Musik

Herbert Pixner Projekt: Wo sich Tango und Blues treffen

Werner Unterlechner, Herbert Pixner, Heidi Pixner und Manuel Randi (v. l.) bilden das „Pixner Projekt“.
© Walser

Mehr ist mehr: Gleich zwei Alben von und mit Herbert Pixner erscheinen heute. Mit „Schïan“ kehrt das „Pixner Projekt“ zurück.

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – Eine Brise von Meer weht vorbei. Gerade zur rechten Zeit. Getragen von einer leicht schwingenden, klassischen Gitarre. Eine, die sich irgendwann mit einer Harfe vereint. Und die einen in „Brezza Di Mare“ sanft hin und her wiegt. Hach! Aber so harmonisch geht es im Album „Schïan“ nicht immer zu. Andernorts wird zum fulminanten „Tango No. 5“ geladen, tief verletzt jaulen Saxophon und E-Gitarre im „Lörget Blues“ auf. Und das Herbert Pixner Projekt wäre nicht das Herbert Pixner Projekt, wenn sich in all dem weltmusikalischen Anspruch nicht auch noch die diatonische Harmonika des Frontmanns hineinschummeln würde. Auch wenn sie beim Blues noch ein effektvoll verzerrtes Mäntelchen trägt.

Diese Art von klanglichen Experimenten kennen wir vom 2005 gegründeten Pixner Projekt. Das letzte Album „Lost Elysion“ (2018) hat in puncto Effekten tief in die Trickkiste gegriffen. „Schïan“ ist cleaner. Ganz neu ist: Dann und wann erklingt der große Konzertflügel. Mit dem Ladiner Alex Trebo hat sich Pixner ein starkes Klavier an Bord geholt. Wenigstens temporär. Als Gast, mit dem u. a. das smoothe „Niores“ entstand. Ja, das Herbert Pixner Projekt ist gewachsen – und sein Klangspektrum auch.

„Schïan“, das heute veröffentlichte Album, markiert wieder ein neues Kapitel. Der „alte Pixner“ kehrt zurück, wenn man so will. Eine Pause gab es in der erzwungenen Stille der letzten beiden Pandemiejahre zwar für Herbert Pixner keine. Höchstens eine Auszeit von der Bühne. Dafür herrschte im hauseigenen Studio in Gnadenwald umso mehr Bewegung, erzählte der gebürtige Südtiroler schon im Mai im Interview in „Tirol Live“. Pixners Italo Connection war zu Besuch, die Musikerkollegen Thomas Gansch und Manu Delago schauten rein, Ernst Molden und Ursula Strauss ebenso. Kein Wunder also, dass nach dem jüngsten Projekt „Alpen & Glühen“ „Schïan“ nicht das einzige Album von und mit Tausendsassa Pixner ist, das heute erscheint. Pixner, das heißt auch: Mehr ist mehr.

📽️​ Video | Herbert Pixner Projekt – „Liebele“:

Auch „Oame Söö“ kommt heute raus. Jene Kooperation mit dem Wiener Barden Ernst Molden, Schauspielerin Ursula Strauss, Drummerin Maria Petrova und Pixners Hausgitarrist Manuel Randi, die vor gut einem Monat beim Burgsommer in Hall erstmals offiziell präsentiert wurde. Es ist ein Album, das ZuhörerInnen jetzt auch auf Platte in die Sagen- und Mythenwelt führt. Rein in den Rosengarten von König Laurin – und hinauf, wo „Da Oade vom Berg“ wohnt. Darauf gibt es aber auch Kinderlieder, die ihren Kinderschuhen entwachsen sind. Bei „Ringlringlreia“ jedenfalls wird hinterm „Hollerbusch“ ordentlich mit „Substanzen gepfuscht“. Ernst Molden ist es hier, der die mythische Neuinterpretationen auf scheinbar vertraute Melodien setzt. Pixner und Randi sind es, die sie in eine klangliche Wunderwelt tauchen.

Ganz anders in „Schïan“, wo einem der Titel eine Beurteilung ja bereits in den Mund legt, wo aber das Erzählen vollends den Instrumenten überlassen bleibt. Im „Prélude“ werden sie alle schon einmal vorgestellt. Nebst Harmonika (Herbert Pixner) und Gitarre (Manuel Randi) auch die sanfte Harfe von Heidi Pixner und der treibende Bass von Werner Unterlechner.

Gemeinsam wird zum ersten Highlight des Albums gebeten, dem „Teufelstanz“, ein würdiger Nachfolger von bekannten Stücken wie „Scirocco“ oder „Quattro“ – schnell und schonungslos. Es geht aber auch anders, wie das weiche „Blauer Mond“ oder das noch weichere „Liebele“ zeigen. Da schwingen die Melodien der tonangebenden Harmonika nur so dahin. Wirklich Spaß machen „Poppy“ oder der abschließende Reggae „Schallalalala“, die man nur zu gern live erleben möchte. Unterwegs ist die Combo aktuell eh – und on tour auch in Telfs (6. August) oder Kufstein (19. August) zu Gast.

🎵 Neue Volksmusik/Weltmusik Herbert Pixner Projekt: Schïan. Three Saint Records & Molden/Strauss/Pixner/Petrova/Randi: Oame Söö. Three Saint Records.