Österreich

Langes Warten und großes Minus beim Autokauf

Bei den Kraftfahrzeugen (Kfz) insgesamt wurden in Österreich um rund 23 Prozent weniger Neuzulassungen als im abgelaufenen Jahr gemeldet.
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Die Pkw-Neuzulassungen fielen heuer auf den tiefsten Stand seit 44 Jahren. Das geplante Aus für Verbrenner sorgt für Diskussionen.

Innsbruck, Wien – Wer sich ein neues Auto kaufen will, braucht derzeit oft viel Geduld. Bei Neuwagen kommt es je nach Modell, Baureihe Motorisierung oder Ausstattung zu Wartezeiten von teils oft auch weit über einem Jahr. Der Grund sind unter anderem Lieferprobleme, die Folge des Rohstoffmangels sowie fehlender Chips und elektronischer Bauteile sind.

Das größte Problem sei, dass man vielen Kunden keine verbindlichen Zusagen über den Liefertermin machen könne, sagt der Tiroler Obmann des Fahrzeughandels, Dieter Unterberger. Am besten sei es, frühzeitig beim Händler nachzufragen. Auf mögliche Lieferprobleme müsse man aber gefasst sein.

Im ersten Halbjahr 2022 gab es in Österreich laut Statistik Austria 108.606 Pkw-Neuzulassungen, um fast ein Fünftel weniger als im ersten Halbjahr 2021. Gegenüber dem Vor-Corona-Jahr 2019 sei das ein Einbruch um 38,3 Prozent, so Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas. Die Pkw-Neuzulassungen in Österreich seien auf den tiefsten Wert seit 44 Jahren gesunken. Bei Dieselautos gab es heuer ein Minus um 29 Prozent, bei Benzinern um 21, bei Diesel-Hybrid um 10 und bei reinen Elektroautos um 5,6 Prozent.

In Tirol sind die Neuwagen-Verkäufe gegenüber 2019 in den ersten fünf Monaten von 13.536 auf 8074 geschrumpft. Der Autohandel durchlebe derzeit eine „extrem schwierige Zeit“, so Unterberger. Wegen der Lieferprobleme bei Neuautos seien Rabatte vielfach gesunken und die Nachfrage und Preise bei Gebrauchtwagen gestiegen.

Zum von der EU geplanten Verbot von neuen Diesel- und Benzinautos ab 2035 sagt Unterberger, der Handel stehe grundsätzlich hinter Innovationen und sei neutral gegenüber den Antriebsarten. Verbrenner könnten aber noch erlaubt sein, wenn es bis dahin CO2-freie und leistbare Kraftstoff-Alternativen wie E-Fuels gebe. Über diese könnte überschüssiger Strom aus Offshore-Wind- oder Solarparks genutzt werden. Unterberger fordert von der EU dringend Vorgaben für eine bessere Lade-Infrastruktur (an der auch Bankomat- und Kreditkarten funktionieren) sowie einheitliche Ladestecker in Europa.

Für den Autohandel werde auch das von den Herstellern forcierte Agenturmodell Veränderungen bringen. Die Hersteller wollen mehr Einfluss auf den Vertrieb, weil statt des jetzigen Listenpreises ein einheitlicher Transaktionspreis die Voraussetzung sei, um Autos auch online verkaufen zu können. Dadurch werde aber sowohl für Kunden wie Händler auch einiges leichter, Beratung und Service bleiben laut Unterberger essenziell. (va)