Innsbruck

Il Corvo in Innsbruck: Das Essen gibt es zum Solidaritätspreis

Nora Gabl und Denny Pedross haben das Wort „Gastfreundschaft“ im Il Corvo noch einmal neu interpretiert und umgesetzt.
© Johanna Muro

Ein Platz ohne großen Konsumzwang ist in Innsbruck rar. Doch es gibt noch Angebote. Das Il Corvo im Saggen ist ein ganz besonderes.

Von Johanna Muro

Innsbruck – Es gibt nicht viele Orte in Innsbruck, an denen man sich aufhalten kann, ohne zwingend etwas zu kaufen oder zu konsumieren – das Il Corvo im Saggen ist einer davon. Und vielleicht in dieser Hinsicht der ungewöhnlichste. Hier ist man willkommen, egal wie viel man essen, trinken oder sogar bezahlen möchte. Die Betreiber Denny Pedross und Nora Gabl möchten gesundes und leistbares Essen für jeden anbieten und damit etwas an die Gesellschaft zurückgeben: „Dieses Restaurant war eine sinnvolle Idee, um ein wenig Verantwortung in der Stadt zu übernehmen, in der man lebt“, erzählt Pedross. Eine Kombination aus verschiedenen Überlegungen, politischen und gesellschaftlichen Einstellungen und schlussendlich die Miete des Gastraums im Saggen haben zu dem geführt, was sie heute anbieten.

Das Menü ist überschaubar und wechselt täglich, immer dem angepasst, was Bauern und Bäcker aus der Region gerade übrig oder aussortiert haben. Die regional und saisonal eingekaufte Ware werde hauptsächlich vegetarisch oder vegan gekocht: Im Moment seien besonders viele Radieschen übrig und die daraus selbstkreierten Radieschen-Burger sehr beliebt. Freitags gibt es im Il Corvo immer Pizza, zweimal im Monat findet ein Sonntags-Brunch statt und wo vorher die Gaststube einer Pizzeria war, können nun kostenlos und ohne Konsumzwang Geburtstagsfeiern, Selbsthilfegruppen oder andere Treffen abgehalten werden – so soll das Sozialleben in allen Schichten gefördert werden. Auch über diese Treffen hinaus ist das Programm vielfältig: Lesungen, Konzerte, Vorträge und Diskussionen sowie gemeinsames Zeichnen in den „Drawing-Sessions“ bietet das Lokal zusätzlich zum regulären Betrieb.

Nora Gabl betont, dass sie großen Wert auf die Nachhaltigkeit der Produkte und die Reduzierung von Nahrungsabfällen lege, trotzdem habe der soziale Aspekt des Restaurants Priorität.

Die Gerichte im Il Corvo werden deshalb mit einer unverbindlichen Preisempfehlung angeboten: Wer genug hat, darf genug bezahlen – es muss aber nicht sein. „Manche Menschen verstehen das Konzept und geben viel Geld, möchten damit für einen bedürftigen Gast bezahlen – andere sind auch ein wenig geizig und nutzen das Angebot aus“, sagt Nora Gabl. Und doch funktioniere das Konzept – obwohl das Restaurant erst seit fünf Monaten geöffnet ist, seien sie seit Anfang Juli in der Lage, die privat aufgenommenen Kredite langsam zurückzuzahlen. Durch eine selbstständige Renovierung des gemieteten Gastraumes sowie die Verwendung von Secondhand-Möbeln konnten bereits zu Beginn viele Kosten gespart werden, außerdem erhielten Gabl und Pedross viel Unterstützung aus dem Freundes- und Bekanntenkreis. Das langfristige Ziel sei in ungefähr fünf Jahren die „Kollektivierung“ des Restaurants: Besonders Menschen, für die es auf dem normalen Arbeitsmarkt schwierig sei, sollten hier eine Arbeitsmöglichkeit finden können. Zunächst stehe der reguläre Betrieb im Vordergrund, und egal ob neugierig, gleichgesinnt oder bedürftig – im Il Corvo sei jeder willkommen.

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