Bruderschaftstradition lebt in Telfs noch einmal auf
Zum 350-Jahr-Jubiläum der religiösen Skapulier-Bruderschaft gibt es eine neue Festschrift – und am Sonntag einmalig wieder eine Prozession.
Telfs – Einmal mehr bewahrt Hansjörg Hofer, Obmann des Telfer Kultur- und Bildungsforums, ein spannendes Kapitel aus der Vergangenheit von Telfs vor dem Vergessen: Zum 350-Jahr-Jubiläum hat er die Geschichte der Telfer „Skapulier-Bruderschaft“ in einer Publikation festgehalten.
Das Skapulier (lat. „Schulterkleid“) ist eigentlich ein Bestandteil der Ordenstracht. In der Folge entwickelten sich aber auch kleine Skapuliere in Form von Amuletten mit Marien- bzw. Heiligenbildern. Diese wurden in früheren Zeiten zum Schutz des Seelenheils getragen, auch von Laien. Um dieses Objekt der Volksfrömmigkeit bildeten sich Bruderschaften, so im Jahr 1672 eben auch in Telfs. Die Mitglieder verpflichteten sich zu einem christlichen Leben und gemeinsamen religiösen Aktivitäten, darunter eine jährliche Prozession mit der Skapulier-Muttergottes.
Eine wichtige Quelle dazu ist das Bruderschaftsbuch aus der Zeit der Gründung durch Pfarrer Franz Oberperger, das Hofer im Pfarrarchiv aufgespürt hat. Es verzeichnet zahlreiche Mitglieder, die im Lauf der Jahrhunderte beigetreten sind. Zudem existiert ein einzigartiges Bilddokument – ein großflächiges Gemälde, das die Skapulier-Prozession zum 100-Jahr-Jubiläum 1772 im Detail zeigt. Dieses Werk befindet sich heute im Innsbrucker Volkskunstmuseum.
Die Telfer Bruderschaft war bis ins 20. Jahrhundert hinein aktiv: Trotz der Einschränkungen durch das NS-Regime wurden noch 1940 Mitglieder ins Buch eingetragen. Die letzte Skapulier-Prozession – sie zählte übrigens zu den Pflichtausrückungen der Schützenkompanie Telfs – fand 1962 statt. Noch leben zwei Mitglieder, die seinerzeit als Jugendliche aufgenommen wurden: Die 94-jährige Adeline Holzknecht, war kürzlich bei der Buchpräsentation dabei und zeigte stolz das damals erhaltene Skapulier, das sie noch immer besitzt.
Bei seinen Recherchen wurde Hofer intensiv von Dekan Peter Scheiring unterstützt. Die Pfarre ist, ebenso wie die Marktgemeinde, Mitherausgeber der Festschrift. Damit nicht genug: Zum 350-Jahr-Jubiläum will man die Bruderschaftstradition noch einmal aufleben lassen: Am Sonntag, 17. Juli, findet um 9 Uhr in der Pfarrkirche Peter und Paul ein Jubiläumsgottesdienst statt – und danach, zum ersten Mal seit 60 Jahren und als einmaliges Ereignis, wieder eine kleine Skapulier-Prozession. „Die Schützen sind sofort aufgesprungen, ebenso die Pfarre“, freut sich Hofer, der selbst als Schützenschwegler die Trommel rühren wird.
Die Festschrift „Skapulier-Bruderschaft Telfs – 350 Jahre“ ist für zwölf Euro unter info@telfer.at oder im Pfarramt erhältlich. Für Hansjörg Hofer war es übrigens die letzte Veröffentlichung im Rahmen seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Gemeindechronist: Seit 1. Juli ist der 2015 pensionierte Gemeindebeamte nun auch in dieser Funktion im verdienten Ruhestand. (TT, md)
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