Frauen-EURO

Österreich fordert Deutschland: Brentford soll im Gedächtnis bleiben

Momente, die nach Wiederholung schreien: Das Goldtor der Angerberger Hoffenheim-Legionärin Nicole Billa (l.) gegen Norwegen löste bei den ÖFB-Frauen große Emotionen aus. Heute wartet die Wahlheimat Deutschland.
© IMAGO/Terje Pedersen

Die österreichische Frauen-Fußballnationalmannschaft träumt heute Abend im EM-Viertelfinale gegen Deutschland von einer Überraschung. Die Hoffnungen liegen nach ihrer Tor-Premiere auch auf Nicole Billa.

London – Bahnbrechende Erfolge werden im Sport mit Orten verknüpft. Denken Sie an Córdoba, seines Zeichens die zweitgrößte Stadt Argentiniens, aber vor allem Schauplatz des österreichischen 3:2-Siegs über Deutschland bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1978. 44 Jahre später soll heute Abend (21 Uhr, live TT.com-Ticker, ORF 1) Brentford zu einem erinnerungswürdigen Stadtteil (von London) werden. Im EM-Viertelfinale treffen die rot-weiß-roten Kickerinnen auf die deutschen Favoritinnen, wollen das Erfolgsmärchen fortsetzen und wie bei der EM-Premiere im Jahr 2017 – damals fiel den ÖFB-Damen Spanien zum Opfer – ins Halbfinale vorstoßen. Die Freude über das Erreichte erscheint schon vorher riesig. „Es macht mich irrsinnig stolz, wie wir in der Gruppenphase aufgetreten sind“, strahlte ÖFB-Teamchefin Irene Fuhrmann.

Gegner: Allein der Blick in die Geschichtsbücher offenbart, welch Supermacht sich heute vor den ÖFB-Frauen im Brentford Community Stadium auftürmt. Deutschland wurde zweimal Weltmeister, achtmal Europameister und einmal Olympiasieger. Und dennoch saß der Stachel nach den letzten Großereignissen (WM 2019, EM 2017) tief – bei beiden Turnieren war im Viertelfinale Endstation. In England trat Deutschland bisher allerdings souverän auf. Dänemark (4:0), Spanien (2:0) und Finnland (3:0) mussten geschlagen abtreten. „England und Deutschland sind die Teams, die ein absolutes Ausrufezeichen gesetzt haben. Sie sind klarer Favorit“, zeigte auch Fuhrmann gehörigen Respekt.

🟢 EM-Viertelfinale - Statistik

Deutschland – Österreich 21.00 Uhr (live TT.com-Ticker, ORF 1)

  • Deutschland: Frohms; Gwinn, Hendrich, Hegering, Rauch; Oberdorf, Däbritz, Magull; Huth, Popp, Bühl.
  • Österreich: Zinsberger; Wienroither, Wenninger, Georgieva, Hanshaw; Zadrazil, Puntigam, Feiersinger; Hickelsberger-Füller, Billa, Dunst.

England – Spanien 2:1 n.V. (0:0,1:1,2:1)

Schweden – Belgien Freitag, 21.00 Uhr

Frankreich – Niederlande Samstag, 21.00 Uhr

Freundschaften: 13 Österreicherinnen stehen in der deutschen Bundesliga unter Vertrag. Die Freundschaften werden heute ruhen, wie auch Carina Wenninger (wechselt vom FC Bayern zur AS Roma) erklärte: „Bis vor ein paar Tagen haben wir den Deutschen die Daumen gedrückt, jetzt ist es vorbei mit Daumendrücken.“ Mehr noch: „Es wird sicher hart zur Sache gehen.“ Bis dato gab es zwischen Österreich und Deutschland nur zwei Testspiele – beide entschied Deutschland für sich. Das Frauenfußball-Portal Soccerdonna (Pendant zu transfermarkt.de) taxiert den Marktwert der deutschen Truppe auf 3,5 Millionen Euro (Österreich: 1,25 Mio. Euro).

Personal: Rechtsverteidigerin Laura Wienroither war nach ihrer Corona-Infektion ja bereits zum entscheidenden Gruppenspiel gegen Norwegen (Österreich siegte mit 1:0) zurückgekehrt. Auch Offensivfrau Katharina Naschenweng konnte sich wieder freitesten. „Sie macht einen guten Eindruck, ist wieder im Kader und eine absolute Option“, freute sich Fuhrmann auf eine wertvolle Alternative.

Ob die mit Knieproblemen kämpfende Abwehrchefin Viktoria Schnaderbeck heute auflaufen kann, soll sich erst heute entscheiden. Ersatztorhüterin Isabella Kresche droht mit einer Knöchelblessur auszufallen. Mittelfeldmotor Sarah Zadrazil steht indes vor ihrem 100. Länderspiel.

Tirolerinnen: Für Kresche könnte der Innsbruckerin Jasmin Pal ein Platz auf der Ersatzbank winken. Dort würde die Neo-Köln-Legionärin wohl neben Außenverteidigerin Katharina Schiechtl Platz nehmen – die Imsterbergerin hatte mit ihrem Führungstreffer im zweiten Gruppenspiel gegen Nordirland (2:0) ja bereits ihren Beitrag geleistet. In der Startformation wird die Strafraumkobra aus Angerberg die Tiroler Fahne hochhalten. Nicole Billa erzielte gegen Norwegen per Kopf das so wichtige Goldtor. Das zugleich den ersten EM-Treffer in der Karriere der Hoffenheim-Stürmerin bedeutete.

Für die 26-Jährige wäre es „schön, wenn man in seiner Liste stehen hat, dass man ein EM-Tor geschossen hat“. In dieser Liste steht auch, dass Billa in Deutschland als erst zweite Legionärin zur Fußballerin des Jahres (2021) gewählt wurde. Die Zeit wäre reif, den Deutschen heute Abend erneut die Show zu stehlen. In Brentford. Ein Stadtteil wie jeder andere oder ein ganz besonderer Ort. (dale, APA)

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