Hitzewelle

Rheinpegel sinkt erneut, Frachtschiffe fahren mit weniger Ladung

Hier, in Sinzig, mündet die Ahr in den Rhein. Ein Jahr nach der Flutkatastrophe im Ahrtal zeigt sich an der Ahr ein erstaunlicher Gegensatz.
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Laut dem Wasserschifffahrtsamt können Schiffe derzeit noch fahren. Es hängt aber vom Schiffstyp ab, ob mit 50 oder nur 30 Prozent der Ladung.

Hamburg, Frankfurt – Der Wasserstand des Rheins ist angesichts der Hitzewelle in dieser Woche erneut gesunken und behindert die Schifffahrt. "Die Schifffahrt läuft weiter, aber mit teilweise stark reduzierter Ladung", sagte ein Sprecher des Wasserschifffahrtsamtes WSA am Mittwoch. Dies gelte besonders für die kritische Engstelle Kaub bei Koblenz, wo der Wasserstand extrem niedrig sei.

Derzeit könnten die Schiffe noch fahren, es hänge aber vom Schiffstyp ab, ob mit 50 oder nur 30 Prozent der Ladung. Nach Angaben von Rohstoffhändlern ist der Wasserstand in Kaub so niedrig, dass die Schiffseigner im Rahmen ihrer Verträge die Möglichkeit haben, Transporte zu stornieren, wenn sie glauben, dass ihre Schiffe nicht mehr sicher fahren können. Noch führen sie weiter, seien in Kaub aber oft nur zu 30 Prozent beladen.

Schiffe können noch fahren, jedoch gibt es deutliche Einschränkungen bei der Beladung.
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Der Rhein ist ein wichtiger Transportweg für Güter wie Getreide, Kohle, Benzin und Heizöl. Flaches Wasser führt zu Zuschlägen auf die Frachtraten und damit zu höheren Kosten für die Frachteigentümer. 2018 hatten niedrige Pegelstände nach dem heißen Sommer und dem ebenfalls trockenen Herbst die Schifffahrt über Monate eingeschränkt und die Industrie belastet. Für die süddeutschen Flusseinzugsgebiete wird jedoch im Laufe dieser Woche Regen vorhergesagt, der zu einem Anstieg der Wasserstände beitragen könnte.

Nach Einschätzung von Analyst Salomon Fiedler ist die Fähigkeit der Unternehmen, Verzögerungen bei der Beförderung aufzufangen, nach zwei Jahren pandemiebedingter Unterbrechungen geringer als sonst. Die Versorgungsprobleme, insbesondere auf den Rohstoffmärkten, seien durch den Krieg in der Ukraine verstärkt worden. Zudem hätten seit Mitte der 2000er-Jahre größere Schiffe zunehmend kleinere Schiffe auf dem Rhein ersetzt. Größere Schiffe seien in normalen Zeiten zwar kosteneffizienter, hätten in der Regel aber auch einen größeren Tiefgang, weshalb sich die niedrigen Wasserstände stärker auswirken könnten als in früheren Zeiten. Der Chemiekonzern BASF - dessen größtes Werk am Stammsitz in Ludwigshafen rund 40 Prozent der Rohstoffe über den Fluss erhält und der das Rheinwasser auch zur Kühlung nutzt - hat sich deshalb nach den Belastungen 2018 mit speziellen Niedrigwasser-Schiffen gewappnet. (APA/Reuters)

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