Handel

Wirtschaftliche „Deglobalisierung“ nimmt Fahrt auf, Sorge um Ostblockbildung

Container-Schiffe an einem Frachtterminal in Rotterdam.
© IMAGO/Sem van der Wal

Hamburg – Die Logistikexperten des Beratungsunternehmens PwC sehen nach dem russischen Angriff auf die Ukraine erste Anzeichen zur Umkehr der wirtschaftlichen Globalisierung. Als ein Indiz werten sie, dass im ersten Halbjahr 2022 chinesische Logistikunternehmen nur an 15 Prozent aller weltweiten Übernahmen und Zusammenschlüsse beteiligt gewesen seien. Das sei der niedrigste Stand seit zehn Jahren. Dieser Trend könnte sich weiter fortsetzen, so die PwC-Prognose.

Es besteht die Gefahr, dass sich ein Gegengewicht zu den westlichen Ländern unter chinesischer und russischer Führung bilden könnte. In der Folge könnten westliche Firmen zurückhaltender werden, wenn es um Deals in China geht.
André Wortmann, Beratungsunternehmen PwC

"Tendenzen zur Deglobalisierung lassen sich bereits beobachten", sagt PwC-Partner André Wortmann. "Zudem besteht die Gefahr, dass sich ein Gegengewicht zu den westlichen Ländern unter chinesischer und russischer Führung bilden könnte. In der Folge könnten westliche Transport- und Logistikfirmen zurückhaltender werden, wenn es um Deals oder Investitionen in China geht."

Besorgnis über Ostblockbildung von Russland und China

In einer Studie von PricewaterhouseCoopers (PwC) und deren globaler Strategieberatung Strategy& heißt es zwar, der Rückgang der Transaktionsaktivitäten mit chinesischer Beteiligung sei sicherlich auch auf die anhaltende Covid-19-Krise in China zurückzuführen. Allerdings wird darin auch von einer "Besorgnis über eine mögliche Ostblockbildung unter chinesischer und russischer Führung" gesprochen.

Basierend auf Interviews mit "Experten und führenden Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik" werde vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges ein beschleunigter Trend zur Deglobalisierung als derzeit wahrscheinlichstes Szenario gesehen. Dieses beruhe auf der Annahme eines lang anhaltenden Krieges, der zu anhaltenden Sanktionen gegen Russland, anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheit und eingeschränkten Handelsaktivitäten führen dürfte. (APA/dpa)

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