Österreich

„Equal Pension Day“: Frauen erhalten fast um die Hälfte weniger Pension

Gründe für die niedrigere Pension für Frauen sind das geringere Einkommen, Teilzeitbeschäftigung und die Übernahme der unbezahlten Arbeit.
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Männer werden bis morgen so viel Pension bekommen haben, wie Frauen das ganze Jahr erhalten. In den letzten Jahren hat sich das in Tirol kaum geändert.

Innsbruck, Wien, Salzburg – 14-mal pro Jahr beziehen Männer in Österreich eine monatliche Durchschnittspension von 2103 Euro, Frauen erhalten hingegen nur 1239 Euro im Monat. Das sind um 41,3 Prozent weniger Bezüge. Für Frauen müsste das Kalenderjahr also 514 Tage haben, um aufs gleiche Geld zu kommen wie Männer. Dabei hat der Tag für alle 24 Stunden. Aber Frauen leisten nach wie vor den größten Teil unbezahlter Arbeit – von der Kinderbetreuung bis zur Altenpflege – und steigen damit im Alter deutlich schlechter aus. „Equal Pension Day“ nennt man diese – morgige – Marke, an der Männer sich in den Ruhestand verabschieden, während Frauen für die gleiche Pension bis Jahresende arbeiten müssen.

Das bedeutet auch, je später im Jahr dieser Tag stattfindet, desto geringer sind die Unterschiede. Seit der ersten Berechnung im Jahr 2015 hat er sich bundesweit um ungefähr acht Tage nach hinten verschoben, zeigt eine Aufstellung vom Österreichischen Städtebund. Dabei gibt es aber deutliche Unterschiede nach den Bundesländern: Wien konnte sein Ergebnis im Zeitverlauf um fast drei Wochen verbessern, während sich der „Equal Pension Day“ in Tirol um nur drei Tage innerhalb von sechs Jahren verbessert hat. Die Tiroler Pensionslücke ist also mit 44,3 Prozent über dem Bundesschnitt, der „Equal Pension Day“ fand hier bereits am 22. Juli statt.

📽️​ Video | Frauenarmut: Der „Equal Pension Day"

ÖGB fordert Kinderbetreuung ab 1. Geburtstag

„Die Folge von unterbrochenen Erwerbszeiten und Teilzeitarbeit ist massive Altersarmut, die durch die aktuelle Teuerung ein äußerst besorgniserregendes Ausmaß erreicht hat. Einmal mehr schneiden Tirolerinnen im Österreich-Vergleich schlechter ab: Liegt die österreichische Durchschnittspension für Frauen bei 1239 Euro, sind es in Tirol lediglich 1138 Euro“, sagt Tirols ÖGB-PensionistInnenvorsitzende Johanna Wieser dazu. Der ÖGB Tirol fordert deshalb neben längeren und besseren Anrechnungen der Kindererziehungszeiten auch einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbildungsplatz für jedes Kind ab dem 1. Geburtstag. „Der Rechtsanspruch würde zu echter Wahlfreiheit führen und berufstätigen Frauen ermöglichen, selbst zu entscheiden, wie viele Stunden sie arbeiten wollen“, so die Begründung.

Städtebund-Generalsekretär Thomas Weninger fordert, dass Männer die Hälfte der unbezahlten Arbeit übernehmen, „ihren Teil der Verantwortung – sei es in der Kindererziehung, im Haushalt oder wenn ältere Angehörige gepflegt werden müssen“ – wahrnehmen müssen. Zudem brauche es eine Neubewertung „klassischer Frauenbranchen“, da Pflege, Handel, Tourismus und Co. traditionell schlecht bezahlt würden, fordern etwa auch AK und ÖGB Salzburg in einer gemeinsamen Aussendung.

Besonders besorgniserregend ist die Situation angesichts der aktuellen Teuerung. Der Pensionistenverband Österreich fordert deshalb eine allgemeine Erhöhung der Bezüge um 10 Prozent für alle, da viele ältere Menschen bereits jetzt Probleme hätten, sich das Leben noch leisten zu können. (ah)

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