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Israel und Islamischer Jihad einigten sich auf Waffenruhe

Israel und die militante Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad haben am Sonntagabend eine Waffenruhe verkündet. Am Abend war eine hochrangige ägyptische Delegation in Gaza eingetroffen, um über Details der Waffenruhe zu verhandeln.

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Der Islamische Jihad feuerte seit Freitag Dutzende Raketen Richtung Israel ab.
© MAHMUD HAMS

Jerusalem – Nach dreitägigen schweren Kämpfen haben sich Israel und die militante Palästinenserorganisation Islamischer Jihad auf eine Waffenruhe geeinigt. Diese trat am Sonntagabend um 23.30 Uhr Ortszeit (22.30 Uhr MESZ) in Kraft, wie Israel und die auf palästinensischer Seite beteiligte Gruppe Islamischer Jihad in getrennten Erklärungen mitteilten. Ägypten hatte den Waffenstillstand vermittelt.

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Bei den israelischen Luftangriffen im Gazastreifen wurden nach palästinensischen Angaben seit Freitag mindestens 43 Menschen getötet und über 300 Menschen verletzt. Der Islamische Jihad feuerte rund 600 Raketen in Richtung Israel ab.

Der Islamische Jihad sagte am Sonntag in einer Erklärung zu, ab 23.30 Uhr die Raketenangriffe einzustellen, betonte jedoch sein Recht, auf jegliche neue "Aggression" Israels zu reagieren. Auch Israel bestätigte die Einigung und betonte, man werde im Fall von Verstößen hart reagieren.

Ägyptische Delegation in Gaza

Am Abend war eine hochrangige ägyptische Delegation in Gaza eingetroffen, um über Details der möglichen Waffenruhe zu verhandeln. Bereits am Nachmittag war aus ägyptischen Sicherheitskreisen verlautet, dass Israel einer von Kairo vorgeschlagenen Feuerpause im Gazastreifen zugestimmt habe. Allerdings war zunächst unklar, wann die Waffenruhe in Kraft treten soll.

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Nach Angaben des Chefs des politischen Arms des Islamischen Jihad, Mohammed al-Hindi, beinhaltet die Vereinbarung, dass Ägypten sich bei Israel für die Freilassung von Bassem al-Saadi und Khalil Awawdeh einsetzt. Al-Saadi, ein Anführer des politischen Arms des Islamischen Jihad im Westjordanland, war am Montag festgenommen worden.

Israelische Medien berichteten dagegen, Israel habe für die Waffenruhe keine Bedingungen akzeptiert. Es solle lediglich das Prinzip "Ruhe im Gegenzug für Ruhe" herrschen. Ägypten hatte vergangenes Jahr auch eine Waffenruhe zwischen Israel und der islamistischen Hamas vermittelt nach einem Waffengang über elf Tage.

Das israelische Militär hatte am Freitag die Militäraktion "Morgengrauen" mit Luftangriffen gegen den Islamischen Jihad im Gazastreifen gestartet. Die eng mit Israels Erzfeind Iran verbundene Gruppe wird von der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft. Seitdem haben militante Palästinenser nach Militärangaben Hunderte von Raketen auf israelische Ortschaften gefeuert.

Fehlgeleitete Jihad-Rakete soll Kinder getötet haben

Das israelische Militär hatte am Freitag die Militäraktion "Morgengrauen" mit Luftangriffen gegen den Islamischen Jihad im Gazastreifen gestartet. Die eng mit Israels Erzfeind Iran verbundene Gruppe wird von der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft. Seitdem haben militante Palästinenser nach Militärangaben Hunderte von Raketen auf israelische Ortschaften gefeuert.

Dem Gesundheitsministerium im Gazastreifen zufolge wurden bei den israelischen Angriffen unter anderem 15 Kinder und vier Frauen getötet. Die israelischen Behörden bestritten die von den palästinensischen Behörden genannte Opferzahl und machten für den Tod mehrerer palästinensischer Kinder in Jabalia im Norden des Gazastreifens einen fehlgeschlagenen Raketeneinsatz des Islamischen Jihad verantwortlich.

Israels Ministerpräsident Yair Lapid sprach von einem "präzisen Anti-Terror-Einsatz gegen eine unmittelbare Bedrohung". Der Islamische Jihad sei eine "Hilfstruppe des Iran, die den Staat Israel zerstören und unschuldige Israelis töten will". Nach Angaben der israelischen Armee trafen ihre Angriffe 139 Stellungen des Islamischen Jihad. Die gesamte Spitze des militärischen Flügels des Islamischen Jihad im Gazastreifen sei "neutralisiert" worden.

Der Islamische Jihad ist die zweitstärkste militante Gruppe in den Palästinensergebieten nach der im Gazastreifen herrschenden Hamas. Sie ist eng mit dem Iran verbunden und feuert immer wieder Raketen auf Israel.

Raketenbeschuss Jerusalems

In Israel erlitten infolge des Beschusses aus dem Gazastreifen nach Angaben des Rettungsdienstes zwei Menschen Verletzungen durch Raketensplitter. Zudem seien weitere 13 Menschen leicht verletzt worden, als sie sich in Sicherheit bringen wollten.

Unter anderem ertönte am Sonntagmorgen erstmals seit der neuen Eskalation im rund 60 Kilometer vom Gazastreifen entfernten Jerusalem Luftschutzsirenen, der Islamische Jihad bekannte sich zu Raketenangriffen auf die Stadt. Der israelische Raketenschutzschild Iron Dome fing die Flugkörper der israelischen Armee zufolge aber ab, insgesamt sei dies bei 97 Prozent der Raketen gelungen. Am Samstag hatten auch in der Küstenmetropole Tel Aviv die Luftschutz-Sirenen aufgeheult.

Im Gazastreifen kam infolge der Eskalation das öffentliche Leben nahezu zum Erliegen. Wegen der Schließung von Grenzübergängen musste nach Angaben der Betreiberfirma am Samstag das einzige Kraftwerk in dem Palästinensergebiet abgeschaltet werden, weil kein Diesel mehr in die Enklave gelangte.

Der oberste Krankenhausdirektor im Gazastreifen warnte vor einer "medizinischen Krise". Ins Shifa-Krankenhaus in Gaza würden "minütlich" Verwundete eingeliefert, erklärte Mohammed Abu Salmiya am Sonntag. Es würden dringend Medikamente und Treibstoff zur Stromerzeugung benötigt, um die Patientinnen und Patienten weiterhin behandeln zu können.

Wien hinter Israels Verteidigung, besorgt über Eskalation

Die jetzige Gewalteskalation ist die heftigste im Gazastreifen seit Mai vergangenen Jahres. Die im Gazastreifen seit 2007 regierende radikalislamische Hamas hatte damals Raketen Richtung Israel abgefeuert, woraufhin die israelische Luftwaffe Ziele im Gazastreifen bombardierte. Während der elftägigen Gefechte wurden im Gazastreifen mehr als 260 Menschen getötet, in Israel gab es 13 Tote.

Die Außenministerium in Wien verurteilte am Sonntag den Raketenbeschuss auf Israel und die wahllosen Angriffe auf Zivilisten auf das Schärfste. Man stehe "voll und ganz zu Israels Recht auf Selbstverteidigung" und sei "besorgt über eine weitere Eskalation", die zum Tod von Zivilisten führen könnte, so das Ministerium auf Twitter.

(APA, dpa, Reuters)

Zusammenstöße zwischen Israelis und Palästinensern seit 2015

Im Gazastreifen ist es zur schwersten Gewalteskalation zwischen Israel und den Palästinensern seit mehr als einem Jahr gekommen. Israel geht mit Luftangriffen im Gazastreifen und Razzien im Westjordanland gegen die Palästinenserorganisation Islamischer Jihad vor. Dieser antwortet mit Raketenangriffen auf Israel. Eine Chronik der schlimmsten Zusammenstöße der vergangenen Jahre:

Einsätze gegen den Islamischen Jihad

Nach der Festnahme von zwei ranghohen Mitgliedern des Islamischen Jihad bei einer Razzia im besetzten Westjordanland schließt Israel am 2. August zwei Grenzübergänge zum Gazastreifen. Der Islamische Jihad, eine militante Gruppe mit engen Verbindungen zum Iran, ist im Gazastreifen stark vertreten und nutzt das Gebiet regelmäßig für Raketenangriffe auf Israel.

Am 5. August fliegt die israelische Armee Luftangriffe auf den Gazastreifen, bei denen sie nach eigenen Angaben 15 Extremisten tötet, darunter auch einen Anführer des Islamischen Jihad. Der Islamische Jihad feuert daraufhin dutzende Raketen Richtung Israel ab.

Bei einer Razzia im Westjordanland nimmt der israelische Geheimdienst Shin Bet am 6. August 20 Menschen fest, darunter 19 Mitglieder des Islamischen Jihad.

Gewalt nach Zusammenstößen in Jerusalem 2021

Zusammenstöße auf dem Tempelberg und rund um die Al-Aksa-Moschee in Jerusalem führen zu tagelangen schweren Auseinandersetzungen zwischen der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen und israelischen Sicherheitskräften. Die Hamas feuert Raketen Richtung Israel ab, Israel fliegt Luftangriffe im Gazastreifen. Während der elftägigen Gefechte werden im Gazastreifen mehr als 260 Menschen getötet, in Israel gibt es 13 Tote.

"Großer Marsch der Rückkehr" im Frühjahr 2018

Ab Ende März 2018 finden wöchentlich Proteste am Sicherheitszaun zwischen dem Gazastreifen und Israel statt. Die palästinensischen Demonstranten fordern die Aufhebung der 2007 von Israel verhängten Blockade des Gebiets. Außerdem fordern sie für die Palästinenser das Recht auf Rückkehr auf ihr Land, das sie im Zuge der Gründung des Staates Israel 1948 verlassen mussten.

Am 14. Mai wird die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegt. Bei Demonstrationen im Gazastreifen werden an diesem Tag rund 60 Palästinenser von der israelischen Armee getötet.

Streit um Sicherheitskontrollen im Sommer 2017

Am 14. Juli 2017 töten drei israelische Araber zwei Polizisten in der Altstadt von Jerusalem und werden daraufhin am Tempelberg erschossen. Israel erklärt, die Waffen seien auf dem Tempelberg versteckt worden, und sperrt den Zugang zur drittheiligsten Stätte des Islam für zwei Tage.

Am 16. beschließt Israel, neue Sicherheitsvorkehrungen an den Eingängen zu installieren, unter anderem Metalldetektoren und Kameras. Es kommt zu heftigen Protesten, am 21. Juli werden bei Zusammenstößen drei Menschen getötet. Am selben Abend tötet ein Palästinenser im Westjordanland drei israelische Siedler.

Messerattacken im Herbst 2015

Im September 2015 wird der Tempelberg drei Tage lang zum Schauplatz heftiger Zusammenstöße zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften. Am 1. Oktober wird im Westjordanland ein jüdisches Siedlerpaar in einem Auto von palästinensischen Angreifern erschossen. Am 9. Oktober greift die Gewalt auf den Gazastreifen über, sieben Palästinenser werden getötet. Am darauffolgenden Tag werden bei einer israelischen Razzia eine schwangere palästinensische Frau und ihre Tochter getötet.

Von Oktober 2015 bis Ende 2016 sterben bei dutzenden Angriffen 240 Palästinenser und 36 Israelis. Bei den meisten getöteten Palästinensern handelt es sich nach Angaben der israelischen Behörden um Angreifer, die mit Messern bewaffnet auf Israelis losgegangen seien.


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