Einzelhandel

Handelsumsätze in Österreich stagnieren, Entlastung gefordert

Symbolfoto.
© Volkmar Schulz

Die Teuerung setzte im ersten Halbjahr 2022 dem Wachstum im Handel zu. Das lässt die Forderung nach mehr „Netto vom Brutto“ wieder laut werden.

Innsbruck, Wien – Der Einzelhandel verbuchte im ersten Halbjahr bundesweit zwar nominell mehr Umsatz, preisbereinigt blieb davon aber nicht viel übrig, hieß es gestern von der Statistik Austria. Gegenüber dem Vorjahr erwirtschaftete die Branche – ohne Handel mit Kfz – aber inklusive Tankstellen um 7,6 Prozent mehr Umsatz, real entsprach das aber bloß einem Zuwachs von 0,2 Prozent. „Das Geld verteilt sich wieder mehr“, sagt Stefan Mair, Obmann der Sparte Lebensmittelhandel in der Wirtschaftskammer Tirol. Der Lebensmittelhandel machte in den vergangenen zwei Jahren Corona-bedingt jeweils ein Plus. Nun stehe dem „Wachstum die Teuerung, Lieferkettenprobleme, die Energiekrise – aber eben auch die Tatsache, dass man sein Geld auch wieder anderswo ausgeben kann – im Wege“, sagt Mair. Tatsächlich lag der Zuwachs österreichweit bei Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren nominell bei 0,8 Prozent, preisbereinigt entspricht das laut Statistik Austria aber einem Minus von 4,9 Prozent. Auch Beschaffungsschwierigkeiten seien ein Thema. Zwar sei die „Grundversorgung auf jeden Fall gesichert, ob der aktuellen Krisen müsse man sich aber eben auch an den Gedanken gewöhnen, nicht mehr alles zu jeder Tages- und Nachtzeit zur Verfügung zu haben“, sagt Mair. Nachsatz: „Tirol ist mit den regionalen Lebensmitteln sehr gut aufgestellt.“

Ein bisschen anders sieht es bei den Nicht-Lebensmitteln aus: Hier liegt der Umsatz in Österreich nominell bei 9,7 Prozent über dem Vorjahreszeitraum, preisbereinigt ergibt das ein Plus von 4 Prozent. Zahlen, die sich auch in der Praxis widerspiegeln, wie Wolfgang Feucht, Obmann des Handels mit Mode und Freizeitartikeln in der WK Tirol, sagt. Demnach sei hierzulande noch kein Rückgang im Textihandel zu verzeichnen, aber „das ganze Krisengerede bremst natürlich die Lust aufs Shopping“, sagt Feucht. Und: Die Aussichten seien sehr ungewiss. Die Teuerung, aber auch der Fachkräftemangel, die Lieferkettenprobleme und Energiepreise lassen nichts Gutes erahnen. Aktuell werde die Order für die Frühlingsmode 2023 aufgegeben – und die sei „deutlich teurer“. Kosten, die an die Konsumenten „weitergegeben werden müssen, da wir nach Corona keinen Speck mehr haben“. Und weil sich der Handel auch dem internationalen Wettbewerb stellen muss – Stichwort Online-Handel – brauche es dringend Entlastung, sagt Feucht. Und legt einmal mehr die altbekannte Forderung nach „mehr Netto vom Brutto“ auf den Tisch.

Eine Neuregelunge bei Abgaben und Gebühren fordert indes der Handelsverband: „Relikte aus den Zeiten Maria Theresias wie die Mietvertragsgebühr sind nicht mehr zeitgemäß“, erklärt Obmann Rainer Will. Denn sinkende Umsätze auf der einen Seite, höhere Beschaffungs- und Energiekosten auf der anderen – das gehe sich nicht mehr aus. (ah)

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