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Banksy und sein boxender Babysitter: Dirk Stermann mit neuem Roman „Maksym"

In seinem neuen Roman „Maksym“ erzählt Dirk Stermann von einem ukrainischen Alltagshelden, der einem alten Vater zurück in die Spur hilft.

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Dirk Stermann – bekannt aus Funk und Fernsehen – stammt aus dem Ruhrgebiet und lebt seit Ende der 1980er-Jahre in Wien.
© Gerald von Foris

Von Joachim Leitner

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Innsbruck – „In dieser Geschichte komme ich nicht gut weg.“ Das sagt der Protagonist und Ich-Erzähler in Dirk Stermanns neuem Roman „Maksym“ ganz am Anfang. Auch der Protagonist heißt Dirk Stermann. Recht früh im Buch muss der sich auch sagen lassen, dass er nicht Knausgård sei. Karl Ove Knausgård wurde mit ziemlich ernsten Büchern über seinen Alltag bekannt.

Autofiktion nennen das die, die sich damit auskennen. Dirk Stermann, der echte, nicht der im Buch, spielt mit Autofiktion. Vielleicht macht er sich auch ein bisschen darüber lustig. Aber das könnte auch eine Unterstellung sein, weil man den echten Stermann vornehmlich aus dem Fernsehen kennt, wo er – wie der Roman-Stermann – eine satirische Talkshow moderiert. „Scheinbiografisch“ nennt der Verlag dieses Spiel im Spiel, das es so ähnlich schon in Stermanns Schilderung seiner „Entpiefkenisierung“ „Sechs Österreicher unter den ersten fünf“ gab. „Maksym“ ist – wenn man so will – die Fortschreibung des Bestsellers von 2010. Und in schönster Spiegelfechterei auch ein Buch über das Schreiben der vom Verlag beharrlich gewünschten Bestsellerfortsetzung.

Von der gibt es nämlich zunächst nur die Absicht – und eine leere Textverarbeitungsdatei. Erst Maksym bringt den Roman auf den Weg, weil er dem schreibblockierten Stermann rät, einfach von sich zu schreiben. Ins Haus holte sich Stermann Maksym nur widerwillig. Er wünschte sich einen anderen Babysitter für Söhnchen Hermann. Genau genommen wünschte er sich eine Babysitterin. „Maksym“ ist auch ein verblüffend unverblümter Roman über bröckelnde Rollenbilder. Und der Roman-Stermann eben auch ein alter, weißer Mann. Und ein vergleichsweise alter Vater. Einer, der sich eingerichtet hat, der von Fernseh-Aufnahme zu Fernseh-Aufnahme und von Auftritt zu Auftritt tingelt (und ausgerechnet im alten Innsbrucker Hafen übel über den Tisch gezogen wird) – und einer, den sein Sohn „Banksy“ nennt. Weil er nie da ist. Das ändert sich, als Stermanns Frau zurück ins Arbeitsleben will, einen Job in New York angeboten kriegt – und „Banksy“ Papa werden soll. Deshalb braucht es Maksym. Beworben hat er sich mit „Mache alles“. „Kann alles“ trifft es noch besser.

Dieser Maksym ist ein Mann der Tat, gebürtiger Ukrainer, geübter Boxer, sogar in der Juristerei beschlagen und Verfechter der Lehre vom direkten Weg. Zunächst lässt er den alten Vater Stermann alt aussehen, dann hilft er ihm zurück in die Spur: ein fahrender Ritter, ein Held, dem es sogar gelingt, dass der Roman-Stermann in dieser Geschichte gar nicht so schlecht wegkommt, wie er oder sein Erfinder gleichen Namens eingangs behauptet – und sich „Maksym“ nach und nach von einer fraglos witzigen Sammlung von Anekdoten aus der heimischen Kleinkunst- und Medienblase (egal, ob sie nun wahr oder erfunden sind) zum durchaus berührenden Vaterbuch entwickelt.


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