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Schuldenberatungen: Erstkontakte und Privatkonkurse in Österreich steigen

Die Zahl der Privatkonkurse ist aktuell um etwa ein Drittel höher als 2021. Die Schuldenberatung beobachtet „die Situation mit großer Sorge“.

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Auch die Erstkontakte bei Schuldenberatungen steigen.
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Wien – Die Teuerung sei für immer mehr Menschen akut existenzbedrohend, urgierte die österreichische Schuldenberatung am Donnerstag in einer Aussendung. Im ersten Halbjahr 2022 stieg die Zahl der Erstkontakte bei der Beratungseinrichtung im Vergleich zum Vorjahr um 10,5 Prozent. Im selben Zeitraum wurden rund 34 Prozent mehr Privatkonkurse eröffnet. Man müsse Förderungen gezielter ausschütten, so die Forderung. Die Folgen der Teuerung würden ohnehin erst verzögert spürbar.

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Aufgeblähte Lebenserhaltungskosten würden "viele über kurz oder lang überfordern", hieß es in der Aussendung. Die Zahl der Privatkonkurse steige in allen Bundesländern an, die Spitze der Pleitewelle dürfte noch nicht erreicht sein, befürchtet Clemens Mitterlehner, Geschäftsführer der ASB Schuldnerberatungen GmbH, Dachorganisation der staatlich anerkannten Schuldenberatungen in Österreich. Das Problem sei, "dass diese steigenden Konkurszahlen die Auswirkungen der Teuerung noch kaum beinhalten. Die Effekte der Preissteigerung werden erst verzögert zu Konkursen führen." Daher beobachte man "die Situation mit großer Sorge", wurde Mitterlehner in der Aussendung zitiert.

Das überarbeitete Insolvenzrecht ermögliche zwar die Entschuldung binnen dreier Jahre. Ein Privatkonkurs sei für viele aber schon gar nicht mehr leistbar, denn "dafür ist es notwendig, dass alle Ausgaben mit den Einnahmen gedeckt werden können und keine neuen Schulden gemacht werden", erklärte Mitterlehner. Die Option eines verkürzten Konkursverfahrens sei für Privatpersonen - anders als für Unternehmerinnen und Unternehmer - bis 2026 befristet. Im Sinne des Gleichheitsgrundsatzes dürfe man hier nicht länger differenzieren, forderte die Schuldenberatung.

Notwendig sei daher eine gezieltere Verteilung von Förderungen für Menschen mit geringem Einkommen. So ließen sich der Konsum einkommensschwacher Haushalte ankurbeln und die Wirtschaft stärken. Mitte der Woche hatte das gewerkschaftsnahe Momentum Institut vorgerechnet, dass die Inflation heuer das ärmste Zehntel der österreichischen Haushalte 1,25 Monatseinkommen kosten werde. Die wirtschaftsnahe Agenda Austria hielt dagegen und bezeichnete die ins Werk gesetzten Teuerungspakete als ausreichend. Die Tragweite der aktuellen Konkurswelle infolge der Inflation werde erst langfristig "mit voller Wucht sichtbar werden", gab ASB-Geschäftsführer Mitterlehner zu bedenken. (APA)


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