anmerkt, dass sie „in 46 Jahren nur einmal verschlafen“ habe –, um 4 Uhr sind wir bei der Tür draußen. Zum Abholplatz, wo die Pakete mit den Zeitungen schon bereitstehen, brauchen wir ein paar Minuten. Dann fahren wir mit dem Auto um zwei, drei Ecken und laden auf den Zeitungswagen um.“ Mit diesem zieht sie los, während Georg, ehemaliger Postbeamter, mit dem Rad durchstartet. Rund eineinhalb Stunden dauert die „Tour“, dann wird gefrühstückt.

Im Lauf der Jahr(zehnt)e habe sie schöne Beziehungen zu treuen AbonnentInnen aufgebaut: „Manche warten schon auf mich, wenn sie den Lift hören, dann plaudern wir kurz.“ In manchen Familien kenne sie inzwischen drei Generationen, von den Älteren bis zu den Enkeln. Zu Weihnachten werde sie auch schon mal zu Kaffee und Keksen eingeladen, vielfach gibt es Dankesschreiben und Karten. „Man spürt, dass die Leute die Arbeit wertschätzen.“ Und: „Sogar wenn ich mal abwesend bin, merken sie das“, ergänzt sie lachend: „Weil die Zeitung dann anders daliegt.“

46 Jahre, das bedeutet natürlich auch 46 Winter – und somit gewisse Herausforderungen bei Dunkelheit und Schneefall. „Vor allem früher gab es tiefe Winter, oft mit Schnee bis über die Knöchel“, erzählt Frau Markoff. „Aber man gewöhnt sich daran. Und die Wintermonate sind noch jedes Mal vorbeigegangen.“

Wer so lange frühmorgens auf Achse ist, erlebt natürlich viel – vom „Ratscher“ mit Gassi gehenden Hundebesitzern bis hin zu Nachtschwärmern: „Ich habe immer wieder angeheiterten Personen, die ich kenne, die Tür aufgesperrt, manche auch aufgeklaubt und heimgebracht. Sie sind mir bis heute dankbar“, lacht Frau Markoff. Einmal war sie sogar mit „Polizeieskorte“ unterwegs: Die Beamten, die zu Randalierern ausrückten, fuhren im selben Lift mit. Wobei die Austrägerin betont: „Ich habe nie etwas Negatives erlebt.“ Im Gegenteil: „Wenn ich einmal mit dem Wagerl im Schnee Probleme habe, helfen mir die Leute beim Schieben.“

Dorothea Markoff hat selbst bereits viele ZustellerInnen eingeschult, die nun ihrerseits teils schon lange mit dabei sind. Für sie alle gilt: „Die positiven Rückmeldungen sind die beste Motivation.“