Tiroler Grüne

„Eine Art Tiroler Peter Pilz": Gebi Mair ganz oben angekommen

Grünes Spitzen-Duo: Gebi Mair (Landesparteiobmann) und Petra Wohlfahrtstätter (Landesparteiobfrau).
© APA/EXPA/JOHANN GRODER

Der 38-jährige Stubaier Gebi Mair ist Grünen-Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2023. Die Partei setzt auf das politische Feuer Mairs, riskiert damit aber eventuell auch die Fortsetzung von Schwarz-Grün.

Innsbruck/Kufstein – Der Polit-Fuchs, Stratege und Strippenzieher ist endlich in der Landespartei ganz oben angekommen: Gebi Mair wird die Tiroler Grünen in die Landtagswahl 2023 führen – und er wird es, getreu seinem Naturell, durchaus laut und, wenn es sein muss, auch konfrontativ anlegen. Der Berufspolitiker und geeichte Wahlkämpfer hat einen langen politischen Weg mit einigen Wandlungen hinter sich.

"Für mich als offen homosexuellen Mann wäre es fair, einmal ganz vorne zu stehen", hatte der 38-jährige Stubaitaler Ende April bei Bekanntgabe seiner Kandidatur erklärt. Es sollte so sein. Einflussreich und medial omnipräsent war er seit Beginn seiner landespolitischen Karriere gewesen, nun wollte ihn eine große grüne Mehrheit in der Rolle des Frontmannes für einen Landtagswahlkampf sehen. Ein Triumph für einen Mann seines Schlages mit großem Selbst-und Sendungsbewusstsein.

📽️​ Video | Gebi Mair zum Spitzenkandidaten der Grünen gekürt

Von so manchem mag er als nicht kompatibel oder gar Hindernis für eine angestrebte Regierungsbeteiligung gesehen worden sein. Für manch "Parteifreund" verweilt er schon zu lange in Amt, Würden und Mandaten. Doch die Kraft und das politische Feuer machten all dies weg. Und wohl auch die Aussicht, mit ihm als eine Art geborenen Wahlkämpfer besser reüssieren zu können. Auch wenn es eventuell die Fortsetzung von Schwarz-Grün kosten könnte.

Parteiintern galt das Duo Mair/Wohlfahrtstätter nicht als Favorit, setzte sich aber durch.
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Stachel im Fleisch der Volkspartei

Zu Oppositionszeiten von 2008 bis 2013 hatte Mair den mundflinken Landtagsrevoluzzer gegeben, der rhetorisch beschlagen der Stachel im Fleisch der allmächtigen Tiroler Volkspartei war und diese nicht wenig oft gehörig provozierte. Eine Art Tirol-Ausgabe von Peter Pilz. Der mutmaßlichen Korruption stets auf der Spur, so sah er sich auch selbst gern. Mit Start der Regierungsbeteiligung mutierte er dann zum gewieften, pragmatischen Koalitionskutscher – in Eintracht mit seinem ÖVP-Pendant Jakob Wolf. Handzahm, wendehalsig – so sahen ihn fortan die ehemaligen Oppositionskollegen großteils und ließen kein gutes Haar am "neuen" Gebi Mair.

Gebi Mair sorgte in Oppositions-Zeiten immer wieder für Spitzen gegen die ÖVP.
© Thomas Böhm

In den vergangen Wochen und Monaten schwenkte er wieder etwas um, suchte Profilierung und Polarisierung bis Provokation mit Schwarz. Die Mehrheit der Grünen war offenbar der Überzeugung, dass er der Bewegung in einem Wahlkampf wesentlich mehr Drive versetzen und Wähler zuführen könnte als die unpolitischere, mehr auf Konsens gepolte Fischer.

Gebi Mair wurde am 15. Jänner 1984 in Fulpmes im Stubaital geboren. Er besuchte das Bischöfliche Gymnasium Paulinum in Schwaz. 2010 schloss er das Studium der Politikwissenschaft an der Universität Innsbruck ab. Von 2006 bis 2008 war er Innsbrucker Gemeinderat der Grünen. 2008 eroberte er ein Landtagsmandat, seit 2013 – dem Beginn der schwarz-grünen Landeskoalition – fungiert er als Klubobmann.