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Tannheimer Straße nach Mure wieder befahrbar, Entspannung bei Unwettern in Sicht

In Vorarlberg sorgte Rekord-Regen am Freitag für rund 1500 Feuerwehreinsätze, auch in Tirol waren die Helfer gefordert. Die Nacht auf Samstag verlief ruhiger als befürchtet. In der Früh verlegte eine Mure die Tannheimer Straße, inzwischen konnte sie wieder für den Verkehr freigegeben werden. Vollständige Entwarnung dürfte es am Sonntag geben.

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Im Tannheimer Tal ging in den frühen Morgenstunden eine Mure nieder und verlegte die Bundesstraße (B199)
© ZOOM.TIROL

Innsbruck ‒ Nach den schweren Gewittern, die am Donnerstag über Kärnten, Niederösterreich und die Steiermark fegten und fünf Menschen das Leben kosteten, war man am Freitag Tirol in Alarmbereitschaft. Während die Feuerwehren am Nachmittag und Abend mehrfach ausrücken mussten, verlief die Nacht auf Samstag dann jedoch ruhiger als befürchtet. Auf Nachfrage von TT.com berichtete die Leitstelle Tirol von „einer Handvoll Einsätze", etwa wegen Wasserschäden und umgestürzten Bäumen.

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Tannheimer Straße nach Mure vorübergehend gesperrt

Im Tannheimer Tal ging dann am Samstag in den frühen Morgenstunden eine Mure nieder und verlegte die Bundesstraße (B199). Sie war ab Weißenbach nicht passierbar, das Tal war somit für einige Stunden nur über über Deutschland erreichbar. Nach Sicherungs- und Aufräumarbeiten konnte die Straße im Laufe des Vormittags wieder für den Verkehr freigegeben werden.

Der Straßenabschnitt wurde für Fahrzeuge unter 3,5 Tonnen einspurig ganztägig geöffnet. In den kommenden Tagen werden weitere Arbeiten zur Sanierung und Instandsetzung durchgeführt.

Folgen des Starkregens im Tannheimer Tal.
© ZOOM.TIROL

Ebenfalls bereits aufgehoben werden konnte eine Sperre auf der Tannheimer Straße bei Grän, durch die Nesselwängle kurzzeitig nicht erreichbar gewesen war. Innerhalb der Gemeinde Nesselwängle war aufgrund einer unterspülten Straße der Ortsteil Rauth nicht erreichbar. Erste Begutachtungen und Sicherungsmaßnahmen wurden bereits vorgenommen, berichtete das Land am Samstagnachmittag. Es wurden demnach Betonleitwände installiert.

Die Straße nach Rauth wurde in Mitleidenschaft gezogen.
© ZOOM.TIROL

Am Samstagabend wurde der Straßenabschnitt von 18 bis 20 Uhr für Fahrzeuge unter 3,5 Tonnen einspurig geöffnet. Ab Sonntag (und bis auf weiteres) ist die Straße nach täglich von 7 bis 20 Uhr für Fahrzeuge unter 3,5 Tonnen einspurig befahrbar. In den kommenden Tagen werden weitere Begutachtungen und Arbeiten im Zuge weiterer notwendiger Sicherungsmaßnahmen durchgeführt.

Mehrere Feuerwehren aus dem Tannheimer Tal sowie Gemeinde-Mitarbeiter waren am Samstag mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Sowohl in Nesselwängle als auch in Grän traten mehrere Bäche über die Ufer, Keller liefen voll. Nach Angaben der Feuerwehr stand das Sägewerk Grän etwa eineinhalb Meter tief im Wasser, in Tannheim waren zwei Betriebe im Gewerbegebiet stark betroffen. Dort stand das Wasser bis zu einem Meter hoch.

📽️​ Video | Zahlreiche Einsätze im Tannheimertal:

Entwarnung erst am Sonntag

Meteorologen hatten im Westen Österreichs schwere Unwetter und Starkregen angekündigt, eine offizielle Regenwarnung wurde ausgegeben. Am Wochenende zieht das Tief zwar allmählich ab – aber nur langsam. Somit fällt der Samstag in Tirol noch ziemlich unbeständig aus, prognostiziert die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Für Teile Tirols, insbesondere nördlich des Inn, gilt nach wie vor erhöhte Gefahr. In der Nacht auf Sonntag sollte es mit dem Regen vorerst vorbei sein.

© Hürlimann Klara

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Zur Warn-Karte der ZAMG

„Endgültige Wetterberuhigung", mehr Sonne und bis zu 25 Grad verspricht laut ZAMG dann der Sonntag. In der neuen Woche verstärkt sich aus derzeitiger Sicht von Westen her Stück für Stück Hochdruckeinfluss. Viel Sonne steht auf dem Programm, dazu steigen die Temperaturen im Laufe der Woche wieder bis zur 30-Grad-Marke an.

Nicht nur in Tirol, bis nach Oberösterreich ist Entspannung in Sicht. Die Niederschlagsraten lassen in den Staugebieten allmählich nach, am Sonntag nach Mitternacht sei allerdings in Niederösterreich, Wien und der Nordhälfte des Burgenlandes immer häufiger mit Regen zu rechnen. Dichte Wolken und Regen bleiben dem Osten im weiteren Tagesverlauf erhalten. Auch in Salzburg, Oberösterreich und in der Steiermark ziehen noch einige Wolkenfelder durch, hier dürfte es aber bei einzelnen Regenschauern bleiben. Generell sonnig bleibt es dagegen im Westen und Süden.

📽️​ Video | Wetteraussichten für ganz Österreich:

Feuerwehren am Freitag im Dauereinsatz

Murenabgänge, Überschwemmungen, vollgelaufene Keller und gesperrte Straßen: Heftige Unwetter mit starkem Regen verursachten am Freitag insbesondere im Tiroler Unterland einige Schäden.

Eine Mure verlegte die Gemeindestraße in Auffach.
© FF Auffach

In Auffach in der Wildschönau etwa verlegte ein Murenabgang am Nachmittag eine Gemeindestraße auf einer Länge von 100 Metern. „Wir sind nochmal mit einem dunkelblauen Auge davongekommen“, resümierte der Kommandant der FF Auffach, Bernhard Margreiter. Die Straße wurde für mehrere Stunden gesperrt und geräumt. Auch in Scheffau, Kundl und Wörgl gab es Alarmierungen wegen Wasserschäden.

Deutscher Wetterdienst: Weiter heftiger Starkregen in Bayern

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte auch am Samstag vor heftigem Stark- und Dauerregen am Alpenrand – also in Bayern und an der Grenze zu Tirol. Bisher wurden keine größeren Einsätze aufgrund der Wetterlage gemeldet. Lediglich in Niederbayern war es auf einigen Bundesstraßen zu Aquaplaning gekommen. Ernsthaft verletzt wurde niemand. Der „unwetterartige Regen" soll sich laut DWD aber fortsetzen.

Situation in Vorarlberg hat sich entspannt

In Vorarlberg hat sich die Situation mittlerweile weitestgehend entspannt. Über Stunden anhaltender Starkregen hatte am Freitag rund 1500 Feuerwehreinsätze notwendig gemacht. Die Rekordniederschläge führten zu zahlreichen Überflutungen von Ortsteilen und Straßen, auch Muren gingen nieder. Im Minutentakt wurden Wassereintritte in Gebäude gemeldet, vor allem Keller und Garagen liefen voll. Ebenso wurden Unterführungen und Fahrbahnen auch wichtiger Verkehrsadern überschwemmt, mehrere Autos steckten in den Wassermassen fest.

Ein wichtiger Abschnitt der Rheintalautobahn (A14) war stundenlang gesperrt, was den Verkehr im Unteren Rheintal zum Erliegen brachte. Ein Ende des Regens gegen Mitternacht brachte aber deutliche Entspannung. Verletzt wurde niemand.

📽️​ Video | Bericht über Starkregen in Vorarlberg:

In Vorarlberg war besonders das Untere Rheintal betroffen – wie hier in Wolfurt, wo Bäche das Ortszentrum überfluteten.
© UNBEKANNT

Die Aufräumarbeiten werden aber wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen, die durch die Wassermassen verursachten Schäden dürften vielerorts erheblich sein.

Nach einem Hangrutsch noch gesperrt war am Samstag die Straße zwischen Buch und Wolfurt im Bezirk Bregenz. Das Gebiet war vom Starkregen besonders betroffen gewesen. Das gilt auch für Dornbirn, wo die Furt über die Dornbirner Ache bis zumindest Dienstag geschlossen bleibt. Laut einer Mitteilung der Stadt überschritt der Pegel der Ache die Marke eines 100-jährlichen Hochwassers am Freitagabend um 20 Zentimeter. Schäden habe es auch im Rappenloch und im Alploch gegeben. Die Wanderwege blieben trotzdem offen, doch wurde zu besonderer Vorsicht aufgerufen.

Überflutungen in Bregenz.
© APA/ANGELIKA GRABHER-HOLLENSTEIN

Ebenso riet das Umweltinstitut wegen einer möglichen Beeinträchtigung der Wasserqualität zu Vorsicht beim Baden an überschwemmten Uferabschnitten des Bodensees. Eine vorübergehend erhöhte Keimbelastung könne nicht ausgeschlossen werden, hieß es. Wasserproben zur Feststellung der Badequalität an den Bodensee-Badestellen seien bereits genommen worden.

Nach Angaben der ZAMG gab es bis Freitagnachmittag über das ganze Bundesland Vorarlberg verteilt neue Rekorde an 24-Stunden-Regenmengen: In Bregenz kamen bis 16.30 Uhr über 200 Liter pro Quadratmeter zusammen (bisher Höchstwert: 174 Liter/1968), in Dornbirn waren es knapp 180 Liter (113 Liter/2013). In Fraxern im Bezirk Feldkirch wurden knapp 160 Liter (126 Liter/2013) verzeichnet, in der Stadt Feldkirch 150 Liter (122 Liter/1910). Zum Vergleich: Durchschnittlich fallen in Vorarlberg im ganzen Monat August nicht mehr als 100 Liter Regen. (TT.com)

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Aufräumarbeiten in Steiermark und Kärnten im Gang, Karner dankte Einsatzkräften

Nach den heftigen Unwettern, die in Kärnten zwei Mädchen das Leben gekostet haben, waren am Wochenende die Aufräumarbeiten in Kärnten und der ebenfalls stark betroffenen Steiermark im Gange. Wie der Präsident des österreichischen Bundesfeuerwehrverbands, Robert Mayer, am Samstag erklärte, wurden in der Steiermark rund 1000 Einsätze aufgrund des Unwetters verzeichnet, die 370 Feuerwehren sowie fünf Ortsstellen der Bergrettung beschäftigten.

In Kärnten waren 94 Einsatzkräfte der Feuerwehr, Wasserrettung, Rettung sowie 16 Polizeibeamtinnen und -beamte im Einsatz. Mayer betonte, die Unwettereinsätze würden Bevölkerung und Feuerwehren „vom Bodensee bis zum Neusiedlersee" fordern. Nichtsdestotrotz hätten die zum Großteil ehrenamtlichen Feuerwehrmitglieder „wieder einmal bewiesen, dass das österreichische Feuerwehrwesen funktioniert, auch wenn die Einsätze oftmals tragisch und psychisch belastend sind", sagte Mayer in einer vom Innenministerium verbreiteten Pressemitteilung.

Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) dankte indes den 350.000 Mitgliedern der Feuerwehren. Diese würden „eine unschätzbare Arbeit für die Sicherheit, aber auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserem Land" leisten. Sie hätten „jede Unterstützung verdient", meinte Karner anlässlich des Antrittsbesuchs von Mayer.


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