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Bereits 876 Einsätze im Sommer: Tiroler Bergretter sind am Limit

Die Belastung für die Tiroler Bergrettung steigt, die Zahl der Einsätze ist in diesem Sommer so hoch wie nie zu vor. Bereits 876-mal mussten die Helfer sei 1. Mai ausrücken.

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„Mit Biegen und Brechen geht am Berg nichts“, sagt Stefan Hochstaffl von der Tiroler Bergrettung.
© Archivfoto: zoom.tirol

Von Benedikt Mair

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Innsbruck – Stürze mit dem Mountainbike, verirrte Wanderer, verletzte oder erschöpfte Kletterer – Tirols Bergretter müssen dieser Tage vielen in Not geratenen Alpinsportlern zu Hilfe eilen. Allein im Juli gab es 419 Ausrücken, seit Beginn der Sommersaison mit 1. Mai insgesamt 876. Eine solch große Zahl an Einsätzen habe es „so noch nie gegeben“, sagt Bergrettungs-Landesleitung Hermann Spiegl. Dabei sind nicht alle Ortsstellen gleichermaßen belastet. Und für jene, die besonders häufig mit Unfällen konfrontiert sind, gibt es nun eine Lösung. Kollegen aus den umliegenden Gemeinden sollen unterstützen.

Knapp 11 Prozent aller Einsätze in Tirol wurden heuer in Sölden verzeichnet, mehr als beansprucht werden auch die Retter in Innsbruck (5,15 Prozent), Ehrwald und Kufstein (je 4,49 Prozent). „Das nur mit unseren Freiwilligen abzuwickeln, ist die Herausforderung, die sich derzeit stellt“, erklärte Landesleiter Spiegl gestern bei einem Pressegespräch. Dort, wo besonders viel los sei, „werden wir Bergretter aus den umliegenden Ortsstellen in die Einsätze mit einbinden“. In manchen Regionen, wie beispielsweise in Sölden, gibt es bereits einige wenige hauptberufliche Helfer. Von einer flächendeckend aus Professionellen bestehenden Bergrettung hält Hermann Spiegl aber wenig – „zumindest derzeit nicht“. Setze sich die Entwicklung bei der Zahl der Ausrücken aber so fort, „ist über solche Stellen sicher nachzudenken“.

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Dass die Einsatzzahlen für die Retter im alpinen Gelände derzeit so in die Höhe schnellen, hängt laut den Verantwortlichen zum einen damit zusammen, dass immer mehr Menschen auf Gipfel und Grate steigen beziehungsweise mit Rädern hoch und wieder runter fahren. „Wir beobachten aber auch, dass manche Leute den Berg nur als ein Sportgerät sehen“, sagt Stefan Hochstaffl, Bundesverbandspräsident des Österreichischen Bergrettungsdienstes und stellvertretender Landesleiter der Bergrettung Tirol. Er mahnt, im alpinen Gelände stets vorsichtig zu bleiben und sich auf Touren gut vorzubereiten. „Mit Biegen und Brechen geht am Berg nichts.“

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An Nachwuchs mangelt es den Rettern jedenfalls nicht, erklärt Landesausbildungsleiter Christian Eder. „Bergsport boomt. Davon profitieren auch wir.“ Von Bedeutung sei die tirolweit einheitliche Einschulung. „Nur deshalb können wir jetzt ohne Probleme ortsstellenübergreifend zusammenarbeiten.“

Zahlen, Daten und Fakten

Einsatzzahlen: Von 1. Mai bis 31. Juli musste die Tiroler Bergrettung heuer zu 876 Einsätzen ausrücken – laut den Verantwortlichen so viele wie nie zuvor. Im Vorjahr waren es im selben Zeitraum 724 Einsätze, 769 waren es im Jahr 2020.

Hotspots: Knapp 11 Prozent aller Einsätze wurden heuer in Sölden verzeichnet, 5,15 Prozent hatte die Ortsstelle Innsbruck abzuwickeln, je 4,49 Prozent jene in Ehrwald und Kufstein.

Tätigkeiten: Mit Abstand am häufigsten riefen Menschen die Bergrettung heuer nach Zwischenfällen bei Wanderungen (346), dem Mountainbiken (193), im Klettersteig (34) und beim klassischen Klettern (27).

Ursachen: Die meisten Einsätze wurden heuer durch Stürze (267), medizinische Notfälle (91) und Ausrutschen (77) ausgelöst. Auch Verirren (26) scheint in dieser Statisti­k weit vorne auf.

Nationalität: Mehr als 55 Prozent aller Geretteten waren heuer Deutsche, gefolgt von Österreichern (29,8 Prozent), Niederländern (2,76 Prozent) und Tschechen (2,18 Prozent).


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