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Sieben Kandidaten? Stimmzettel für BP-Wahl kratzt am Rekord

6000 Unterstützungserklärungen müssen die 23 Österreicher und Österreicherinnen, die bei der Präsidentschaftswahl kandidieren wollen, bis 2. September sammeln. Für die meisten von ihnen ist diese Hürde recht hoch. Dennoch könnten am 9. Oktober erstmals sieben Kandidaten zur Wahl stehen.

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Wer schafft es hinter die berühmte Tapetentür? Eine Vielzahl an Bewerberinnen und Bewerbern steht derzeit vor der ersten Hürde von 6000 Unterschriften.
© HANS KLAUS TECHT

Wien – Der Stimmzettel für die Hofburg-Wahl kratzt am Rekord – auch wenn nur eine Parlamentspartei einen Kandidaten nominiert hat. Die bisher größte Auswahl gab es 2016 und 1951, mit sechs Kandidaten, die die nötigen 6000 Unterstützungserklärungen aufbringen konnten. Damit kann heuer neben Alexander Van der Bellen auch FPÖ-Kandidat Walter Rosenkranz fix rechnen. Vier bis fünf weitere Kandidaten dürften ganz gute Chancen haben.

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Bierpartei-Chef Dominik Wlazny und MFG-Vorsitzender Michael Brunner dürfte es (geht man von den Stimmen für ihre Parteien bei früheren Wahlen aus) gelingen, die 6000 Unterschriften bis 2. September zu sammeln. Gute Chancen haben zudem der Ex-Politiker (FPÖ und BZÖ) und jetzige Blogger Gerald Grosz sowie Krone-Kolumnist Tassilo Wallentin – und auch "Waldviertler"-Schuhmacher Heinrich Staudinger könnte es gelingen, ist doch auch er recht bekannt.

Die Kurzbiografien der Kandidaten, die bei der Bundespräsidentenwahl (vielleicht) am Stimmzettel stehen werden:

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📍 ALEXANDER VAN DER BELLEN

© FRANZ NEUMAYR

Seit 2016 Bundespräsident, setzte sich im Wahl-Marathon mit 53,8 Prozent gegen Norbert Hofer (FPÖ) durch. Die Hofburg ist die dritte Wirkungsstätte des 78-Jährigen. Ursprünglich war der Volkswirt als Universitätsprofessor an den Unis Wien und Innsbruck tätig. Mit 50 ging er in die Politik und wurde Abgeordneter im Nationalrat (1994 bis 2012) – für die Grünen, die ihn 1997 zum Chef erkoren. Nach Verlusten bei der Wahl 2008 trat er als Bundessprecher zurück, 2012 wechselte er vom Nationalrat in den Gemeinderat der Stadt Wien – deren Universitätsbeauftragter er schon seit 2011 war. 2016 trat Van der Bellen als unabhängiger Kandidat – jedoch kräftig unterstützt von den Grünen – bei der Bundespräsidentenwahl an. Geboren wurde Van der Bellen am 18. Jänner 1944 in Wien, als Sohn russisch-estnischer Eltern. Aufgewachsen ist er im Kaunertal, österreichischer Staatsbürger wurde er erst 1958. Van der Bellen ist Vater zweier Söhne aus erster Ehe und jetzt mit Doris Schmidauer verheiratet.

📍 WALTER ROSENKRANZ (FPÖ)

© Herbert Pfarrhofer

Seit 1. Juli 2019 Volksanwalt – nominiert, wie für die Hofburgwahl auch, von der FPÖ. Der 60-jährige Rechtsanwalt hat bereits eine lange Partei- und Politikkarriere hinter sich: Schon in der Freiheitlichen Studenteninitiative brachte er es zum Bundesobmann, dann kam er über den Kremser Gemeinderat und die Wiener FPÖ (als Hausjurist) in den Nationalrat. 2008 bis 2019 war Rosenkranz freiheitlicher Abgeordneter, von 2017 bis 2019 unter Heinz-Christian Strache auch geschäftsführender Klubobmann. Außerdem führte er von 2013 bis 2019 die niederösterreichische Landespartei. Studiert hat der am 29. Juli 1962 in Krems geborene Rosenkranz in Wien nicht nur die Rechtswissenschaften, sondern parallel auch zwei Jahre das Konzertfach Gitarre an der Hochschule. Der 60-Jährige ist verheiratet und Vater eines Sohnes.

📍 MICHAEL BRUNNER (MFG)

© EXPA/JOHANN GRODER

Der 61-jährige Jurist kam über den Protest gegen die Corona-Maßnahmen in die Politik. In Erscheinung trat der Rechtsanwalt mit seiner Kanzlei in Wien mit zahlreichen Verfassungsbeschwerden gegen die Schutzmaßnahmen. Im Februar 2021 war Brunner dann einer der Mitbegründer und ist jetzt Bundesobmann der Partei MFG (Menschen – Freiheit – Grundrechte). Sie trat im Herbst 2021 erfolgreich bei der Oberösterreich-Wahl an: Auf Anhieb zogen die Impfskeptiker mit mehr als 50.000 Stimmen (6,2 Prozent) in den Landtag ein. Bei den Tiroler Kommunalwahlen im heurigen Februar gelang zwar weitgehend der Einzug in die Gemeinderäte, auf Bürgermeister-Ebene war allerdings kein MFG-Kandidat erfolgreich.

📍 DOMINIK WLAZNY

© GEORG HOCHMUTH

Dominik Wlazny Strebt unter bürgerlichem Namen die Hofburg-Kandidatur an, ist aber besser bekannt als "Marco Pogo", Sänger und Komponist der Punkrock-Band Turbobier. Für die Musik entschied er sich während seiner Zeit als Turnusarzt. Über die Musik kam er zur Politik. 2015 gründete er – wegen eines gleichnamigen Songs – die Bierpartei, zum Spaß. 2019 machte er Ernst damit: Bei der Nationalratswahl 2019 schaffte Wlazny die Kandidatur in Wien und holte fast 5.000 Stimmen. Bei der Wiener Gemeinderatswahl 2020 waren es schon rund 13.100, aber nicht genug für den Landtagseinzug. Den Einzug in einige Bezirksvertretungen schaffte die Bierpartei aber, Pogo ist Bezirksrat in Simmering. Und alles andere als Impfskeptiker: Der (nicht praktizierende) Arzt impfte in Wiener Impfstraßen und auch vor seinem Konzert in der Arena gegen Corona. Das Medizinstudium in Wien hat er 2012 abgeschlossen.

📍 TASSILO WALLENTIN

© PICTUREDESK.COM/STARPIX/ALEXANDE

Der Wiener Rechtsanwalt möchte als unabhängiger Kandidat am 9. Oktober antreten – und nicht, wie im Vorfeld erwartet worden war, als Kandidat der FPÖ. Diese wollte den Rechtsanwalt 2018 zum Verfassungsrichter machen, aber angesichts großer Vorbehalte des Koalitionspartners ÖVP und des Bundespräsidenten verzichtete Wallentin. Grund für die Skepsis waren seine sonntäglichen Kolumnen in der Kronen Zeitung, in denen er immer wieder mit Angriffen auf die EU auffiel. Die Kolumnen werden nun eingestellt, teilte die Krone – deren Gründer Hans Dichand der Anwalt über mehrere Jahre vertreten hat – bei Bekanntgabe seiner Kandidatur mit. Wallentin wurde am 25. Dezember 1973 geboren, studierte (nach dem Schulbesuch in Wien) in Salzburg Rechtswissenschaften. Dort war er zunächst Universitätsassistent, nach Mitarbeit in einer Anwaltskanzlei in den USA gründete er 2004 seine Kanzlei in der Wiener Innenstadt.

📍 GERALD GROSZ

© ERWIN SCHERIAU

Der 45-jährige Steirer ist mittlerweile Blogger, hat aber eine lange Karriere in der Politik hinter sich – erst bei der FPÖ und dann bei Jörg Haiders BZÖ. Zur FPÖ kam er schon 1992, über den Ring Freiheitlicher Jugend. Nach der Schule absolvierte Grosz eine kaufmännische Lehre in einer Grazer Werbefirma, 1999 wurde er parlamentarischer Mitarbeiter im FPÖ-Klub. Von 2000 bis 2005 war er Pressesprecher von FPÖ-Regierungsmitgliedern (Herbert Haupt und Sigisbert Dolinschek). 2005 wechselte er zum neu gegründete BZÖ, wo er in zahlreichen Funktionen tätig war, u.a. als Steiermark-Chef, Generalsekretär, Grazer Gemeinderat, Nationalratsabgeordneter (2008 bis 2013) – und nach dem verpassten Wiedereinzug 2013 als Parteichef. 2015 zog er sich aus der Partei zurück und wurde Unternehmer und Blogger. Grozs – geboren am 15. Februar 1977 in Graz – ist seit 2013 mit seinem Lebensgefährten verpartnert.

📍 HEINRICH STAUDINGER

© HANS KLAUS TECHT

Geboren (am 5. April 1953) und aufgewachsen in Oberösterreich, ist Staudinger mit den "Waldviertler Schuhen" bekannt geworden. Studien hat er mehrere (u.a. Medizin) begonnen, aber keines abgeschlossen. Stattdessen gründete er 1980 in der Lange Gasse in Wien-Josefstadt ein Schuhgeschäft, beteiligte sich an der Schremser Waldviertler Schuhwerkstatt – und legte damit den Grundstein zum Unternehmen GEA mit mittlerweile mehr als 50 Filialen in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Bekannt geworden ist der 59-Jährige nicht nur mit Schuhen, Möbeln und Naturmatratzen, sondern auch als "Schuhrebell" durch seinen öffentlichen Konflikt mit der Finanzmarktaufsicht (FMA) für das eigene Geschäft und generell für private Finanzierungsmodelle ("Crowd Funding").


16 weitere BewerberInnen mit wenig Chancen

Nicht allzu groß dürften die Chancen von 16 weiteren Kandidaturwilligen sein – auch wenn mittlerweile so gut wie alle das Internet nützen, um auf sich aufmerksam zu machen. Wie schwierig es ist, sah man 2016 an Robert Marschall. Er hat mit diversen Parteien schon an einigen Wahlen teilgenommen, bei der EU-Wahl 2014 schaffte er mit "EU-STOP" beachtliche 2,76 Prozent mit rund 78.000 Stimmen. Aber 2016 scheiterte sein Hofburg-Versuch. Er reichte zwar fristgerecht Unterstützungserklärungen ein und in der Nachfrist noch weitere – aber es waren weit weniger als nötig. Zuletzt trat Marschall vor allem mit Volksbegehren in Erscheinung. Ein gegen die Impfpflicht gerichtetes kam auf rund 247.000 Unterschriften, im September liegt "COVID-Maßnahmen abschaffen" zur Eintragung auf. Dies übrigens zeitgleich mit einem zur "Wiedergutmachung der COVID-19-Massnahmen", bei dem MFG-Chef Brunner zum Proponentenkreis zählt.

Aus dem Kreis der Corona-Maßnahmen-Kritiker kommen noch weitere Kandidaturwillige – wie der Demo-Aktivist Thomas Schaurecker (früher FPÖ- und FPS-Politiker in Salzburg), Hubert Thurnhofer oder die zwei Tirolerinnen Helga Egger und Barbara Rieger. Im Proponentenkreis von Impfpflicht-Volksbegehren (sowohl Contra als auch Pro) war ein weiterer Unterschriften-Sammler, Antolij Volk.

Sowohl impf-kritisch als auch wahlerfahren ist Johann Peter Schutte. Er trat mit seiner Liste "Referendum" bei der Oberösterreich-Wahl an, kam aber nur auf 377 Stimmen. Ebenfalls schon bei der OÖ-Wahl im September 2021 dabei war der (wie er sich bezeichnet) "Experte für Demokratieinnovation" David Packer. Seine Liste "Bestes Oberösterreich" bekam rund 2000 Stimmen – was immer zu wenig wäre für eine Hofburg-Kandidatur.

Unermüdlich um eine Kandidatur bemüht sich Gerhard Kuchta, obwohl er mit seiner "Demokratischen Alternative" schon bei mehreren Wahlen an der Unterstützungs-Hürde scheiterte. Immerhin auf den Stimmzettel geschafft hat es Oliver Hoffmann mit der Liste "Direkte Demokratie" bei der Wien-Wahl 2010, aber sie fand nur 331 Wähler. Für das LIF in Villach bei der Gemeinderatswahl kandidiert hat Wolfgang Ottowitz, der jetzt ebenfalls gerne auf dem Bundespräsidenten-Stimmzettel stünde – wie auch Mark Hanno Fessl ("Uhrmacher und Künstler"), der Busunternehmer Franz Gollowitsch, der Gesundheitsberater Konstantin Haslauer sowie der Schauspieler und Moderator Rudolf Remigius Kleinschnitz. Auch der Käse-Händler Roland Ludomirska hat seine Kandidatur-Absicht kundgetan.

Wer erfolgreich war, wird man Anfang September wissen – wenn die Wahlbehörde die Wahlvorschläge geprüft hat und die Stimmzettel für den 9. Oktober in Druck gehen. (APA, TT.com)


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