NS-Lager Reichenau: Zeitgemäßer Gedenkort als großes Ziel
Der Expertenbericht zum NS-Lager Reichenau soll bis Herbst vorliegen. Das Stadtarchiv sucht Privatfotos für die Dokumentation.
Innsbruck – Seit Mai 2021 arbeitet eine achtköpfige Kommission aus HistorikerInnen und ExpertInnen im Auftrag des städtischen Kulturausschusses an der Erforschung des ehemaligen Gestapo-Lagers Reichenau. Aufbauend auf deren Bericht – er soll laut der Kommissions- und Kulturausschuss-Vorsitzenden Irene Heisz (SPÖ) planmäßig bis Herbst vorliegen –, soll dann der 1972 errichtete, inhaltlich fehlerhafte und problematische Gedenkstein umgestaltet sowie ein zeitgemäßer Gedächtnisort geschaffen werden. Ziel sei es, ein würdiges Gedenken an die Opfer zu ermöglichen, betont Kulturstadträtin Uschi Schwarzl (Grüne).
Die Historikerin Sabine Pitscheider arbeitet zudem an einer neuen Publikation über Zwangsarbeit in Tirol, in der die NS-Lager in Innsbruck in einem eigenen Kapitel behandelt werden. Sie soll heuer in der Veröffentlichungsreihe des Landesarchivs erscheinen.
Federführend in die Arbeit der Kommission involviert ist das Stadtarchiv/Stadtmuseum. Leiter Lukas Morscher sieht eine Schwierigkeit in der Dokumentation darin, dass es relativ wenig Bildquellen gebe − vor allem von den über das gesamte Stadtgebiet verstreuten Nebenlagern und Unterbringungsquartieren. Die Stadt bittet deshalb die Bevölkerung dringend um Mithilfe: „Konkret suchen wir Fotos aus der Kriegszeit, auf denen Spuren des Lagers zu sehen sind“, sagt Morscher – und sei es nur eine Baracke im Hintergrund. Die Dokumentation soll in die Gestaltung des neuen Gedenkortes einfließen. (TT, md)