Gassenspiele

Die Schildbürger bei den Haller Gassenspielen: Dummheit will gelernt sein

„Schulmeisterin“ Christina Matuella, bedrängt von „Bäckermeisterin“, „Schweinehirt“, „Schmied“ und „Schneidermeisterin“ (v. l.).
© Andrea Weber-Stricker

Bei den Haller Gassenspielen treiben es „Die Schildbürger“ in einer rasanten Revue über die Dummheit bunt.

Von Edith Schlocker

Hall – Dass die Premiere der „Schildbürger“ am Donnerstagabend trotz tadellosem Wetter nicht auf der „Gasse“, sondern im Salzlager stattfand, war nicht etwa Teil des Regiekonzepts. Also nicht einer der sprichwörtlichen Schildbürgerstreiche, die an diesem Abend herzerfrischend komisch serviert wurden, sondern ganz pragmatisch Petrus geschuldet. Der es exakt eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn schütten, blitzen und donnern, das am Platz südlich der Pfarrkirche aufgebaute Setting ordentlich verwehen ließ und die Flucht nach innen unvermeidlich machte.

Was vielleicht atmosphärisch schade war, leicht zu verschmerzen allerdings durch die umwerfend spielfreudige Performance der sechs SchildbürgerInnen auf der Bühne, die Veronika Stemberger und Berta Posch sparsam mit nur wenigen Objekten bestückt haben, die Haus genauso wie Bett und Sitzgelegenheit sein können, oder mit einer langen blauen Stoffbahn, die zum Inn wird, in dem die Kirchenglocke von Schilda versenkt wird.

Als flotte „Revue über die Dummheit“ hat Alexander Sackl, der auch die Musik beisteuert, den eineinhalbstündigen Abend angelegt. Basierend auf Erich Kästners 1954 erschienenem Erzählband „Die Schildbürger“, den Torsten Schilling bühnenreif adaptiert hat.

Haller Gassenspiele

Südplatz Pfarrkirche St. Nikolaus

nächste Vorstellung am 7. Juli, 20.15 Uhr.

Info: www.gassenspiele.at

„Dieser Abend wird famos“, wird jedenfalls gleich beim Einzug der sechs SchauspielerInnen zum Klang von Pauken und Trompeten versprochen. Eine Ansage, die – trotz mancher Längen – auch eingelöst wird. Was der fabelhaften Truppe geschuldet ist, in der es keine Diven gibt, sondern die wunderbar als Kollektiv funktioniert. Sich mit viel Humor und Ironie selbst bzw. gegenseitig karikiert, um sich, wenn es die jeweilige Szene fordert, in drei Pärchen oder eine Männer- bzw. Frauenfraktion aufzudröseln. Wobei die „Bäckermeisterin“ Tanja Rainalter, die „Schulmeisterin“ Christina Matuella, die „Schneidermeisterin“ Michaela Posch, der „Ochsenwirt“ Wolfgang Klingler, der „Schweinehirt“ Maximilian Stroka und der „Schmied“ Keanu Pöttinger sich regelrecht überschlagend mit komödiantischer Inbrunst vorführen, dass Sich-Dumm-Stellen viel Klugheit voraussetzt.

Der Abend spult als rasante Mischung aus Erzählung und slapstickartiger Performance ab. Da geht es um so Absurdes wie das Einfangen von Licht mit Körben, das Säen von Salz, dreieckige Rathäuser oder die Frage, wie man eine Kuh dazu bringen könnte, eine Mauer abzugrasen. Garniert mit Seitenhieben, die verblüffend aktuell daherkommen. Fazit: „Die Erde ist ein gebildeter Stern mit sehr viel Wasserspülung. Wir sind allerdings noch immer die alten Affen.“ Ein verdienter Tusch für den Regisseur und das ganze Team.

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