Arbeitsmarkt

Neue Zielgruppen für die Lehre: „Bei Bedürfnissen der Jungen ansetzen“

Es scheint, zwischen Lehrbetrieben und Jugendlichen gibt es Kommunikationsschwierigkeiten.
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Die Lehrlingsausbildung als Gegenmaßnahme zum Fachkräftemangel? Es gebe zumindest noch viel ungenütztes Potenzial, zeigt eine Studie.

Wien – An allen Ecken und Enden fehlt es an Personal, der österreichische Arbeitsmarkt scheint aktuell wie leergefegt. Ein Lösungsansatz könnte hierfür die Lehre sein, sagen Experten seit Jahren. Doch genau dort scheint es zu haken, wie eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens Deloitte zeigt. Demnach gehen die Erwartungshaltungen von Unternehmen und Jugendlichen zum Teil deutlich auseinander. Handlungsbedarf gebe es zudem bei der „Integration von alternativen Zielgruppen“, heißt es. Hier gebe es noch viel „ungenutztes Potenzial“.

Aber der Reihe nach: Rund 80 Prozent der befragten Unternehmen, die derzeit Lehrlinge ausbilden, machen dies, um den künftigen Bedarf an qualifizierten Fachkräften zu sichern. Das Problem: Zwei Drittel der Unternehmen mit Lehrangebot beklagen, dass die Mindestanforderungen an eine Stelle von den Bewerbern nicht erfüllt werden. Mehr als die Hälfte der Befragten erhält generell zu wenige Bewerbungen auf Lehrstellen und jeder zweite Betrieb gibt an, dass es seitens der Bewerber an Motivation und Arbeitsbereitschaft fehlt. „Um dem zu begegnen, sollten Unternehmen auf innovative Lösungen setzen“, schlägt Elisa Aichinger, Partnerin bei Deloitte Österreich, vor. „Das beginnt bereits beim Arbeitsmarktauftritt: Jugendliche unterscheiden sich von älteren Arbeitnehmern hinsichtlich ihrer Werte und Einstellungen. Unternehmen müssen konkret bei den Bedürfnissen der jungen Mitarbeiter ansetzen, um als attraktiver Arbeitgeber zu punkten.“ Außerdem besteht bei der Lehrlingsauswahl oft ein Spannungsfeld zwischen Persönlichkeit und fachlicher Qualifikation. „Betriebe sollten sich mehr auf die Potenziale der jungen Menschen fokussieren und weniger auf bereits erworbene Kompetenzen achten. Mit praktischen, am Berufsalltag orientierten Übungen lassen sich konkrete Begabungen sowie soziale Kompetenzen erheben“, so Katrin Hintermeier, Managerin bei Deloitte Österreich.

Zudem empfiehlt es sich, auf neue Zielgruppen zu setzen. Alternative Zielgruppen – das sind Jugendliche mit Fluchthintergrund, niedrigen Vorqualifikationen, Lernschwierigkeiten oder körperlichen Einschränkungen – stellen eine noch kaum adressierte Personengruppe am Arbeitsmarkt dar. Erst ein Drittel der befragten Unternehmen integriert bewusst diese Personen. Die übrigen 62 Prozent der Betriebe haben zwar bereits erkannt, dass die Integration wichtig ist, aber noch keine Schritte gesetzt.

Unternehmen werben zudem mit sicheren Zukunftsaussichten der Berufe (69 Prozent) oder einer garantierten Jobübernahme nach der Lehre (43 Prozent) – für die Jugendlichen aber stehen eine kollegiale Atmosphäre sowie eine sinnstiftende Tätigkeit an erster Stelle. Und während Lehrlinge die Unterstützung durch Arbeitskollegen und Führungskräfte besonders schätzen, legen Schüler noch primär Wert auf ein gutes Gehalt. „Die Ausübung eines Berufes verändert die Perspektive – die gute Zusammenarbeit im Team gewinnt in der Praxis gegenüber monetären Aspekten an Bedeutung“, weiß Aichinger und empfiehlt mehr Schnuppertage und Praktika, um Arbeitsatmosphäre früh zu vermitteln.

Für die Studie „Youth Pulse Check“ hat Deloitte rund 100 Unternehmen sowie weitere 100 Jugendliche befragt. (TT)