Blutnotstand droht

Historisches Tief: Regierung ruft Menschen dringend zum Blutspenden auf

Etwa alle 90 Sekunden wird in Österreich eine Konserve in Anspruch genommen.
© ÖRK / Helmut Mitter

Österreich steuere in Richtung eines "Blutnotstandes". Die Blutkonserven in den Spitälern gehen laut Kanzler Nehammer zur Neige.

Wien – Weil in Österreich die Blutlagerstände ein dramatisches Tief erreicht haben, hat nun auch die Bundesregierung die Bevölkerung dringend zum Blutspenden aufgerufen. Etwa alle 90 Sekunden wird eine Konserve in Anspruch genommen und nun steuert Österreich in Richtung "Blutnotstand". Das Österreichische Rote Kreuz bietet hierfür sowohl online als auch telefonisch für Angebote zur Anmeldung, hieß es in einer Aussendung.

"Die Situation ist dramatisch"

"Die Situation ist dramatisch, in unseren Spitälern gehen die Blutkonserven zur Neige. Ich bitte eindringlich darum: Nehmen Sie sich die Zeit, gehen Sie Blutspenden und retten Sie damit das Leben eines Mitmenschen. Schauen wir aufeinander und helfen wir einander. Das macht unser Land stark", sagte Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP).

"Blut spenden rettet Leben. Jetzt sind wir alle gefordert: Alle, die können, möchten wir aufrufen, ihre Blutspende dem Österreichischen Roten Kreuz zur Verfügung zu stellen. Das beweist Zusammenhalt und bedeutet vor allem für Kranke und Verletzte viel", ergänzte Vizekanzler Werner Kogler (Grüne).

Rotkreuz-Präsident: Triage droht

Rotkreuz-Präsident Gerald Schöpfer warnte bereits Ende Juni: "Sinken die Lagerstände an Blutkonserven weiter, ist eine Triage in den Krankenhäusern unumgänglich". Dann könnten nur lebensnotwendige Eingriffe beziehungsweise Behandlungen durchgeführt werden. "Eine Einschränkung der Versorgung von kranken und verletzten Menschen in den Spitälern ist die harte Konsequenz", betonte Schöpfer.

Blutkonserven können rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr, von Spitälern angefordert werden. Etwa ein Drittel der Blutkonserven wird akut benötigt, beispielsweise nach Unfällen oder bei Komplikationen im Rahmen von Geburten.

Großteil wird für Behandlung schwerer Krankheiten verwendet

Ein Großteil der Blutprodukte wird für die Behandlung schwerer Krankheiten verwendet – wie zum Beispiel bei Krebstherapien, Anämie, Herz-, Leber- oder Nierenerkrankungen. Da Blutkonserven maximal 42 Tage haltbar sind, ist eine kontinuierliche Aufbringung des Notfallmedikaments erforderlich. Genau das sei aktuell äußerst schwierig.

Im St. Anna Kinderspital sind junge Patientinnen und Patienten auf Blutprodukte angewiesen. "Weil die eigene Blutbildung auf Grund einer onkologischen Erkrankung oder der dafür notwendigen lebenswichtigen Therapien oft stark eingeschränkt ist", erläuterte Wolfgang Holter, Ärztlicher Direktor des Spitals. Nur mit lebensrettenden Blutspenden könne die Behandlung der Kinder sichergestellt werden.

Lage nicht nur in Österreich besorgniserregend

Nicht nur in Österreich ist die Lage besorgniserregend. In vielen Ländern Europas und in den USA, Australien oder Kanada haben die Blutspendedienste mediale Aufrufe gestartet, da sie ebenso mit einer niedrigen Spendenbereitschaft konfrontiert sind, berichtete das Rote Kreuz. (TT.com, APA)

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