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„Il Messia“: Ein Klassiker unerhört ungehört neu

Georg Friedrich Händels „Il Messia“ bei den Festwochen der Alten Musik im Innsbrucker Haus der Musik.

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Alessandro De Marchi inmitten „seiner“ Musikerinnen und Musiker, u. a. der kurzfristig eingesprungenen Sopranistin Eleonora Bellocci.
© Felix Pirker

Von Edith Schlocker

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Innsbruck – Händels Oratorium „Messias“ ist eindeutig das bekannteste Werk des deutschen Meisters des Barock. Der „Messias“, der am Sonntag im Innsbrucker Haus der Musik erklang, war allerdings anders als gewohnt. Nicht nur, weil hier in Italienisch statt in Englisch gesungen wurde, auch musikalisch. Da gibt es Sequenzen wie das „Halleluja“, die fast Ohrwürmer sind, während andere ganz neu, unerhört ungehört daherkommen.

Was sie auch sind, galt das Libretto der 1768 – 26 Jahre nach der uns bekannten – in Florenz uraufgeführten Fassung, die Alessandro De Marchi nun zu Gehör gebracht hat, doch lange als verschollen. In zwei, statt in drei Teilen wird hier die in knappe Sieben- bis Elfsilber gegossene christliche Heilsgeschichte erzählt, beginnend mit den alttestamentlichen Prophezeiungen von Propheten wie Jesaja über das Leben Jesu, seine Geburt, seinen Tod am Kreuz und sein erhofftes zweites Kommen.

Die Besetzung für „Il Messia“ ist groß, fast zu groß für die Bühne des Großen Saals im Haus der Musik. Auf dem sich der fabelhafte Coro Maghini, das spielfreudige Innsbrucker Festwochenorchester – das stolz auf die fast solistischen Qualitäten seiner Konzertmeisterin Olivia Centurioni sein kann – genauso wie die vier SolistInnen zusammendrängten. Rund um Maestro Alessandro De Marchi, der den „Messias“ mit dem Taktstöckchen in der Hand hüpfend und fast tanzend regelrecht lebte.

Das Ereignis des Abends war allerdings die 1. Preisträgerin des Cesti-Gesangswettbewerbs von 2020, Margherita Maria Sala. Ist ihr Alt doch voller Magie, unmittelbar berührend durch seine schnörkellos-herbe Sinnlichkeit. Ganz im Gegensatz zum bisweilen etwas schrillen Sopran der kurzfristig für Arianna Vendittelli eingesprungenen Eleonora Bellocci. Alle Facetten von Dramatik hat der Bass von Luigi De Donato zu bieten, gegen den der Tenor von Jeffrey Francis leider allzu blass ausfallen musste.

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Das Festwochenpublikum tobte, wollte De Marchi und seine MusikerInnen nicht ziehen lassen. Um sich für so viel Liebe mit drei Reprisen aus „Il Messia“ zu bedanken.


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